1. lokalo24
  2. Politik

Anschläge in Dresden: Bekennerschreiben aufgetaucht

Erstellt:

Kommentare

Dresden - Wenige Tage vor den Einheitsfeiern in Dresden explodieren zwei Sprengsätze. Nach den Tätern wird mit Hochdruck gesucht. Im Internet ist nun eine Erklärung aufgetaucht. Doch ist sie echt?

Polizisten vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. Foto: Sebastian Kahnert
1 / 9Polizisten vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. © Sebastian Kahnert
Eine zersplitterte Scheibe am Congress Center Dresden. Dort findet am Tag der Deutschen Einheit der Empfang des Bundespräsidenten statt. Foto: Arno Burgi
2 / 9Eine zersplitterte Scheibe am Congress Center Dresden. Dort findet am Tag der Deutschen Einheit der Empfang des Bundespräsidenten statt. © Arno Burgi
Durch die Druckwelle der Explosion wurde die Eingangstür der Fatih Camii Moschee nach innen gedrückt. Foto: Sebastian Kahnert
3 / 9Durch die Druckwelle der Explosion wurde die Eingangstür der Fatih Camii Moschee nach innen gedrückt. © Sebastian Kahnert
Absperrband sichert den Tatort auf der Freiterrasse des Congress Center Dresden. Foto: Arno Burgi
4 / 9Absperrband sichert den Tatort auf der Freiterrasse des Congress Center Dresden. © Arno Burgi
Die Moschee befindet sich unweit des Bahnhofs Friedrichstadt. Foto: Sebastian Kahnert
5 / 9Die Moschee befindet sich unweit des Bahnhofs Friedrichstadt. © Sebastian Kahnert
Sprengstoffanschläge in Dresden
6 / 9Männer und Frauen halten am Dienstag ein Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. © dpa
Sprengstoffanschläge in Dresden
7 / 9Männer und Frauen halten am Dienstag ein Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. © dpa
Sprengstoffanschläge in Dresden
8 / 9Männer und Frauen halten am Dienstag ein Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. © dpa
Sprengstoffanschläge in Dresden
9 / 9Männer und Frauen halten am Dienstag ein Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden. © dpa

Nach den Sprengstoffanschlägen in Dresden ist im Internet ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Identität und Echtheit würden geprüft, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, am Mittwoch in Dresden. Zuvor hatte Innenminister Markus Ulbig (CDU) im ZDF-„Morgenmagazin“ darüber berichtet. Das Schreiben war am Dienstag auf der Seite „linksunten.indymedia.org“ - nach Angaben der Ermittler eine linksextremistische Plattform - veröffentlicht und später wieder entfernt worden. „Es ist unklar, ob es echt ist und von wem es stammt“, sagte Klein.

Zwei Sprengsätze waren am Montagabend innerhalb kurzer Zeit vor der Tür einer Moschee und auf der Terrasse des Kongresszentrums in Dresden explodiert, wo am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) der Empfang des Bundespräsidenten ausgerichtet wird. Menschen wurden nicht verletzt. Ebenfalls am Montag findet deutschlandweit der Tag der offenen Moschee statt.

Klein betonte, ermittelt werde weiter in alle Richtungen. „Wir stehen noch zu sehr am Anfang.“ Die Generalstaatsanwaltschaft hatte am Dienstag ein Verfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion eingeleitet. Laut Klein gibt es Hinweise und Spuren, die derzeit ausgewertet werden. Wenn jemand gegen eine Moschee vorgehe, könne man eine rechtsextremistische oder zumindest ausländerfeindliche Tat nicht ausschließen, sagte Ulbig im ZDF-„Morgenmagazin“.

De Maizière will Ermittlungsergebnisse abwarten

De Maizière sprach sich in der ARD dagegen aus, die Taten bereits als Rechtsterrorismus zu werten. Man müsse die Ermittlungsergebnisse abwarten. Mit Blick auf die Zunahme rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland sprach er allerdings von einer besorgniserregenden Lage. «Es ist die Bildung rechtsterroristischer Strukturen in Deutschland in Betracht zu ziehen.»

Rechtsterrorismus dürfe mangels eines Bekennerschreibens nicht vorschnell ausgeschlossen werden, mahnte die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, in der «Mitteldeutschen Zeitung» (Mittwoch). Das lehre die Terrorserie des rechtsextremen NSU. Der Verfassungsschutz müsse seine Analysemuster auf die aktuelle rechte Gefahr anpassen, die auch von losen Netzwerken und Einzeltätern ausgehe, so Mihalic.

Dulig: "Inakzeptablen Stufe von Hass und Gewalt"

Sachsens Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) hatte am Dienstagabend am Rande der Mahnwache von einer neuen, inakzeptablen Stufe von Hass und Gewalt gesprochen. «Ich glaube, jetzt muss wirklich allen klar werden, dass man hier aufstehen muss und für eine Demokratie eintreten muss», sagte er dem MDR. Das demokratische Zusammenleben stehe auf dem Spiel.

Der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Bekir Alboga, sprach von einem tragischen Ereignis. «Terrorismus und Gewaltanwendung sind eine Gefahr für uns alle», sagte er der Deutschen Presse-Agentur nach einem Gespräch mit dem Imam der Dresdner Moschee. Für die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) zeigen die Anschläge «das drastische und gewalttätige Ausmaß menschenfeindlicher Stimmung». Der Hass gegen Muslime sei alarmierend.

Besonderer Schutz für Moscheen und Kulturzentren

Seit Montagnacht werden drei Moscheen und zwei weitere islamische Einrichtungen der Stadt besonders geschützt. Die Polizei hat zudem ihren Einsatz zur Einheitsfeier früher als geplant begonnen. Sie gab keine weiteren Details zu den Anschlägen bekannt. «Wir können über die Erkenntnislage derzeit noch nichts sagen. Das ist Teil der Ermittlungen», so Innenminister Ulbig. Es gehe nicht darum, Informationen vorzuenthalten. Vielmehr sollten die Verantwortlichen zügig gefasst werden.

Imam Hamza Turan wünscht sich zum traditionellen Freitagsgebet und nachts mehr Bewachung der Polizei, dann könnten sich die Gemeindemitglieder sicherer fühlen. Und er hofft schnell auf konkrete Ermittlungsergebnisse. Die Wohnung seiner Familie in der Moschee ist nicht bewohnbar. «Wir kommen bei Nachbarn unter», sagte der 46-Jährige.

dpa

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion