Fremdenfeindlicher Anschlag

Deutsche und Türken gedenken der Anschlagsopfer von Mölln

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Vor 25 Jahren kamen bei Brandanschlägen in der Kleinstadt Mölln drei Menschen ums Leben. Foto: Daniel Bockwoldt

Vor 25 Jahren starben in Mölln erstmals nach 1945 wieder Menschen bei fremdenfeindlichen Anschlägen. Hoffentlich haben alle daraus gelernt, sagt der türkische Botschafter ein Vierteljahrhundert später.

Mölln (dpa) - Bürger und Politiker aus Deutschland und der Türkei haben 25 Jahre nach den rassistisch motivierten Brandanschlägen von Mölln der Opfer gedacht.

Bei Gebeten in der Moschee und in der St. Nicolaikirche, Kranzniederlegungen und einer Gedenkveranstaltung in der südlich von Lübeck gelegenen Kleinstadt erinnerten sie an die drei Todesopfer und neun Verletzten. Er hoffe, dass alle etwas aus den Anschlägen gelernt haben, sagte der türkische Botschafter in Deutschland, Ali Kemal Aydin, bei einer Pressekonferenz. 

Bundesjustizminister Heiko Maas rief über Twitter zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus auf. Das Entsetzen über die Tat sei ungebrochen, schrieb der SPD-Politiker. "Wir gedenken heute der Opfer von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Wir dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen in unserem Land bedroht oder angegriffen werden."

Neonazis hatten am 23. November 1992 Molotowcocktails auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser geworfen. Erstmals nach 1945 starben bei fremdenfeindlichen Anschlägen in Deutschland wieder Menschen: Die 51 Jahre alte Bahide Arslan sowie ihre Enkelinnen Yeliz Arslan (10) und Ayşe Yilmaz (14) kamen in den Flammen ums Leben.

Trotz aller Besorgnis wegen der noch immer nicht vollständig aufgeklärten NSU-Verbrechen blicke die türkische Gemeinschaft in Deutschland zuversichtlich in die Zukunft, sagte Botschafter Aydin.

Fast alle Redner der Gedenkveranstaltung wiesen darauf hin, dass fremdenfeindliches Gedankengut in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sei. So sagte der Vorsitzende der Menschenrechtskommission der türkischen Nationalversammlung, Mustafa Yeneroglu, er halte es für bedenklich, dass sich deutsche Ermittlungsbehörden weigerten, ungeklärte Morde auf mögliche rassistische Hintergründe zu prüfen.

Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz, sagte: "Die Herausforderung besteht darin, eine lebendige Demokratie zu bleiben und zugleich ein Bollwerk gegen den Rassismus aufzubauen."

Schleswig-Holsteins Innenstaatssekretär Torsten Geerdts sagte, es sei Pflicht der Gesellschaft, grauenvolle Nächte wie die von Mölln zu verhindern. Deutschland stehe für Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Offenheit. "Deshalb haben wir alle mit Entsetzen das Erstarken der rechtsradikalen Kräfte in der jüngsten Vergangenheit beobachtet."

Der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Cebel Küçükkaraca, äußerte große Sorge angesichts der rassistischen, fremden- und islamfeindlichen Debatten in der Öffentlichkeit. Es gebe einen gefährlichen Zusammenhang zwischen solchen Debatten und mörderischen Taten wie in Mölln. Küçükkaraca forderte eine zivilgesellschaftliche Allianz gegen rechte Strömungen.

Ibrahim Arslan, der den Anschlag als Siebenjähriger überlebt hatte, warf der Stadt Mölln vor, die Opfer der Gewalttat seit Jahren zu Statisten des Gedenkens zu degradieren. "Opfer sind nicht Statisten, sondern Hauptzeugen der rassistischen Verbrechen", sagte er.

Diesen Vorwurf wies Möllns Bürgermeister Jan Wiegels (SPD) zurück. Nach den Anschlägen habe es viele positive Zeichen für Toleranz und Verständigung gegeben. "Viele Menschen setzten und setzen sich dafür ein, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion zu verbessern."

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