Laut Medienbericht

Neue „NSU 2.0“-Drohschreibenserie: Mittlerweile fast 100 Drohbriefe - vier Grünen im Fokus der Rechtsextremen

Immer wieder werden neue rechtsextreme Drohschreiben versendet - mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. Mittlerweile gehen die Ermittler von knapp 100 Drohungen aus. Vier Grünen-Politiker sind betroffen.

  • Die Fälle von rechtsextremen Drohschreiben in Deutschland häufen sich.
  • Die Drohungen sind mit „NSU 2.0“ unterzeichnet.
  • Zu den Empfängern gehören unter anderem die Linken-Politikerin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar.

Update vom 20. August, 17.20 Uhr: Im Fall um die rechtsextremen „NSU 2.0“-Drohschreiben, die unter anderem an Politiker verschickt wurden, gehen die Ermittler inzwischen von 99 Fällen aus. Die Schreiben waren an 28 Personen und Institutionen in acht Bundesländern gerichtet.

Dabei seien Briefe fast immer von einer gleichlautenden Absenderadresse verschickt worden, erläuterte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden im Innenausschuss des Landtags. Überwiegend sei der Versand per E-Mail geschehen, aber auch per Fax, in zehn Fällen per SMS sowie über Internetkontaktformulare. 17 der Schreiben sind wohl Trittbrettfahrern zuzuordnen.

Ende Juli wurden ein ehemaliger Polizeibeamter und seine 55 Jahre alte Ehefrau verdächtigt die Absender der Briefe zu sein und kurzfristig festgenommen. Mittlerweile gehen die Ermittler jedoch davon aus, dass die beiden lediglich eine Nebenrolle spielen und nicht Urheber der „NSU 2.0“-Drohschreibenserie sind.

Neue „NSU 2.0“-Drohbriefe aufgetaucht: Vier Grünen im Fokus der Rechtsextremen - auch Familie bedroht

Update vom 22. Juli, 22.30 Uhr: Die rechtsextreme Gruppierung „NSU 2.0“ hat erneut Drohbriefe verschickt. Gleich vier Politiker und Politikerinnen der Grünen wurden diesmal zu den Opfern. Wie ein Fraktionssprecher der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, fanden Anton Hofreiter, Renate Künast und Filiz Polat am Mittwoch jeweils Schreiben mit der Unterschrift der Gruppe in ihrer Post.

Auf Nachfrage bestätigte auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, einen Brief der Rechtsextremen erhalten zu haben. Er bekomme ohnehin relativ viele Drohmails, doch dieses habe auch Bezug auf seine Familie genommen, schildert er, der Zusammenhang mit dem Nationalsozialistischen Untergrund beunruhigt in darüber hinaus. „Ich nehme das sehr ernst", stellte Onay klar.

 
Unterdessen wird die nordrhein-westfälische Polizei von einem Rechtsextremismus-Skandal erschüttert.

Weiteres „NSU 2.0“-Drohschreiben verschickt - jetzt auch Münchnerin betroffen

München - Erneut ist ein mit „NSU 2.0“ unterzeichnetes, rechtsextremes Drohschreiben verschickt worden - unter anderem an eine Strafverteidigerin aus München. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete, dass neben den bislang bekannten Fällen auch zwei weitere Frauen Ziel von Drohschreiben gewesen seien. Eine Berliner Kolumnistin sowie die Strafverteidigerin hätten der Zeitung gesagt, die hessische Polizei habe sie im vergangenen Jahr informiert, dass Briefe abgefangen worden seien, die derselben Quelle zugerechnet würden. Beide Frauen wollten zu ihrem Schutz anonym bleiben.

Die „Welt am Sonntag“ berichtete darüber hinaus, ein anonymer Verfasser habe am Freitag mindestens zwei E-Mails mit identischem Inhalt an insgesamt 15 Adressaten geschickt. Zu den Empfängern sollen demnach neben Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) auch die Linken-Politikerin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar gehören, die schon früher Drohschreiben erhalten hatten. Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ging eine neue derartige E-Mail an eine Reihe von in der Öffentlichkeit bekannten Empfängern.

