Merkel-Besuch in Abu Dhabi

Emirate warnen Merkel vor radikalen Predigern

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Flughafen von Abu Dhabi von Kronprinz Mohammed bin Zayed Al Nahyan mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Kay Nietfeld
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Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Flughafen von Abu Dhabi von Kronprinz Mohammed bin Zayed Al Nahyan mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Kay Nietfeld

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für Deutschland in erster Linie ein guter Handelspartner. Doch bei ihrem Besuch in Abu Dhabi geht es für Kanzlerin Angela Merkel auch um die Konflikte in der Arabischen Welt und die Frauenförderung.

Abu Dhabi (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu einem Kurzbesuch in Abu Dhabi eingetroffen. Sie will mit dem Kronprinzen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Mohammed bin Said al-Nahjan, über den Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) im Juli in Hamburg sprechen.

Dabei geht es unter anderem um Klimaschutz und Frauenförderung. Ferner sind die Konflikte in der Region - in Syrien, Libyen und im Jemen - wichtige Themen. Merkel wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet und kehrt am Abend nach Berlin zurück.

Die Emirate gelten trotz ihrer geringen Einwohnerzahl von etwas mehr als neun Millionen zu den wichtigsten Handelspartnern für Deutschland. In den VAE arbeiten 900 deutsche Firmen - 600 davon im Emirat Dubai. Die Bundesrepublik erzielte dort 2016 einen Handelsüberschuss von 13,6 Milliarden Euro.

Im Vorfeld des Besuchs kündigten die Emirate an, sie wollten in der Flüchtlingshilfe und beim Kampf gegen die Armut mit Deutschland zusammenarbeiten. "Die VAE sind, pro Kopf gerechnet, der größte Geber weltweit und Deutschland ist auf diesem Gebiet auch sehr aktiv", sagte der Botschafter der Emirate in Berlin, Ali Abdullah al-Ahmed, der Deutschen Presse-Agentur. Sein Land sehe deshalb neue Möglichkeiten für eine Kooperation mit Deutschland, das für die VAE bislang in erster Linie ein Handelspartner sei.

Al-Ahmed riet dabei zur Wachsamkeit gegenüber radikalen islamischen Predigern in Deutschland. "Es ist sehr wichtig, dass man darauf achtet, welche Art von Botschaft Prediger in der Moschee in Europa an die Einwanderer weitergeben", sagte er.

Merkels Entscheidung, Hunderttausende muslimischer Flüchtlinge aufzunehmen, sei eine humanitäre Geste gewesen, aber nicht ohne Risiko. "Als die Kanzlerin während der Krise 2015 sagte, "wir heißen sie willkommen", ohne irgendwelche Zahlen zu nennen, dachte ich, dass dies als eine noble Geste in die Geschichtsbücher eingehen wird, eine humanitäre Geste." Erst später hätten sich die Menschen gefragt: "Kann unsere Gesellschaft die Ankunft all dieser Menschen verdauen, und was sind die Risiken? Wird es ein Sicherheitsproblem geben?"

Zu Forderungen deutscher Politiker, die reichen Golf-Monarchien sollten mehr arabische Flüchtlinge aufnehmen, sagte er, in den VAE lebten 275.000 Syrer. Sein Land habe außerdem zugesagt, in den nächsten drei Jahren 15.000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Die VAE hätten ein Flüchtlingslager in Jordanien finanziert und unterstützten Griechenland beim Aufbau eines Flüchtlingslagers.

Merkel war am Montag aus Saudi-Arabien in Abu Dhabi eingetroffen. In der saudischen Hafenstadt Dschidda hatte sie König Salman getroffen, über den saudischen Einfluss in den Kriegen in Syrien und im Jemen, bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Defizite bei den Menschenrechten gesprochen.

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