"Medien haben sich verrannt"

Enthüllungsjournalist Hersh: Trump-Debakel für US-Presse

+
Donald Trump sieht sich durch den Mueller-Bericht von allen Vorwürfen entlastet. Foto: Susan Walsh/AP

Berlin (dpa) - Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh hat sich kritisch zur Berichterstattung der amerikanischen Presse über US-Präsident Donald Trump und die Russland-Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller geäußert.

Er habe den Medien zwei Jahre lang erklärt, "dass sie sich in der Russland-Sache verrannt haben", sagte Hersh dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Niemand wollte es hören. Die Zeitungen sind weniger offen für Information."

Die Untersuchung sollte klären, ob und wie weit sich Russland in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt hat und ob das Trump-Lager gemeinsame Sache mit Russland machte. Dafür fand Mueller keine ausreichenden Beweise, wie Justizminister William Barr befand.

"Ich habe das seit zwei Jahren gesagt: Ich verstehe, dass man Trump hasst", sagte der Amerikaner Hersh. "Aber Absprachen mit den Russen? Das heißt, dass man Schritt A macht, um B zu erreichen. Dazu ist er gar nicht in der Lage."

Im Hinblick auf die Veröffentlichung von E-Mails aus dem Umfeld von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton sagte Hersh: "Die Demokraten haben die Wahl verloren. Dann wurden die üblichen Verdächtigen dafür verantwortlich gemacht: die Russen." Er sage nicht, dass sie es nicht waren. "Aber um die E-Mails zu hacken, bedurfte es nicht des russischen Geheimdienstes. (...) Das Ganze ist ein Debakel für die amerikanische Presse."

Hersh riet zu einer anderen Schwerpunktsetzung: "Sie sollten sich mehr auf das konzentrieren, was innerhalb der Regierung passiert: Da werden überall gute Leute durch schlechte ersetzt. (...) Auf solche Geschichten sollten sich die Medien stürzen statt auf Trumps Tweets."

Hersh war langjähriger Autor der "New York Times". Der heute 81-Jährige war weltbekannt geworden, als er das von amerikanischen Soldaten im Vietnamkrieg begangene Massaker von My Lai aufdeckte.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Impeachment-Prozess: Trump-Verteidiger kanzeln Anklage ab - „zurechtgebastelt“ und „dünn“

Im US-Senat dürfte ein nervenzehrender Auftakt des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Donald Trump bevorstehen.
Impeachment-Prozess: Trump-Verteidiger kanzeln Anklage ab - „zurechtgebastelt“ und „dünn“

Abgekämpfte Greta Thunberg in Davos: "Niemand hätte vorhersehen können ..."

Erstmals seit September werden Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump wieder aufeinander treffen. Am Dienstag spricht die Aktivistin in Davos.
Abgekämpfte Greta Thunberg in Davos: "Niemand hätte vorhersehen können ..."

„Unmittelbare Gefahr für das Land“: Erschreckende neue Enthüllungen über Trump

Donald Trump sorgt mit vielen Entscheidungen für Verwunderung auf der Welt. Was sich der US-Präsident hinter den Kulissen leistet, offenbart nun ein neues …
„Unmittelbare Gefahr für das Land“: Erschreckende neue Enthüllungen über Trump

Mann bewirbt sich für Job - und erhält „schlimmste Absage, die man sich vorstellen kann“

Ein Student bewirbt sich bei einem Architekturbüro. Die Nachricht, die er dann erhält, schockiert viele und löst im Internet einen Shitstorm aus.
Mann bewirbt sich für Job - und erhält „schlimmste Absage, die man sich vorstellen kann“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.