US-Präsident bedrängt Nordkorea

Enden wie Gaddafi - oder „sehr glücklich werden“: Trump droht Kim Jong Un

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Donald Trump und Kim Jong Un - eine prekäre Beziehung

Ein wenig Zuckerbrot, ein wenig Peitsche: Im Streit mit Nordkorea versucht sich Donald Trump in Diplomatie - und wählt auch dabei äußerst provokante Worte.

Seoul/Washington - US-Präsident Donald Trump hat Nordkorea im Falle eines erfolgreichen Atomabkommens umfangreiche Sicherheiten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig schwächte er Spekulationen um einen möglicherweise von den USA beabsichtigten Regimewechsel in Nordkorea nach dem Modell Libyen ab. Wenn Nordkorea ein Abkommen unterzeichne, werde Kim Jong Un „sehr starke Sicherheiten“ bekommen, sagte Trump am Donnerstag in Washington. Die USA verlangen dafür von Nordkorea den völligen und nachhaltigen Verzicht auf Atomwaffen.

„Wenn wir keinen Deal erreichen, dann wäre das das Modell“, sagte Trump allerdings mit Blick auf die schrittweise Entmachtung von Libyens früherem Machthaber Muammar al-Gaddafi, der später von Rebellen getötet wurde. Gaddafi hatte sich 2003 auf den Verzicht auf Chemiewaffen eingelassen. Acht Jahre danach, 2011, griff eine westliche Allianz das Land an und löste so die Entmachtung Gaddafis aus.

„Libyen vernichtend geschlagen“ - Trumps kaum verhohlene Drohung

Deswegen sei es sinnvoll, wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sich auf ein Abkommen mit den USA einlasse. „Das Libyen-Modell war ein ganz anderer Deal“, sagte Trump am Donnerstag zu Beginn eines Treffens mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Washington. 

Donald Trump beim Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

„Wir haben Libyen vernichtend geschlagen“, sagt Trump. Dies sei nicht der Plan für Nordkorea. Er hoffe stattdessen auf ein prosperierendes Nordkorea. „Wenn wir einen Deal machen, wird Kim Jong Un sehr, sehr glücklich sein, denke ich“, erklärte Trump.

Lesen Sie auch: Nordkoreas Diktator ändern Uhrzeit - das ist der Grund 

Nordkorea hatte zuletzt damit gedroht, den für 12. Juni in Singapur geplanten Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un platzen zu lassen. Pjöngjang führte gemeinsame Manöver der Amerikaner mit Südkorea als Grund an. Auch die Aussage des Nationalen Sicherheitsberaters der USA, John Bolton, das libysche Modell sei eine Möglichkeit für die Nordkorea-Politik, hatte in Nordkorea Unmut ausgelöst. Geplante Gespräche mit Südkorea an der gemeinsamen Grenze wurden abgesagt.

Südkorea drängt auch Gipfeltreffen

Südkorea will ungeachtet dessen weiter mit dem Nachbarn über dessen Gipfeltreffen mit den USA im Juni beraten. Auch in den USA gingen die Vorbereitungen weiter. „Sie reden in diesem Moment mit unseren Leuten“, sagte Trump am Donnerstag.

Der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas habe beschlossen, verschiedene Kanäle zu den USA, aber auch zu Nordkorea zu nutzen, um die unterschiedlichen Positionen dieser beiden Länder koordinieren zu können, teilte das Präsidialamt in Seoul am Donnerstag mit. Ziel sei es, dass es „einen erfolgreichen nordkoreanisch-amerikanischen Gipfel im Geist des gegenseitigen Respekts“ geben werde.

Dauerthema Atomwaffen

Südkorea teilte zudem mit, man wolle mit Nordkorea auch darüber beraten, die bilateralen Gespräche „zu einem frühen Zeitpunkt“ wiederaufnehmen zu können.

Bei dem am 12. Juni geplanten Treffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump geht es um eine Lösung des langjährigen Konflikts um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm.

Lesen Sie auch: Kühnes Versprechen - USA sichern Nordkorea Wohlstand zu

dpa/fn

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