Türkischer Präsident im Élyséepalast

Erdogan bei Macron in Paris - Scharfe Kritik am Besuch

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist zu einem Besuch beim französischen Staatschef Emmanuel Macron eingetroffen. Nicht jedem gefällt das.

Paris - Macron empfing den Türken, der sich seit Kurzem wieder um eine Verbesserung der Beziehungen zur EU bemüht, am Freitag im Élyséepalast in Paris. Angekündigt waren ein Gespräch, ein Mittagessen und eine gemeinsame Pressekonferenz.

Nach Angaben aus Paris soll es zudem um den Bürgerkrieg in Syrien und den Nahostkonflikt gehen. Erdogan nannte vor seinem Abflug eine ganze Reihe von Themen, die er mit Macron bereden wolle, darunter die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Das Verhältnis des Beitrittskandidaten Türkei zum wichtigen EU-Staat Deutschland ist schwer belastet. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wird am Samstag zu einem Besuch bei seinem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel (SPD) in Goslar erwartet.

Kommunisten nennen Erdogan einen "Diktator"

Der erste Besuch des türkischen Präsidenten in Frankreich seit dem gescheiterten Putsch vor anderthalb Jahren sorgt für erhebliche Kritik: Amnesty International und Reporter ohne Grenzen riefen den französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Freitag auf, Erdogan zur Freilassung inhaftierter Oppositioneller, Menschenrechtler und Journalisten zu drängen. Die französischen Kommunisten nannten Erdogan einen "Diktator" und seinen Besuch eine "Provokation".

Protest gegen Erdogan von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“

Amnesty International erklärte, Macron müsse dem türkischen Staatschef deutlich machen, "dass die Verteidiger der Menschenrechte keine Terroristen sind". Im vergangenen Jahr waren mehrere Aktivisten in der Türkei verhaftet worden, darunter auch der Amnesty-Vorsitzende Taner Kilic, der sich weiter vor Gericht verantworten muss. 

Reporter ohne Grenzen protestierte vor der türkischen Botschaft in Paris. Die Organisation sprach von einer "Spirale der Repression" in der Türkei und forderte die Freilassung Dutzender inhaftierter Reporter. Darunter ist auch "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel. Die Kommunistische Partei Frankreichs erklärte, Erdogans Empfang im Élysée-Palast sei "empörend". Der türkische Staatschef gehe erbarmungslos gegen die kurdische Minderheit vor und habe "Chaos" im Land gestiftet. Macron hat angekündigt, sich bei Erdogan für die Menschenrechte und die Freilassung von Journalisten einsetzen zu wollen.

Lesen Sie auch: Yücel: „Werde seit fast einem Jahr ohne Anklage als Geisel gehalten“.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © AFP

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