Besuch von Abgeordneten verweigert

Deutschland droht Türkei mit Bundeswehr-Abzug aus Incirlik

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Deutschland droht Türkei mit Bundeswehr-Abzug aus Incirlik

Incirlik - Nachdem deutschen Abgeordneten erneut der Zugang zum Luftwaffenstützpunkt Incirlik verweigert wurde, droht Deutschland nun mit einem Abzug seiner Soldaten aus der Türkei.

Deutsche Bundestagsabgeordnete empören sich über das Besuchsverbot auf dem türkischen Nato-Luftwaffenstützpunkt Incirlik. „Wir müssen klare Kante zeigen und der Türkei sagen, dass es so nicht geht“, sagte der Verteidigungsexperte Karl Lamers (CDU) dem „Mannheimer Morgen“ (Dienstag). Der Verteidigungsexperte der Grünen, Omid Nouripour sprach von einem „Riesen-Affront dauerhafter Art“. Die Zuverlässigkeit des Nato-Partners Türkei stehe derzeit in Frage, sagte er der „Heilbronner Stimme“.

Die Türkei hat einer Delegation des Verteidigungsausschusses des Bundestags einen Besuch in Incirlik verweigert, weil die Bundesregierung türkischen Soldaten Asyl gewährt hat. Die Bundesregierung droht nun erstmals offen mit einem Abzug der deutschen „Tornado“-Aufklärungsjets, die sich von der Türkei aus am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) beteiligen.

Im vergangenen Jahr hatte Ankara bereits deutschen Abgeordneten aus Ärger über eine Resolution des Bundestags, in der die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft worden waren, den Zugang zu dem Stützpunkt in Incirlik verweigert. Der Streit konnte erst nach mehreren Monaten beigelegt werden.

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„Verlagerung der Truppe wäre möglich“

Lamers betonte, Abgeordnete müssten jederzeit grundsätzlich das Recht haben, die Truppe zu besuchen. „Alles andere dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“ Wenn die Türkei bei ihrem Verbot bleibe, müsse sich Deutschland ernsthaft mögliche andere Standorte anschauen, Jordanien zum Beispiel. „Es hat schon Vorgespräche gegeben, eine Verlagerung der Truppe wäre möglich. Diese würde ungefähr acht bis neun Wochen dauern.“ In dieser Zeit wäre der Kampf gegen den IS leider eingeschränkt, sagte er.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, hält nun einen schnellen Abzug für unausweichlich. „Unsere Soldaten können nicht länger in Incirlik bleiben. Sie sollten so schnell wie möglich abgezogen und an einen anderen Standort verlegt werden.“ Selbst wenn die Türkei nun doch einen Besuch genehmigen würde, dürfe es kein Zurück mehr geben, erklärte Arnold.

Er bedauerte überdies, dass die Türkei nicht aus der Nato ausgeschlossen werden könne. „Das ist eine Zweckehe, keine Partnerschaft. Das Bündnis hat leider keinen Rechtsmechanismus, um die Mitgliedschaft eines Landes zu beenden“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels sprach ebenfalls in der „Passauer Neuen Presse“ von einem einzigartigen Fall. „Das kann auch die Nato sich nicht bieten lassen.“ Wenn Ankara das Besuchsverbot nicht aufhebe, könnten die Bundeswehrsoldaten nicht in der Türkei bleiben.

Schulz will schnellere Suche nach Incirlik-Alternative

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte am Montag in der ARD-Sendung "Farbe bekennen", wäre er Bundeskanzler, hätte die Suche nach einem alternativen Standort "schon längst" begonnen.

Am "meisten schockiert" habe ihn die türkische Begründung des Besuchsverbots mit Asylentscheidungen in Deutschland. "Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht erpressbar", machte Schulz deutlich.

Gabriel hofft auf Einlenken der Türkei

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten betont, dass die Abgeordneten das Recht haben müssten, die Bundeswehr zu besuchen. „Wenn es bei dieser endgültigen Absage bliebe, dann allerdings glauben wir nicht, dass wir in der Türkei weiter die Bundeswehr stationieren können. Wir hoffen allerdings, dass die Türkei ihre Position nochmal ändert“, sagte Gabriel am Montag.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird nächste Woche beim Nato-Gipfel in Brüssel mit Merkel an einem Tisch sitzen. Am Rande der Sitzung könnte es zu einem bilateralen Gespräch kommen.

Die Basis Incirlik liegt in der Nähe der südtürkischen Stadt Adana gut 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Der Stützpunkt, auf dem türkisches Hoheitsrecht gilt, wird seit den 1950er Jahren auch von den USA genutzt. Am Anti-IS-Einsatz sind derzeit 268 Bundeswehrsoldaten beteiligt, die meisten davon sind in Incirlik stationiert. Inzwischen sind die „Tornados“ zu rund 900 Aufklärungseinsätzen gestartet.

Bundesregierung erwägt Bundeswehr-Abzug aus Incirlik

Oberst Michael Krah, Kommodore des Einsatzgeschwaders Counter DAESH, vor einem Tornado der Luftwaffe in Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald
Oberst Michael Krah, Kommodore des Einsatzgeschwaders Counter DAESH, vor einem Tornado der Luftwaffe in Incirlik. © Falk Bärwald
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in Incirlik am 1. Juli 2016. Foto: Jirka Ohk/Bundeswehr/PIZ EinsFüKdo Bw
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in Incirlik am 1. Juli 2016. Foto: Jirka Ohk/Bundeswehr/PIZ EinsFüKdo Bw © Jirka Ohk
Zwei Recce-Tornados der Luftwaffe der Bundeswehr starten im Rahmen des Einsatzes Counter DAESH in Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald
Zwei Recce-Tornados der Luftwaffe der Bundeswehr starten im Rahmen des Einsatzes Counter DAESH in Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald © Falk Bärwald
Tornado-Pilot der Bundeswehr in Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald
Tornado-Pilot der Bundeswehr in Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald © Falk Bärwald
Ein Pilot und ein Techniker arbeiten in Incirlik an einem Recce-Tornado der Bundeswehr. Foto: Bundeswehr
Ein Pilot und ein Techniker arbeiten in Incirlik an einem Recce-Tornado der Bundeswehr. Foto: Bundeswehr © Falk Bärwald
Ankunft deutscher Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt im türkischen Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald
Ankunft deutscher Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt im türkischen Incirlik. Foto: Bundeswehr/Falk Bärwald © Falk Bärwald

dpa/afp

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