„NSU 2.0“-Drohschreiben: Neue Mail aufgetaucht - diesmal taucht auch der Name „Deniz Yücel“ auf 

Die „Welt am Sonntag“ berichtete, in dem ihr vorliegenden Schreiben tauche erstmals der Name des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel auf. Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums in Wiesbaden sagte, bei solchen Drohmails entscheide die zuständige Staatsanwaltschaft, was der Öffentlichkeit mitgeteilt werden könne. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Yücel sagte der „Welt am Sonntag“: „Ich finde es verstörend, dass ich erst durch die Recherchen meiner Welt-Kollegen von diesem Drohschreiben erfahren habe.“ Weder die Polizei in Hessen noch in Berlin, wo Yücel lebt, hätte sich bislang mit ihm in Verbindung gesetzt. Wegen des Vorgehens der türkischen Justiz gegen Yücel stand der Journalist immer wieder in den Schlagzeilen - jüngst wurde er in Abwesenheit wegen Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu zwei Jahren und fast zehn Monaten Haft verurteilt. Das Urteil stieß auf scharfe Kritik der Bundesregierung.

Rechtsextremen Drohschreiben: Mittlerweile wird rechtes Netzwerk in der hessischen Polizei nicht mehr ausgeschlossen

Der Sprecher des hessischen Innenministeriums sagte, mit rechtsextremistischen E-Mails bedrohte Bürger, die überwiegend in Hessen lebten, würden vom Landeskriminalamt des Bundeslandes kontaktiert. Es bewerte die Bedrohung und treffe „die entsprechenden Schutzmaßnahmen“. Bei Bürgern anderer Bundesländer würden gegebenenfalls die dortigen zuständigen Behörden informiert.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Deutschland bereits wegen mehrerer Fälle von rechtsextremen Drohschreiben. Einige der E-Mails waren mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. In drei Fällen waren zuvor persönliche Daten der Betroffenen von hessischen Polizeicomputern abgefragt worden. Inzwischen schließt Landesinnenminister Beuth nicht mehr aus, dass es ein rechtes Netzwerk in der hessischen Polizei geben könnte. Ein Sonderermittler wurde eingesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Pkw-Maut: Zeugen erheben schwere Vorwürfe gegen Scheuer - Verkehrsminister „lehnte es ab, zu warten“

Andreas Scheuer steht dem Untersuchungsausschuss am Donnerstag zur PKW-Maut Rede und Antwort. Vor dem Verkehrsminister sind jedoch Zeugen dran - und widersprechen ihm.
Pkw-Maut: Zeugen erheben schwere Vorwürfe gegen Scheuer - Verkehrsminister „lehnte es ab, zu warten“

Trump, Putin und Macron verurteilen Gewalt in Berg-Karabach

In Berg-Karabach bekriegen sich Armnien und Aserbaidschan weiterhin. Jetzt aber gibt es einen ungewöhnlichen Appell: Trump, Putin und Macron rufen die verfeindeten …
Trump, Putin und Macron verurteilen Gewalt in Berg-Karabach

EU-Gipfel streitet über Linie zur Türkei

Beim EU-Gipfel ist die Türkei ins Zentrum gerückt - denn die Uneinigkeit der Staats- und Regierungschefs mit Blick auf Ankara lähmt die Gemeinschaft noch in einer ganz …
EU-Gipfel streitet über Linie zur Türkei

Brexit: EU-Kommission startet Verfahren gegen London

Das britische Binnenmarktgesetz verstößt gegen den mühsam mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag. Das geht so nicht, sagt die EU-Kommission. Aber viel wichtiger ist …
Brexit: EU-Kommission startet Verfahren gegen London

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.