Auf Trauerfeier für John Lewis

Ex-US-Präsident Obama kritisiert Nachfolger Trump bei einer Beerdigung scharf

Ex-US-Präsident Barack Obama steht am Rednerpult und spricht bei der Trauerfeier von John Lewis
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Barack Obama hielt auf der Trauerfeier für John Lewis eine kämpferische Rede.

Auf der Beerdigung von US-Bürgerrechtler John Lewis zählt der frühere Präsident Barack Obama zu den Trauerrednern. Er rechnet mit Nachfolger Donald Trump ab.

  • In Atlanta wird der US-Bürgerrechtler Lohn Lewis beerdigt.
  • Neben Bill Clinton und George W. Bush zählt auch Barack Obama zu den Trauerrednern.
  • Der frühere US-Präsident nutzt seine Rede zu einer Abrechnung mit Nachfolger Donald Trump.

Atlanta - In den USA sorgt das Coronavirus* für immer neue Schreckenszahlen. US-Präsident Donald Trump wirkt mit der Situation überfordert. Auch durch seinen Umgang mit Protestbewegungen sorgt das US-Staatsoberhaupt für Unruhe.

Trumps Vorgänger Barack Obama hat seinen Nachfolger für dessen Vorgehen gegen Demonstranten jetzt scharf kritisiert. „Wir werden Zeugen, wie unsere Bundesregierung Polizeiagenten entsendet, um Tränengas und Schlagstöcke gegen friedliche Demonstranten einzusetzen“, befand Obama bei der Beerdigung des verstorbenen Bürgerrechtsaktivisten und demokratischen Kongressabgeordneten John Lewis in seiner Trauerrede in der Ebenezer Baptist Church in Atlanta. Dafür bekam er von den anwesenden Trauergästen Standing Ovations.

Trump hatte trotz Protesten der Stadt Portland unter anderem Bundespolizisten dorthin entsandt, diese gingen dann mit großer Härte gegen Demonstranten vor. Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd* bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis, der im Mai zu landesweiten Protesten gegen Rassismus und gegen Polizeigewalt gegen Schwarze führte, kam es immer wieder zu meist friedlichen Demonstrationen. Zum Teil gab es am Rande dieser Proteste auch Ausschreitungen.

Ex-US-Präsident Barack Obama: „Demokratie muss gepflegt werden“

„Demokratie ist nicht automatisch, sie muss gepflegt werden“, warnte Obama und hob den Verstorbenen Lewis und dessen unaufhörlichen Kampf für Gleichberechtigung als Beispiel hervor. Lewis sei sich der Tatsache bewusst gewesen, dass der Fortschritt immer in Gefahr sei.

So müssten nach Obamas Meinung gerade die Amerikaner Vorsicht walten lassen, da in der Geschichte der Vereinigten Staaten „dunkle Strömungen“ immer wieder eine Rolle gespielt hätten. Der frühere US-Präsident ist sicher, dass Hass und Unterdrückung jederzeit wieder aufflammen könnten.

Auch im Hinblick auf die anstehenden US-Wahlen* ließ Obama kein gutes Haar an Trump, der zuletzt eine mögliche Wahlverschiebung ankündigte, Wahlverschiebung und warf „jenen an der Macht“ vor, in erster Linie Afroamerikaner und andere Minderheiten vom Wählen abhalten zu wollen. Der erste schwarze US-Präsident der Geschichte nannte unter anderem die Schließung von Wahllokalen, ein Erschweren von Briefwahlen sowie verschärfte Regeln zur Wählerregistrierung als Beispiele, von der insbesondere Minderheiten betroffen sind.

Ex-US-Präsident Obama: „Unsere Wahlrechte werden mit chirurgischer Präzision beschnitten“

„Unsere Wahlrechte werden mit chirurgischer Präzision beschnitten“, meinte Obama, nannte seinen Amtsnachfolger Trump dabei aber nicht namentlich. Zudem forderte Obama bei der Trauerfeier für John Lewis die Amerikaner mit Nachdruck zur Stimmabgabe auf. „Wenige Wahlen waren in vielerlei Hinsicht so wichtig wie diese“, appellierte er eindringlich, sich der Bedeutung der Wahl bewusst zu sein.

Video: US-Bürgerrechtler Jon Lewis ist tot

Während Trumps Vorgänger Obama, George W. Bush und Bill Clinton allesamt an der Trauerfeier für den verstorbenen Lewis teilnahmen, war der amtierende US-Präsident* bei der Beerdigung nicht anwesend. Lewis hatte zu Lebzeiten häufig und teils auch bissig Kritik an Trump geübt. (kh) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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