Präsident spricht in Köln

Erdogan sieht Vertiefung der deutsch-türkischen Freundschaft

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, spricht bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee. Foto: Henning Kaiser
+
Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, spricht bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee. Foto: Henning Kaiser

Es war ein Staatsbesuch voller Irritationen. Aber bei Eröffnung einer Moschee in Köln findet der türkische Präsident zum Abschluss viele versöhnliche Worte.

Köln (dpa) - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hält seinen ersten Staatsbesuch in Deutschland für gelungen. «Es war ein erfolgreicher Besuch», sagte Erdogan in einer Rede zur Eröffnung der großen Ditib-Moschee in Köln. Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe er «wichtige Themen ehrlich besprochen», unter anderem wirtschaftliche Investitionen und wie man «effektiv gegen Rassismus und Islamophobie ankämpfen» könne.

In seiner 38-minütigen, versöhnlichen Rede erwähnte Erdogan, dessen Staatsbesuch von allerlei Irritationen begleitet war, nicht einmal den Streit mit der Stadt Köln über die kurzfristige Absage einer Veranstaltung vor der Moschee. Dabei hätte Erdogan dort vor sehr viel mehr Menschen sprechen können. Die Stadt Köln hatte die Veranstaltung aber aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt. Erdogan konnte daher nur vor den geladenen Gästen sprechen. Teilnehmer aus der Delegation hatten vor seinem Auftritt gesagt, dass Erdogan nach dem Verbot sogar überlegt habe, den Moscheebesuch abzusagen.

Hochrangige deutsche Politiker nahmen an der Zeremonie nicht teil, auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte abgesagt. Dazu sagte Erdogan nur: «Es wäre viel schöner und eleganter gewesen, wenn sie dabei gewesen wären.» Aber vielleicht klappe das ja in der Zukunft.

Der türkische Staatspräsident rief erneut zu einem entschlosseneren Kampf gegen die Gülen-Bewegung auf. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich und hat Deutschland in der Vergangenheit schwer dafür kritisiert, dass Gülen-Anhänger in Deutschand Zuflucht gefunden hätten. Erdogan verzichtete aber darauf, Vorwürfe zu wiederholen, mit denen er am Freitagabend beim Staatsbankett in Berlin für Irritationen gesorgt hatte.

Bei dem Bankett hatte Erdogan Kritik von Bundespräsident Steinmeier an seiner Menschenrechtspolitik scharf zurückgewiesen und seinerseits angemerkt, dass in Deutschland seien «Hunderte, Tausende» Terroristen unterwegs. Am Samstag sagte er nur, die Anhänger der Gülen-Bewegung dürften nirgendwo Unterschlupf finden. Steinmeier nannte er «meinen Freund» und dankte ihm für die «liebenswürdige Einladung».

Erdogan forderte allerdings auch eine bessere Integration der Türken in Deutschland. Die Türkei habe die Integration unterstützt und werde das auch weiterhin tun. «Wir sehen die Zukunft unserer Brüder hier», sagte er. Aber gegen Rassismus müsse «gemeinsam Haltung» angenommen werden. Er kritisierte auch den Umgang Deutschlands mit dem ehemaligen Fußballnationalspieler Mesut Özil und dessen Kollegen Ilkay Gündogan, die nach einem Foto mit Erdogan starker Kritik ausgesetzt waren. Nur deswegen seien sie «aus der Gesellschaft ausgegrenzt worden», sagte Erdogan. Dafür habe er kein Verständnis.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Eklat um Scholz‘ Ministerium: Nun kommt sogar Esken aus der Deckung - viele Fragen offen
Politik

Eklat um Scholz‘ Ministerium: Nun kommt sogar Esken aus der Deckung - viele Fragen offen

Eine Razzia in Olaf Scholz‘ Finanzministerium sorgt kurz vor der Wahl für Aufruhr. Die SPD geht in die Offensive. Rund um den Vorgang gibt es offene Fragen.
Eklat um Scholz‘ Ministerium: Nun kommt sogar Esken aus der Deckung - viele Fragen offen
„Sorry, das wird nicht reichen“: Lauterbach kündigt „noch diese Woche“ Verschärfungen an
Politik

„Sorry, das wird nicht reichen“: Lauterbach kündigt „noch diese Woche“ Verschärfungen an

Schon am Dienstag kommen Angela Merkel, Olaf Scholz und die Ministerpräsidenten zusammen. Es soll zwar keine MPK sein, der Lockdown könnte dennoch Thema werden.
„Sorry, das wird nicht reichen“: Lauterbach kündigt „noch diese Woche“ Verschärfungen an
Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will
Politik

Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will

Volle Kliniken, düstere Szenarien und ein klarer Spruch aus Karlsruhe - das war die Ausgangslage für einen neuen Corona-Krisengipfel. Wer schnelle Verschärfungen …
Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.