Staatsbesuch in Berlin

Steinwürfe und Stinkefinger bei spontaner Demonstration gegen Erdogan in Berlin

Türkischer Präsident in Deutschland
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Türkischer Präsident in Deutschland

Randale bei Staatsbesuch von Präsident Erdogan: Neben einer Großdemonstration organisierte sich auch eine kleine, spontane Kundgebung. Dabei kam es auch zu Ausschreitung.

Berlin - Bei einer nicht angemeldeten Demonstration gegen den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sind am Donnerstagabend in Berlin zwei Polizisten leicht verletzt worden. Die Demonstranten vermummten sich teilweise und warfen Steine auf die Einsatzkräfte, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Auch wurden ein Wartehäuschen der Verkehrsgesellschaft, mehrere Autos und die Scheiben einer Bank in Kreuzberg beschädigt.

Aus der auf etwa 150 Menschen angewachsenen Ansammlung wurden demnach auch Parolen, unter anderem in kurdischer Sprache, gerufen. Die Kundgebung wurde schließlich gestoppt. Acht Tatverdächtige wurden wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz festgenommen. Zudem beschlagnahmten die Beamten Feuerwerkskörper sowie Fahnen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Stinkefinger für Erdogan

Erdogan selbst bekam Demonstranten in Berlin-Mitte zu Gesicht: Als seine Wagenkolonne am frühen Nachmittag nach dem Verlassen des Kanzleramts die Wilhelmstraße passierte, hielten ihm Passanten am Straßenrand als Zeichen des Protests den ausgestreckten Mittelfinger entgegen, wie ein AFP-Reporter beobachtete.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu auf, bei ihren Gesprächen mit Erdogan auf Pressefreiheit in der Türkei zu dringen. Sie müssten bei dem Staatsbesuch Erdogans "die prekären Arbeitsbedingungen für Medien in der Türkei mit Nachdruck anprangern", sagte ROG-Chef Christian Mihr bei einer Kundgebung für in der Türkei inhaftierte Journalisten am Freitag in Berlin. Am Freitag wurde ein Journalist aus der Pressekonferenz mit Kanzlerin Merkel und Erdogan abgeführt. 

Reporter ohne Grenzen fordert Merkel-Einsatz für Pressefreiheit

Er forderte Merkel und Steinmeier zudem dazu auf, sich auch öffentlich und nicht nur hinter den Kulissen für Journalisten im Gefängnis einzusetzen. "Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei darf es nicht geben, solange die beispiellose Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei anhält", mahnte Mihr bei der Kundgebung am Berliner Hauptbahnhof, an der laut ROG mehr als hundert Menschen teilnahmen.

Bei zahlreichen Veranstaltungen demonstrierten am Freitag tausende Menschen gegen den Erdogan-Besuch. Allein zu einer Großdemonstration "Erdogan not welcome" am Potsdamer Platz erwarteten die Veranstalter am Nachmittag rund zehntausend Teilnehmer.

Am Donnerstag war Erdogan zu dem dreitägigen Besuch eingetroffen. Am Freitagmorgen wurde er von Steinmeier mit militärischen Ehren im Schloss Bellevue empfangen. Später traf er Merkel zum Mittagessen.

afp

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