G20-Krawalle vor Gericht

Dreieinhalb Jahre Haft für Flaschenwurf auf Polizisten

+
Ein Demonstrant attackiert bei den G20-Krawallen in Hamburg einen Wasserwerfer mit einem Flaschenwurf. Foto: Axel Heimken

Dreieinhalb Jahre Haft nur für einen Flaschenwurf? Ein Hamburger Amtsrichter begründet ausführlich, warum ein G20-Gewalttäter hart bestraft wird.

Hamburg (dpa) - Wegen eines Flaschenwurfs auf Polizisten bei den G20-Krawallen hat das Amtsgericht Hamburg einen jungen Mann zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Es ist die bislang höchste Strafe, die im Zusammenhang mit den Ausschreitungen während des Gipfeltreffens im Juli 2017 verhängt wurde.

Nach Überzeugung des Schöffengerichts hatte der 28-jährige Deutsche in der Nacht nach der "Welcome to Hell"-Demonstration am 6. Juli eine Bierflasche gegriffen, den Boden abgeschlagen und die scharfkantige Flasche dann auf Beamte im Schanzenviertel geworfen. Ein Polizist wurde getroffen und leicht an der Hand verletzt.

Der erheblich vorbestrafte Angeklagte habe sich der gefährlichen Körperverletzung, eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und des schweren Landfriedensbruchs schuldig gemacht, urteilte das Gericht. "Das war ein überaus widerliches Verhalten, was Sie da gezeigt haben", sagte Richter Johann Krieten an die Adresse des Angeklagten. "Es ging Ihnen darum, einen Polizeibeamten zu verletzen."

Mit dem Urteil ging das Gericht auch deutlich über die Forderung der Staatsanwältin hinaus, die zwei Jahre und zehn Monate Haft gefordert hatte. Verteidiger Matthias Wisbar hatte auf Widersprüche in den Aussagen der vier Polizeizeugen und den angeblichen Versuch einer Aktenfälschung hingewiesen. Er plädierte auf Freispruch.

Der Angeklagte hatte sich weder zu den Vorwürfen noch zu seinen persönlichen Verhältnissen geäußert. "Ich finde es bedauerlich, dass ich so wenig von dem Angeklagten erfahren habe", sagte Krieten. Er hätte gerne mehr gewusst auch über die Hintergründe eines Briefs an das Gericht, in dem der 28-Jährige sich zu einem Tötungsdelikt bekannt hatte. Das bestätigte auch der Verteidiger. Es soll um ein zehn Jahre zurückliegendes Verbrechen gehen. Die Kriminalpolizei habe allerdings noch keinen Fall gefunden, der zu den Angaben seines Mandanten passe, sagte Wisbar.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neues Freihandelsabkommen zwischen USA und Südkorea

US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Staatschef Moon Jae In haben am Montag in New York ein neues gemeinsames Freihandelsabkommen für beide Länder unterzeichnet.
Neues Freihandelsabkommen zwischen USA und Südkorea

Kremlkritiker Nawalny nach  Entlassung gleich wieder im Knast

Dritte Festnahme Nawalnys seit Mitte Juni: Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist am Montag sofort nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erneut …
Kremlkritiker Nawalny nach  Entlassung gleich wieder im Knast

Geht Trumps nächster Minister? - Treffen könnte Entscheidung bringen

Donald Trump hält an seinem Kandidaten für den Supreme Court der USA fest - trotz schwerer Vorwürfe. Derweil droht der nächste Minister seinen Posten zu verlieren. Der …
Geht Trumps nächster Minister? - Treffen könnte Entscheidung bringen

Ende der Krise in Aussicht? US-Prediger Brunson womöglich vor Freilassung

Deutsche Politiker sagen reihenweise das geplante Staatsbankett für den türkischen Präsidenten Erdogan ab. Derweil deutet sich ein Durchbruch zwischen den USA und der …
Ende der Krise in Aussicht? US-Prediger Brunson womöglich vor Freilassung

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.