Miet- und Wohnungsnot

Dieses Land hat immer weniger Obdachlose - wäre seine kreative Lösung ein Modell für Deutschland?

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In Deutschland steigt die Obdachlosigkeit - könnte ein finnisches Erfolgsmodell jetzt die Wende bringen? 

Die Obdachlosigkeit in Deutschland steigt. Ein EU-Land konnte sie hingegen um fast die Hälfte reduzieren.

Berlin - Immer mehr Menschen in Europa werden obdachlos. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz laut der ZDF-Sendung Wiso stetig. So sollen es die Zahlen von Einrichtungen und Unterkünften für Obdachlose belegen. Doch das muss offenbar nicht so sein. Finnland hat es geschafft, als einziges Land in Europa, die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent zu senken. Worin liegt das Geheimnis? 

Die Hürden für Wohnungen wurden abgeschafft. Das Konzept heißt „Housing first“ - „Wohnung zuerst“. Jeder Obdachlose bekommt demnach eine Wohnung mit einem festen Mietvertrag. Erst dann könne man produktiv andere Probleme angehen, sagt Jarmo Linden, Chef der finnischen Wohn- und Entwicklungsgesellschaft ARA im ZDF-Interview. 

Die Hürden für Obdachlose eine Wohnung zu bekommen sind in Deutschland hingegen sehr hoch. Viele weitere soziale Leistungen sind aber nur für Menschen mit Mietvertrag und Meldeadresse verfügbar. Und das, obwohl die Menschen für ihre Situation häufig nichts können. So wurde etwa in Hannover ein Mann aus seiner Wohnung geworfen, obwohl er Miete zahlte.  

Für Obdachlose sind die Winter in Deutschland lebensbedrohlich.

Kann auch Deutschland mit Glücksspielgewinnen Obdachlosigkeit besiegen?

Die nötigen Wohnungen in Finnland werden von staatlicher Hand, Nicht-Regierungsorganisationen und mit Gewinnen aus dem Glücksspielsektor finanziert, der in Finnland staatlich organisiert ist. Das Glücksspiel unterliegt dort Veikkaus Oy, einem staatlichen Unternehmen, das über das Alleinrecht verfügt, in Finnland Glücksspiele zu organisieren. Die Gewinne belaufen sich auf etwa eine Milliarde Euro pro Jahr. 

Auch in Deutschland hat die Politik die Verfügungsgewalt über Glücksspiele. Ein Großteil des Glückspielrechts unterliegt in der Bundesrepublik aber der Kompetenz der Länder, die entsprechende Lizenzen an private Unternehmer vergeben. Dennoch verdient der deutsche Staat knapp drei Milliarden Euro pro Jahr am Glücksspiel - über Steuern, wie Kreiszeitung.de* berichtet. 

Mit Glücksspiel gegen Obdachlosigkeit: Wohnungen sparen Geld

Trotz des finanziellen Aufwands spare man in Finnland mit den Wohnungsbeschaffungsmaßnahmen sogar Geld, sagt Linden im Wiso-Interview - weil die Obdachlosen weniger kostenfreie Angebote wahrnehmen müssten, wie etwa medizinische Behandlungen. Ganz zu schweigen davon, dass die europäischen Winter mit ihren Minustemperaturen Obdachlosen das Leben kosten können.

Deutschland: Kann man Obdachlosigkeit mit Glücksspieleinnahmen bekämpfen?

Auch in Deutschland findet laut der ZDF-Produktion bereits in einigen Städten ein Umdenken statt. So bringt etwa der Verein Fifty-Fifty in Düsseldorf Obdachlose in Wohnungen unter - und das ohne Vorbedingungen. Ob es auch politisch ein Umdenken geben wird, ist aber noch nicht klar. 

In einigen deutschen Städten, wie beispielsweise München, ist der Wohnungsmarkt derart umkämpft, dass sogar Menschen mit Vollzeitstelle kein Dach über dem Kopf finden. Von einem solchen Fall berichtet etwa Merkur.de*

nai

*Merkur.de und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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