Fantasien von "Machtübernahme"

"Deutschland den Deutschen": Wirbel um geleakten AfD-Chat

+
André Poggenburg gehört zum rechtsnationalen Flügel der AfD. Foto: Matthias Bein

"Deutschland den Deutschen" ist eine populäre NPD-Parole. Die macht sich jetzt der rechtsnationale sächsische AfD-Landeschef Poggenburg zu eigen. Geleakte Protokolle einer internen Chat-Gruppe haben noch mehr zu bieten - bis hin zum Verbot "volksfeindlicher Medien" nach einer "Machtübernahme".

Magdeburg (dpa) - Mit nationalistischen Äußerungen in einer internen Chat-Gruppe haben Politiker der AfD Sachsen-Anhalt scharfe Kritik hervorgerufen. Chat-Protokolle dokumentieren etwa die Aussage "Deutschland den Deutschen" des rechtsnationalen Landeschefs und Bundesvorstandsmitglieds André Poggenburg.

Ein weiteres Parteimitglied fordert in den im Internet veröffentlichten Dokumenten faktisch die Abschaffung der Pressefreiheit - und erntet dafür fast keinen Widerspruch. In sozialen Netzwerken hagelte es daraufhin entsetzte Reaktionen, Politiker anderer Parteien sprachen von einem Offenbarungseid der Rechtspopulisten. Mehrere Medien griffen den Vorfall unter dem Schlagwort "AfD-Leaks" auf.

"Wir müssen die Medien unterwandern, sonst wird es ganz schwer", fordert laut Chat-Protokoll ein AfD-Mitglied, bei dem es sich Medienberichten zufolge um einen Bundespolizisten handeln soll. Sein Vorschlag: "Mit der Machtübernahme muss ein Gremium alle Journalisten und Redakteure überprüfen und sieben. Chefs sofort entlassen, volksfeindliche Medien verbieten."

Poggenburg teilte mit, er stehe zu seiner Aussage "Deutschland den Deutschen" und könne daran nichts Anstößiges erkennen, da ein Land selbstverständlich denen gehören solle, die dort ansässig seien. Widerspruch aus der eigenen Partei dürfte ihm damit sicher sein: Die AfD Mecklenburg-Vorpommern hatte im April den Landtagsabgeordneten Ralph Weber nach ähnlichen Äußerungen abgemahnt, weil dieser dem öffentlichen Ansehen der Partei damit geschadet habe. Seine Wortwahl "Deutschland den Deutschen" sei als Kampfparole der rechtsextremen NPD bekannt, argumentierte der Landesvorstand.

Veröffentlichter Chat-Verlauf

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump und Putin: Treffen der politischen Schwergewichte

Der Showdown beginnt. US-Präsident Trump und Kremlchef Putin schütteln in Helsinki demonstrativ kräftig die Hände. Die beiden verstehen sich sichtlich, die Beziehung …
Trump und Putin: Treffen der politischen Schwergewichte

"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört Europäer - Geheim-Gespräch mit Putin beginnt hoffnungsvoll

Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten im News-Ticker.
"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört Europäer - Geheim-Gespräch mit Putin beginnt hoffnungsvoll

Deutschland nimmt Kontakt mit Tunesien wegen Sami A. auf

Im Streit über die Abschiebung des Gefährders Sami A. nach Tunesien steht eine gerichtliche Klärung an. NRW und Bochum haben Beschwerde gegen den Rückholbeschluss …
Deutschland nimmt Kontakt mit Tunesien wegen Sami A. auf

„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.