US-Regierung

Unfalltod von 19-Jährigem: Britische Familie verklagt Trump-Regierung

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Charlotte Charles, Mutter des britischen Teenagers Harry Dunn, ihr Ehemann Bruce Charles (M), und Tim Dunn (r), Vater von Harry Dunn, verklagen die US-Regierung. 

Familie Dunn erhebt schwere Vorwürfe gegen die Trump-Regierung. Deren Sohn starb bei einem Autounfall unter Beteiligung der Ehefrau eines US-Diplomaten.

Update, 30. Oktober, 9.10 Uhr: Familie Dunn will die US-Regierung verklagen. Die britische Familie, deren Sohn bei einem Autounfall unter Beteiligung der Ehefrau eines US-Diplomaten ums Leben gekommen ist, wirft den USA Vertuschung vor.

Die Familie werde sowohl Ansprüche gegen die Ehefrau des US-Diplomaten als auch gegen die Trump-Regierung „wegen deren gesetzeswidrigen Fehlverhaltens“ und des „Versuchs der Vertuschung“ geltend machen, sagte der Anwalt der Familie, Radd Seiger.

Die Ankündigung der Familie Dunn kommt zum selben Zeitpunkt wie der formale Start eines Verfahrens zur Amtsenthebung gegen Donald Trump. Währenddessen äußerte sich US-Präsident Trump in einem Radio-Interview zu Meghan Markle, der britischen Herzogin von Sussex.

Klage gegen Trump-Regierung

Der 19-jährige Harry Dunn war Ende August tödlich verunglückt, als sein Motorrad in der Nähe eines britischen Luftwaffenstützpunkts mit dem Auto der Ehefrau des US-Diplomaten kollidierte. Die 42-Jährige war auf der falschen Seite der Fahrbahn unterwegs. Sie verließ Großbritannien nach dem Unfall unter Berufung auf diplomatische Immunität, bevor sie von der Polizei befragt werden konnte.

Einer in US-Medien zitierten Erklärung ihrer Anwälte zufolge räumte sie ein, am Steuer des Unfallwagens gesessen zu haben. Dunns Eltern hatten versucht, bei der US-Regierung eine Auslieferung der 42-Jährigen nach Großbritannien zu erwirken, jedoch ohne Erfolg.

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Ursprungsmeldung: 

Ein „Schock“ sei es für sie gewesen. Es fühle sich an, als ob man sie in einen „Hinterhalt“ locken wollte. Eine britische Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump und die Presseabteilung des Weißen Hauses.

Die tragische Geschichte der Familie Dunn beginnt Ende August diesen Jahres, als Harry Dunn, ihr 19-jähriger Sohn, bei einem Autofunall tödlich verunglückt. Harry war mit dem Motorrad in England unterwegs, unweit eines Stützpunkts der US-Luftwaffe. Ein ihm entgegenkommendes Fahrzeug fuhr auf der falschen Straßenseite und erfasste das Motorrad. Am Steuer des Fahrzeugs befand sich Anne Sacoolas, Ehefrau eines im Vereinigten Königreich stationierten US-Diplomaten. Sacoolas ließ zwar über ihre Anwälte ihre Entschuldigungen für den „tragischen Unfall“ übermitteln. Einem möglichen Prozess wegen fahrlässiger Tötung entzog sich die Botschaftsangehörige aber, indem sie diplomatische Immunität beanspruchte. Anschließend verließ Sacoolas die britischen Inseln und befindet sich seitdem wieder in den USA.

Donald Trump lädt die Familie ins Weiße Haus ein

Dorthin reisten auch die Dunns, eigentlich um ihrer Forderung, dass sich Sacoolas der britischen Justiz stellen soll, Nachdruck zu verleihen. Eine Einladung ins Weiße Haus betrachteten sie als große Chance, Gerechtigkeit für ihren verstorbenen Sohn zu erlangen.

