Nummer drei der Hierarchie

Missbrauchsvorwürfe: Papst-Vertrauter Pell beurlaubt

In der Vergangenheit gab es mehrfach Beschwerden über angebliche Fälle von Kindesmissbrauch während Pells Zeit als Priester und Erzbischof. Foto: Gregorio Borgia
1 von 6
In der Vergangenheit gab es mehrfach Beschwerden über angebliche Fälle von Kindesmissbrauch während Pells Zeit als Priester und Erzbischof. Foto: Gregorio Borgia
Für den Heiligen Stuhl ist das Ermittlungsverfahren äußerst unangenehm. Foto: Gregorio Borgia
2 von 6
Für den Heiligen Stuhl ist das Ermittlungsverfahren äußerst unangenehm. Foto: Gregorio Borgia
Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche stockt. Foto: Gregorio Borgia
3 von 6
Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche stockt. Foto: Gregorio Borgia
Papst Franziskus rief Ende 2014 ein Gremium ins Leben, um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zu erleichtern. Foto: Andrew Medichini
4 von 6
Papst Franziskus rief Ende 2014 ein Gremium ins Leben, um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zu erleichtern. Foto: Andrew Medichini
2014 ernannte Franziskus Kardinal Pell zum Leiter der neu geschaffenen Aufsichtsbehörde für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans. Foto: Gregorio Borgia
5 von 6
2014 ernannte Franziskus Kardinal Pell zum Leiter der neu geschaffenen Aufsichtsbehörde für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans. Foto: Gregorio Borgia
Die australische Polizei führte nicht näher aus, worum genau es bei den Vorwürfen gegen George Pell geht. Foto: Paul Miller
6 von 6
Die australische Polizei führte nicht näher aus, worum genau es bei den Vorwürfen gegen George Pell geht. Foto: Paul Miller

Donnerschlag im Vatikan: Gegen einen der höchsten Männer im Kirchenstaat wird wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs ermittelt. Der australische Kardinal George Pell zieht Konsequenzen. Für ihn wird es nun extrem eng - und auch für Papst Franziskus.

Rom/Sydney (dpa) - Erstmals wird gegen einen der ranghöchsten Kardinäle im Vatikan wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs ermittelt. Der Papst-Vertraute und Chef des Finanzsekretariats, der Australier George Pell, legte darauf sein Amt vorübergehend nieder.

Gleichzeitig beteuerte er seine Unschuld. Der Australier gehört auch dem Kardinalsrat des Papstes an und ist inoffiziell die Nummer Drei im Vatikan.

Er habe sich von Papst Franziskus beurlauben lassen, um in seiner Heimat die Vorwürfe auszuräumen, sagte Pell in Rom. "Die Anschuldigungen sind falsch. Die ganze Vorstellung von sexuellem Missbrauch ist für mich abscheulich", versicherte er. In dem Fall geht es um angebliche Taten, die Jahrzehnte zurückliegen.

Die australische Polizei hatte mitgeteilt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen den 76-Jährigen wegen Missbrauchsverdachts eingeleitet worden sei. Wie die Polizei im Bundesstaat Victoria mitteilte, muss Pell am 18. Juli zu einer Gerichtsanhörung in Melbourne erscheinen.

Während Pells Abwesenheit von Rom werde das Wirtschaftssekretariat seine Arbeit wie gewohnt fortführen, teilte der Vatikan mit. Die Sekretäre blieben im Amt, solange nicht anders entschieden werde.

Pell war vor seiner Versetzung nach Rom Erzbischof von Melbourne und Sydney. Anfang 2014 ernannte ihn Franziskus zum Leiter der neu geschaffenen Aufsichtsbehörde für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans.

Die australische Polizei und Pell führten nicht näher aus, worum genau es bei den nun zu untersuchenden Vorwürfen geht. Die Geschehnisse lägen schon weit zurück, hieß es in Australien.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach Beschwerden gegeben über angebliche Fälle von Kindesmissbrauch während Pells Zeit als Priester in Ballarat (1976 - 1980) und als Erzbischof in Melbourne (1996 - 2001). Ihm wurde zur Last gelegt, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. Im Juli vergangenen Jahres erhoben zwei Männer direkte Missbrauchsvorwürfe gegen den Geistlichen, der sie in den 1970er Jahren in einem Schwimmbad unsittlich angefasst habe. Ein weiterer Mann berichtete, Pell habe sich in den 1980er Jahren vor Jungen in einem Umkleideraum am Strand entblößt.

"Keine der gegen Kardinal Pell erhobenen Anschuldigungen ist bislang von einem Gericht überprüft worden", betonte Victorias Vize-Polizeichef Shane Patton. Pell habe "das Recht auf ein faires Verfahren".

Die Vorwürfe sind besonders heikel, weil Pell eingeräumt hatte, dass Australiens katholische Kirche über Jahre hinweg den Missbrauch von Kindern heruntergespielt habe. Auch er selbst wurde dafür kritisiert, derartige Fälle unter den Teppich gekehrt zu haben, und musste sich vor Untersuchungskommissionen in Australien den Vorwürfen stellen.

Für den Heiligen Stuhl ist das Ermittlungsverfahren äußerst unangenehm. Papst Franziskus rief Ende 2014 im Vatikan ein neues Gremium ins Leben, um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und anderen schwerwiegenden Delikten in der katholischen Kirche zu erleichtern. Zuletzt war ein Mitglied der Kinderschutzkommission zurückgetreten, aus Frust darüber, dass es mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nicht vorwärts gehe.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump: Nordkorea kommt zurück auf Terrorliste

Washington (dpa) - Die USA setzen Nordkorea wieder auf ihre Liste von Terror-Unterstützerstaaten. Das kündigte US-Präsident Donald Trump an diesem Montag in Washington …
Trump: Nordkorea kommt zurück auf Terrorliste

Schwierige Präsidentschaftswahl in Chile

Der konservative Ex-Präsident Piñera gewinnt die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Chile, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Der Ausgang der Stichwahl gegen den …
Schwierige Präsidentschaftswahl in Chile

Merkel will es im Fall von Neuwahlen noch einmal wissen

Jamaika ausgeträumt, doch was kommt jetzt? Angela Merkel präferiert Neuwahlen gegenüber einer Minderheitsregierung und will sich dafür wieder zur Wahl stellen. …
Merkel will es im Fall von Neuwahlen noch einmal wissen

Grüne nach dem Jamaika-Aus: Alles wieder auf Anfang?

Mit CSU und FDP an einem Verhandlungstisch zu sitzen, war für die Grünen wahrlich kein Vergnügen - inhaltlich und überhaupt. Nun hofft die Ökopartei, dass die …
Grüne nach dem Jamaika-Aus: Alles wieder auf Anfang?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.