St. Louis

Erneut Unruhen bei Protesten nach Polizisten-Freispruch

+
Randalierer stürmen durch die Straßen von St. Louis. Foto: Jeff Roberson

St. Louis kommt nach einem umstrittenen Freispruch in einem Mordprozess gegen einen Ex-Polizisten nicht zur Ruhe. Friedliche Proteste arten einmal mehr in Unruhen aus.

St. Louis (dpa) - Dritter Tag der Proteste und Unruhen: In der US-Stadt St. Louis hat es am Sonntagabend bereits den dritten Tag in Folge Unruhen bei Protestkundgebungen gegeben.

Zahlreiche Menschen wurden nach Polizeiangaben festgenommen, nachdem es in der Stadt zu neuer Gewalt gekommen war. "Gruppen von Kriminellen arbeiten sich durch die Innenstadt und schaffen Chaos", twitterte die Polizei.

Zuvor waren erneut Hunderte Menschen gegen Polizeigewalt und Diskriminierungen Schwarzer auf die Straßen gegangen. Anlass ist der umstrittene Freispruch für einen weißen ehemaligen Polizisten, der 2011 nach einer Autoverfolgungsjagd einen afroamerikanischen mutmaßlichen Drogendealer erschossen hatte.

Die Proteste am Sonntag blieben zunächst friedlich, ehe kleine Gruppen von Demonstranten am Abend gewalttätig wurden und etwa Fenster und Schaufenster einschlugen. Nach einem Bericht der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" wurden mindestens sieben Menschen festgenommen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei sei ein Beamter verletzt worden.

Auch am Freitag und Samstag hatten die Proteste gewaltlos begonnen, waren dann jedoch eskaliert: Demonstranten warfen Steine und Flaschen gegen Polizisten, zertrümmerten zahlreiche Schaufenster und richteten Schäden am Wohnhaus der Bürgermeisterin an. Die Polizei ihrerseits setzte Tränengas ein. Mehrere Polizisten wurden verletzt, es gab Dutzende Festnahmen.

Der am Freitag freigesprochene ehemalige Streifenpolizist hatte 2011 einen 24-jährigen mutmaßlichen Drogenhändler nach einer wilden Autoverfolgungsjagd erschossen. Er wurde wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt: Die Staatsanwaltschaft machte dabei geltend, dass er während der Verfolgungsjagd einem Kollegen im Streifenwagen gesagt habe, er werde den Mann töten.

Diese Äußerung war im Auto per Video aufgezeichnet worden, aber in der Aufnahme nicht zu verstehen, was unmittelbar davor oder danach gesagt wurde. Mit Bezug darauf entschied der zuständige Richter, dass die Bemerkung möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissen worden sei und daher keinen schlüssigen Beweis für eine Mordabsicht darstelle.

Der heute 36-jährige Polizist, der nach dem Vorfall selber den Dienst quittierte, hatte sich auf Notwehr berufen: Demnach schoss er, als der Mann nach seiner Waffe griff. Insgesamt gab er fünf Schüsse ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Grausamer Khashoggi-Mord: Deutschland stoppt Waffenlieferungen an Riad

Im Fall des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi fordert die saudische Staatsanwaltschaft die Todesstrafe für fünf Tatverdächtige. Deutschland stoppt …
Grausamer Khashoggi-Mord: Deutschland stoppt Waffenlieferungen an Riad

Breite Kritik an Spahn-Vorstoß zu UN-Migrationspakt

Jens Spahn, Kandidat für den CDU-Vorsitz, will auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember über den UN-Migrationspakt diskutieren. Nicht viele in der Partei sind begeistert. …
Breite Kritik an Spahn-Vorstoß zu UN-Migrationspakt

Nach Gerichtsurteil: Neues Schreiben aus dem Weißen Haus droht Journalist - Trump eingeweiht

Nach einigen kritischen Fragen ließ US-Präsident Trump einen Journalisten aus seiner Pressekonferenz aussperren. Der rief erfolgreich die Gerichte an - doch die …
Nach Gerichtsurteil: Neues Schreiben aus dem Weißen Haus droht Journalist - Trump eingeweiht

Stegner attackiert "Millionär" Merz

Volle Breitseite gegen den Hoffnungsträger vieler in der CDU, Friedrich Merz. SPD-Vize Stegner wirft dem "Millionär aus der Finanzindustrie" vor, Fakten zur …
Stegner attackiert "Millionär" Merz

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.