Doch es kam anders. Kaum waren die Dunns im Weißen Haus angekommen, begrüßte sie Donald Trump. Gegenüber dem Nachrichtensender CNN* beschrieb Radd Seiger, Sprecher der Familie, die folgenden Ereignisse: „Kaum waren die Höflichkeiten ausgetauscht und wir hatten uns hingesetzt, sagte Trump: Lasst uns zur Sache kommen. Ihr wollt Frau Sacoolas treffen. Ich kann das möglich machen.“

Donald Trump hat die Fotografen schon eingeladen

Die Familie sei geschockt gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sich Sacoolas nicht bei ihnen gemeldet. Außerdem habe die Familie im Vorfeld mehrmals betont, dass sie ein Treffen nur unter ihren Konditionen zustimmen würden, eine davon sei, dass es auf englischem Boden stattfinden müsste. Nicht im Weißen Haus und ganz sicher nicht, um Trump die Möglichkeit eines PR-wirksamen Fotos zu verschaffen. Das Treffen habe die Familie aus diesem Grund abgelehnt.

Charlotte Charles, Mutter des britischen Teenagers Harry Dunn, ihr Ehemann Bruce Charles (M), und Tim Dunn (r), Vater von Harry Dunn, verklagen die US-Regierung. 

Beim Verlassen des Weißen Hauses sei die Familie an einer ganzen Reihe von Fotografen vorbeigelaufen, die offensichtlich einbestellt waren, um Trump das Foto zu liefern, was er aus Sicht der Familie von Anfang an haben wollte.

Familie ist erschüttert über das Vorgehen von Donald Trump

Das Vorgehen des US-Präsidenten erschütterte die Dunns. „Wir sind extrem verärgert, die Familie fühlt sich, als ob man sie benutzt habe, als seien sie nur ein Bauer in einer politischen Partie Schach“, sagte Seiger gegenüber Medienvertretern. Es fühle sich an, als ob Trump sie in eine Falle haben locken wollen.

Donald Trump selbst beschrieb das Treffen als „schön, in einer besonderen Art“. Er habe der Familie im Namen des Landes kondoliert und ihnen ein Treffen mit Sacoolas angeboten. „Doch sie waren nicht bereit dazu“, sagte Trump.

Die Familie sei laut ihrem Sprecher überzeugt, dass Trump das Treffen nur für seine persönlichen Zwecke eingefädelt habe. Zum Bestreben der Familie nach Gerechtigkeit habe Trump nichts beizutragen gehabt. Er habe auch nicht versprochen, den diplomatischen Status Sacoolas aufzuheben oder sich um ihre Rückkehr nach Großbritannien zu bemühen.

Donald Trumps Verhalten erinnert an ein Foto mit dem Waisenkind in El Paso

Es wäre nicht das erste Mal, dass Donald Trump, der sich einem Verfahren zur Amtsenthebung ausgesetzt sieht, das Leid anderer Leute für seine eigene Außendarstellung nutzen möchte. Nach den Amokläufen in El Paso und Dayton, bei denen mehr als 20 Menschen erschossen worden waren, twitterte Melania Trump ein Foto mit einem Baby, dessen Eltern im Kugelhagel gestorben waren. Auf dem Bild zu sehen war Trump mit breitem Grinsen und nach oben gestrecktem Daumen. Ähnlich dürfte er sich das Bild mit den Dunns vorgestellt haben. Nur dass die das Spiel nicht mitspielen wollten.

Einmal mehr leistete sich Donald Trump eine peinliche Twitter-Panne. Doch diesmal ging er noch einen Schritt weiter als sonst.

Pressesprecherin von Donald Trump spricht von der „Genialität des Präsidenten“ 

John F. Kelly, ehemaliger Stabschef unter Donald Trump im Weißen Haus, hat sich in einem Interview mit dem „Washington Examiner“ zur Ukraine-Affäre und dem daraus resultierten Verfahren zur Amtsenthebung gegen Donald Trump geäußert.

Kellys Kritik an den Personalentscheidungen Trumps kommentierte im Anschluss die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham: „Ich habe selbst mit John Kelly zusammengearbeitet und er war absolut unfähig, mit der Genialität unseres Präsidenten umzugehen.“

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