"Intensive" Gespräche

Deutscher Botschafter besucht Yücel und Steudtner in türkischer Haft

+
Der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, ist seit rund einem halben Jahr in Untersuchungshaft. 

Der deutsche Botschafter in der Türkei hat am Dienstag die beiden dort inhaftierten Deutschen, Peter Steudtner und Deniz Yücel, im Gefängnis besucht. Lesen Sie, was darüber bekannt ist. 

Istanbul/Berlin

- Martin Erdmann habe im Gefängnis Silivri westlich von Istanbul jeweils über eine Stunde mit Yücel und Steudtner sprechen können, hieß es am Dienstagabend aus dem Auswärtigen Amt. Es war das erste Mal seit Steudtners Festnahme Anfang Juli, dass ein deutscher Botschaftsvertreter Zugang zu ihm erhielt.

Erdmann habe sich davon überzeugen können, dass es Steudtner und Yücel "den Umständen entsprechend gut" gehe, hieß es. Beide Gespräche seien "intensiv" gewesen.

Der Menschenrechtler Steudtner war am 5. Juli auf der Insel Büyükada vor Istanbul festgenommen worden, als er ein Seminar für türkische Menschenrechtsaktivisten leitete. Neben Steudtner wurden auch der schwedische IT-Spezialist Ali Gharavi und neun türkische Menschenrechtler festgenommen, darunter die türkische Amnesty-Direktorin Idil Eser. Ihnen wird die Unterstützung einer nicht genannten Terrororganisation vorgeworfen.

Der "Welt"-Korrespondent Yücel sitzt bereits seit dem 14. Februar in Haft. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich damals freiwillig der Polizei in Istanbul gestellt. Ihm werden "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Auch Steudtner nannte er einen "Spion".

Botschafter Erdmann will auch die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu im Gefängnis besuchen. Die junge Frau wurde Ende April in Istanbul festgenommen und sitzt mit ihrem zweijährigen Sohn im Frauengefängnis Bakirköy. Ihr wird Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Gruppierung MLKP vorgeworfen. Wie auch bei Yücel und Steudtner dringt die Bundesregierung auf ihre Freilassung.

Obwohl Tolu und Steudtner als deutsche Staatsbürger ein Anrecht auf konsularische Betreuung haben, gewährte die türkische Justiz Vertretern der deutschen Botschaft nur nach langem Drängen Zugang zu den Inhaftierten. Ihre anhaltende Inhaftierung belastet die deutsch-türkischen Beziehungen massiv. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf Erdogan kürzlich vor, die Deutschen als "Geiseln" zu halten.

AFP

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bizarrer Moment: Trump wirft Stabschef vor laufender Kamera raus

Für irre Aktionen ist US-Präsident Donald Trump bekannt. Doch nun warf er einfach während eines Interviews einen hochrangigen Mitarbeiter hinaus.
Bizarrer Moment: Trump wirft Stabschef vor laufender Kamera raus

Ivanka Trump: Mit diesem Foto sorgt sie für Empörung

Der Besuch der Trumps in London wirkt nach: Ein Foto, das Ivanka Trump auf Instagram postete, sorgt für Aufregung.  
Ivanka Trump: Mit diesem Foto sorgt sie für Empörung

Befremdliche Szenen: Österreichs Ex-Kanzler Kurz lässt Prediger für sich beten - und reagiert skurril

Sebastian Kurz steht in Österreich in der Kritik: Er ließ vor tausenden Zuhörern einen evangelikalen Prediger für sich beten - von „sektenähnlichem Verhalten“ ist die …
Befremdliche Szenen: Österreichs Ex-Kanzler Kurz lässt Prediger für sich beten - und reagiert skurril

Sorge um Angela Merkel: Video zeigt heftigen Zitter-Anfall während Hymne

Am Dienstag empfing Kanzlerin Angela Merkel den ukrainischen Staatschef Selenski. Doch während der Hymne fing sie an unkontrolliert zu zittern.
Sorge um Angela Merkel: Video zeigt heftigen Zitter-Anfall während Hymne

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.