Hunderte Aktivisten wollen Abrodung verhindern

Dannenröder Forst: Demo gegen Autobahn-Ausbau eskaliert - sollte Holzgestell auf Polizisten stürzen?

Vor einer Polizeikette liegen mehrere Demonstranten auf dem Waldboden
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Wir hier unten, ihr da oben: Demonstranten legen sich vor der aufmarschierten Polizei auf den Waldboden.

Bei den Protesten im Dannenröder Forst scheinen die Gegner des Autobahn-Ausbaus die nächste Stufe zu zünden. Die Lage eskaliert mehr und mehr, Polizisten entkommen nur hauchdünn einer Katastrophe.

  • Ein Abschnitt des Dannenröder Forst soll zugunsten des Ausbaus der A49 abgerodet werden.
  • Dagegen regt sich immer mehr Widerstand - die Polizei greift bereits zu Wasserwerfern und einem Hubschrauber.
  • Ein Zwischenfall mit einem Holzgestell ruft nun sogar Ermittler auf den Plan.

Stadtallendorf/München - Auseinandersetzungen mit Demonstranten, die die Konfrontation suchen, sind Deutschlands Polizeikräfte in diesem Jahr durchaus gewohnt. Viele Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen arten aus, so dass die Ordnungshüter zu härteren Bandagen greifen müssen. Erst jüngst kamen vor dem Reichstag Wasserwerfer zum Einsatz, als sich Gegner des in Windeseile verabschiedeten Infektionsschutzgesetzes* formierten. Es war nicht die erste Eskalation im Zuge der Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Und es wird auch sicher nicht die letzte gewesen sein.

Ähnlich harte Bandagen fuhr die Polizei nun laut Bild auch im Dannenröder Forst auf. In dem 1000 Hektar umfassenden und 300 Jahre alten Wald nahe Marburg lehnen sich seit Tagen hunderte Demonstranten gegen die Abrodung unzähliger Bäume zugunsten des Ausbaus der Autobahn 49 in Mittelhessen auf. Die bislang 45 Kilometer lange Verbindung zwischen Kassel und Neuental soll nach aktuellen Plänen auf knapp 88 Kilometer verlängert werden und zwischen Stadtallendorf und Homberg (Ohm) durch das bisherige Waldgebiet führen.

Schwerere Geschütze werden aufgefahren: Die Polizei bekommt im Dannenröder Forst Unterstützung von Wasserwerfern.

Dannenröder Forst: Aktivisten sollen gesicherten Rodungsbereich geentert haben

Das aber wollen die Demonstranten offenbar mit aller Macht verhindern. Wie die Bild berichtet, sollen es die mit Mundschutz ausgerüsteten Ausbaugegner sogar „auf völlige Eskalation“ abgesehen haben. 400 Aktivisten hätten sich am Sonntag zusammengefunden. 150 von ihnen sollen in den gesicherten Rodungsbereich vorgedrungen sein. Weil somit Bagger blockiert wurden, mussten die Bauarbeiten unterbrochen werden. Wohl aus Kulanz hätte die Polizei den Demonstranten erlaubt, eine halbstündige „Blockade-Demo“ abzuhalten. Doch entgegen der Absprache seien die Forstfreunde anschließend nicht abgezogen.

Deshalb seien die Einsatzkräfte in der Folge mit zwei Wasserwerfern aufmarschiert. Es kam zu Verfolgungsjagden, letztlich seien die Aktivisten aus dem gefährdeten Bereich entfernt worden. Während der Aktion stieg auch ein Polizeihubschrauber auf - von diesem fühlten sich allerdings Anwohner in ihrer Sonntagsruhe gestört.

Video: Wenn im Dannenröder Forst Polizisten auf Aktivisten treffen

Dannenröder Forst: Polizeihubschrauber soll „umfassenden und flexiblen Überblick“ verschaffen

„Da die Polizei aufgrund der bisherigen Erfahrungen mehrfach mit dynamischen und gewalttätigen Aktionsformen konfrontiert wurde und es teilweise sogar zu massiven und zielgerichteten Angriffen auf Polizeikräfte kam, muss der Hubschrauber temporär eingesetzt werden“, zitiert die Bild einen Polizeisprecher, der den Einsatz des Flugobjekts erklärte: „In dem unübersichtlichen Gelände ermöglicht er einen umfassenden und flexiblen Überblick und damit den Schutz für die Einsatzkräfte.“

Die wurden am Sonntag weiter auf Trab gehalten. Denn nachdem der Rodungsbereich von Demonstranten befreit gewesen sei, sei eine zweite Welle von Aktivisten angerückt. Diese hätte Barrikaden vor dem Dannenröder Forst errichtet. Auch hier griff die Polizei durch, die insgesamt zwei Festnahmen sowie 30 Ermittlungs- und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu verzeichnen hatte.

Jagdszenen im Dannenröder Forst: Ein Polizist greift einen Aktivisten, während andere Ausbaugegner flüchten.

Dannenröder Forst: Anschlag auf Polizei? Holzgestell fällt plötzlich um

Verschnaufpause nach dem Wochenende? Fehlanzeige! Am Montag kam es zu einem Zwischenfall, der ebenfalls Schlagzeilen produzierte. Im Dannenröder Forst stürzte ein hochbeiniges Gestell aus Baumstämmen - ein so genannter Twopod - in Richtung einiger Polizisten und eines Baggers. Die Einsatzkräfte hätten sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen können und seien unverletzt geblieben. Auch der Fahrer des Baggers kam mit dem Schrecken davon - dank der Schutzvorrichtung seiner Kabine.

Es bestehe seitens der Polizei allerdings „der Verdacht, dass ein Seil vorsätzlich gelöst wurde. In diesem Zusammenhang verfolgen wir eine Person, die damit in Verbindung stehen könnte.“ Weil „von einem gezielten Angriff auf die Einsatzkräfte“ ausgegangen werde, sei der Tatort laut Polizei abgesperrt worden. Ermittler würden sich der Sache annehmen. (mg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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