Herausforderungen für Gesundheitspolitik

Zweite Corona-Welle trifft Deutschland: Spahn erklärt Plan - Kritik an aktueller Regelung

Die Corona-Neuinfektionen steigen in Deutschland drastisch. Wie gut sind Jens Spahn und die deutsche Gesundheitspolitik auf die zweite Welle vorbereitet?

  • Die Neuinfektionen in Deutschland nähern sich dem bisherigen Höchstwert an.
  • Gesundheitsminister spricht in München über die Zukunft der Gesundheitspolitik.
  • Dass eine Abhängigkeit von China nicht immer vorteilhaft sei, gilt als „Lesson Learned“, so Spahn

Update vom 12. Oktober, 17.49 Uhr: Spahn äußert sich zuversichtlich, dass im ersten Quartal 2021 ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden sein werde. Eine Immunität von 50 bis 65 Prozent der Bevölkerung würde wahrscheinlich ausreichen, um das Virus einzudämmen. Dass eine vergleichsweise geringe Quote ausreicht, liege am Ansteckungsrisiko. Masern seien im Vergleich deutlich ansteckender, daher müssen 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft sein, um die Krankheit zu besiegen. Auch hinsichtlich dieses Fakts betonte der Gesundheitsminister, dass es keine Impfpflicht geben wird, sofern das Ziel auch über freiwillige Impfungen erreicht werden kann. Spahn ist überzeugt, dass die benötigte Quote auch durch freiwillige Impfungen erreicht werden kann.

Update vom 12. Oktober, 17.43 Uhr: Langfristig betrachtet sprach Jens Spahn auf Nachfrage langfristige Präventionsmaßnahmen an. Zum einen spreche nichts dagegen, an einfachen Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen, festzuhalten. Auch das Tragen von Masken in den Wintermonaten, in denen sich Menschen häufiger anstecken, hält Spahn für möglich.

Update vom 12. Oktober, 17.35 Uhr: Hinsichtlich Tests sagte Jens Spahn, dass pro Woche 1,1 Millionen Menschen getestet würden. 1,6 Prozent der Tests fallen positiv aus. Dieser Werte beweise, dass das Dunkelfeld recht gering sein. Eine Quote von beispielsweise 40 Prozent würde bedeuten, dass ganz viele Fälle nicht registriert würden.

Corona-Regeln: Spahn befürwortet einheitliche bundesweite Linie

Update vom 12. Oktober, 17.27 Uhr: Auf Nachfrage ging Jens Spahn auf weitere Maßnahmen ein. Für die Mobilität sei es wichtig mit den Ministerpräsidenten eine einheitliche Linie zu finden. Das Corona-Beherbergungsverbot gilt aktuell nicht im jedem Bundesland gleichermaßen.

Spahn sprach zudem die Ausweitung der Maskenpflicht an und auch mögliche strengere Regeln für Partys, Feiern und Events führte Spahn an. Zu Geldstrafen bei Missachtung der Corona-Regeln betonte Spahn, dass die Regeln konsequent akzeptiert werden. Er halte nichts von extremer Bewachung, dauerhafte Regel-Brecher müssten aber strikt bestraft werden. Stichprobenartige Kontrollen sollen das Ziel erreichen.

Jens Spahn spricht über Lehren aus der Corona-Pandemie

Update vom 12. Oktober, 17.19 Uhr: Kritisch führte Spahn an, dass eine große Abhängigkeit von anderen Ländern wie China besteht. Als „Lesson Learned“ gilt, dass nicht in China entschieden werden sollte, ob es in Europa genügend Schutzmasken gibt. Wirtschaftliche Arbeitsteilung sei durchaus sinnvoll, in bestimmten Bereichen aber nicht immer vorteilhaft, so Spahn.

Auch in der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Absatzmarktes sieht Jens Spahn ein Problem. Weil der Markt in China eingebrochen sei, seien die Produktionsbänder in Deutschland stillgestanden. In der Pandemie ist es zudem wichtig, europäische Unternehmen, wie die Lufthansa, zu erhalten. Auch die Stärkung von biotechnologische Unternehmen hält Jens Spahn als relevant für Europa.

Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig ein starker Sozialstaat in einer Krise ist. Das ein starkes Gesundheitssystem die Grundlage für eine starke Wirtschaft sei, stellte sich ebenfalls heraus, so Spahn.

Update vom 12. Oktober, 17.09 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht bei den Munich Economic Debates über die Zukunft der Gesundheitspolitik während der Corona-Pandemie. „Die Zahlen steigen“, stellte Spahn anfangs an. Im europäischen Vergleich stehe Deutschland jedoch noch recht gut da. Das liege an der großen Bereitschaft der Bürger sich an die AHA-Regeln zu halten. Private Feiern würden jedoch noch immer ein großes Risiko bieten. Daher müsse vor allem in diesem Bereich reagiert werden.

Erstmeldung vom 12. Oktober, 15.56 Uhr:

München - Bundesweit steigen die Corona-Infektionen wieder drastisch an. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen stiegen zuletzt wieder über 4.000 und nähern sich den bisherigen Höchstwerten an. Anfang April wurde teilweise über 6.000 Neuinfektionen täglich gemeldet. Allerdings wird mittlerweile deutlich mehr getestet als noch im Frühjahr. Trotzdem ist die negative Entwicklung nicht zu leugnen.

Corona-Neuinfektionen steigen - Immer mehr Hotspots in Deutschland

Immer mehr Städte und Regionen in Deutschland überschreiten den kritischen Sieben-Tage-Inzidenzwert* von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner und werden als Hotspots eingestuft. Das führt dazu, dass lokal vielerorts die Maßnahmen wieder strenger werden. In Berlin gilt beispielsweise seit Samstag eine Sperrstunde für die meisten Restaurants, Bars und Kneipen von 23 bis 6 Uhr morgens. Im Freien dürfen sich nur noch fünf Personen ab 23 bis 6 Uhr versammeln. Bei privaten Feiern oder Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl auf zehn Personen beschränkt.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht während einer Pressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland.

Ähnlich sieht es auch in München aus. Dort wurde, nachdem der Inzidenzwert von 50 überschritten wurde die Maskenpflicht in der Innenstadt erneut eingeführt. Auch das schon seit Wochen bestehende Alkoholverbot am Wochenende an sogenannten „Hotspots“ wie dem Gärtnerplatz bleibt weiter bestehen. Genau wie in Berlin wird es auch eine Sperrstunde in München geben. Täglich ab 22 Uhr ist dann das Ausschenken von Alkohol in Gaststätten verboten.

Corona: Hält das Gesundheitssystem der zweiten Welle Stand? - Jens Spahn spricht über Herausforderungen der Gesundheitspolitik

Doch wie wirken sich die steigenden Infektionszahlen auf das Gesundheitssystem aus? Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde die Anzahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte deutlich erhöht. Eine Auslastung der Krankenhäuser wie in Italien hatte es aber zu keinem Zeitpunkt gegeben. Auch die Todesfälle sind seit Monaten auf einem sehr niedrigen Niveau*.

Der Anteil der Verstorbenen an den positiv Getesteten lag Mitte April bei sieben Prozent, im August lag er bei 0,1 Prozent. Ein Grund dafür ist wohl, dass sich mehr jungen Menschen mit dem Virus infizieren als am Anfang der Pandemie. „Wir haben eine junge Bevölkerung in den Großstädten. Und wir wissen ja, dass in den letzten Wochen vor allem junge Menschen infiziert wurden“, beurteilt Virologe Drosten die momentane Entwicklung.

Video: Corona in Deutschland: Herbst und Höchstwerte

Wird das Gesundheitssystem also auch bei der zweiten Welle* standhalten? Werden die Intensivbetten dieses Mal doch alle benötigt? Gesundheitsminister Jens Spahn* (CDU*) spricht am 12. Oktober ab 17 Uhr bei den Munich Economic Debates in München über die Herausforderungen der Corona-Krise für die deutsche Gesundheitspolitik und wo sich das System noch verbessern muss. (md) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redkationsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa

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