AfD-Frau verlässt ZDF-Wahlshow

Trittin nennt Details: Deshalb war Weidels Abgang geplant

AfD-Politikerin Alice Weidel sorgte am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Wie geht‘s, Deutschland?“ für einen Eklat. Die 38-Jährige verließ nach einer hitzigen Diskussion verärgert das Studio.

München - Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017, ist am Dienstag in der Sendung „Wie geht‘s, Deutschland?“ im ZDF der Kragen geplatzt. Nach einem Wortgefecht mit Andreas Scheuer (CSU) über das Thema Integration verließ die Politikerin genervt das TV-Studio - vor laufenden Kameras.

Als Scheuer ihre Parteikollegen Alexander Gauland und Björn Höcke erwähnte, Weidel dazu aufforderte, sich von ihnen zu distanzieren und letzteren gar als „Rechtsradikalen“ bezeichnete, hatte Weidel genug und ging. Mit einer ähnlichen Aktion sorgte CDU-Mann Wolfgang Bosbach im Juli für Aufsehen.

An der von Marietta Slomka moderierten Talkrunde nahmen neben Weidel und Scheuer auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Justizminister Heiko Maas (SPD), Katja Kipping (Die Linke), Jürgen Trittin (Die Grünen) und Katja Suding (FDP) teil.

Weidel schießt gegen Marietta Slomka und das ZDF

Kurz nach der TV-Ausstrahlung nahm Weidel persönlich Stellung. Via Facebook schoss sie vor allem gegen Moderatorin Marietta Slomka. Die AfD-Politikerin nannte Slomka „parteiisch und vollkommen unprofessionell“. „Sie hat sich mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht. Das ist eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht würdig“, so Weidel weiter.

Die scharfe Kritik wies das ZDF nun deutlich zurück. „Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politikern und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey laut Welt am Mittwoch. „Ich hoffe, dass bei künftigen Wahlformaten nicht Inszenierungen, sondern der politische Streit im Mittelpunkt steht.“ 

Aus Sicht des Medienwissenschaftlers Jo Groebel war das allerdings reine Wahlkampftaktik. Der Eklat sei im Wahlkampf ein „naheliegendes Mittel, Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Emotionen und gegebenenfalls auch die Bestätigung von Opferrolle und „Ausgrenzung“ durch die „Etablierten“ zu bekommen“, sagte Groebel der Heilbronner Stimme (Donnerstag). „Das polarisiert und festigt die eigenen Reihen und Anhänger.“

Auch Trittin und Kipping glauben an Inszenierung

Und auch die anderen Gäste der Sendung werfen Weidel Kalkül vor. Jürgen Trittin ist sicher, dass Weidel den Entschluss ihrer Studio-Flucht bereits vorab gefasst hatte. Ihr Schritt sei „vorsätzlich und geplant“ gewesen, sagte Trittin focus.de. „Frau Weidel hat neben mir schon vorher unentwegt, mal leise, mal halblaut vor sich hin geschimpft. Es sei unglaublich, was sie hier höre.“

Als sie sich von Parteikollegen distanzieren sollte, habe sie die Gelegenheit genutzt, „sich vom Acker zu machen“, glaubt Trittin.

Ähnlich äußerte sich die Linken-Vorsitzende Katja Kipping: Das Verlassen der Sendung sei „reine Inszenierung“ gewesen. „Frau Weidel und die AfD sind offenbar nicht dazu bereit am demokratischen Diskurs teilzunehmen.“ Und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der Bild-Zeitung, es sei "ein billiger Trick von Rechtspopulisten, sich als Opfer darzustellen".

sk/mke

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