Mehrheit nicht gesichert

EU-Kommission will Glyphosat für fünf Jahre zulassen

+
Ein Chemiker und Bodenkundler untersucht Erdproben auf Glyphosat. Foto: Christian Charisius

Der Streit über den von Monsanto entwickelten Unkrautvernichter steuert auf den Showdown zu. In zwei Wochen soll über seine Zukunft in Europa entschieden werden.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat nur noch fünf statt zehn weitere Jahre zulassen, muss aber auch dafür um eine Mehrheit zittern. Die Grünen - mögliche neue Regierungspartei in Berlin - kritisieren auch den neuen Vorschlag.

Und EU-Diplomaten äußerten Zweifel, ob der Vorschlag im Kreis der EU-Länder den nötigen Rückhalt findet.

Der Unkrautvernichter ist sehr wirksam und wird weltweit genutzt, er steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu schädigen. Die aktuelle Zulassung in Europa läuft Mitte Dezember aus. Da die EU-Kommission für eine Verlängerung um zehn Jahre keine Unterstützung fand, schlug sie fünf Jahre vor. Experten der EU-Länder sollen am 9. November entscheiden.

Ob Deutschland den Vorschlag mitträgt, ist fraglich. Schon die amtierende Bundesregierung ist in der Frage uneins und hat sich im Kreis der EU-Länder enthalten. Die Grünen kämpfen als Partner einer möglichen Jamaika-Koalition gegen Glyphosat. "Der neue Vorschlag ist ein reiner Scheinkompromiss, wenn sich außer der Jahreszahl nichts ändert", erklärte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar hatte auch das Europaparlament eine Frist bis 2022 gefordert, also ebenfalls fünf Jahre. Dabei gehe es aber nicht um eine reine Verlängerung, sondern um den schrittweisen Ausstieg, betonte Ebner. "Solange die EU-Kommission davon nichts in ihren Vorschlag aufnimmt, wird er keine Mehrheit finden." Die Zeit sei reif für den Glyphosat-Ausstieg.

Die Kommission spielt den Ball jedoch zurück. Sie verweist auf die EU-Verordnung über Pflanzenschutzmittel, wonach auch nach einer europäischen Zulassung jedes Mitgliedsland selbst noch einmal entscheiden und bei ernsten Bedenken die Lizenz verweigern kann. "Ein Pflanzenschutzmittel darf nur in Verkehr gebracht oder verwendet werden, wenn es in dem betreffenden Mitgliedstaat gemäß der vorliegenden Verordnung zugelassen wurde", heißt es im Regelwerk.

Eine Kommissionssprecherin betonte am Freitag: "Die Mitgliedstaaten sind dafür verantwortlich, Pflanzenschutzmittel auf ihren Märkten zuzulassen. Es ist ihre Verantwortung zu entscheiden, für wie lange und welche Bedingungen für die Nutzung der Produkte gelten." Wenn unmittelbare Sorge um die Gesundheit von Menschen bestehe, könnten die Mittel sofort vom Markt genommen werden. Gebe es solche Bedenken nicht, könne dies mit einer kurzen Übergangsfrist geschehen.

Wissenschaftler sind uneins über das Krebsrisiko durch Glyphosat. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein. Die Lebensmittelbehörde Efsa und die Chemikalienagentur Echa kamen aber zu dem Schluss, dass verfügbare wissenschaftliche Erkenntnisse für eine solche Einstufung nicht ausreichten. Umweltschützer zweifeln ihrerseits an der Aussagekraft der zugrundeliegenden Studien.

Paff Committees - Kurzbeschreibung der EU-Kommission

Informationen der EU-Kommission zu Glyphosat

Informationen von Greenpeace zu Glyphosat

Verordnung 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Deutsche Sicherheitsbehörden verstärken heimliche Handyüberwachung

Die deutschen Sicherheitsbehörden nutzen immer häufiger Handydaten zur Überwachung ihrer Nutzer. Das geht aus einer Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage …
Deutsche Sicherheitsbehörden verstärken heimliche Handyüberwachung

Union und SPD pokern vor Koalitionsverhandlungen weiter

Geht es Ende der Woche endlich los mit den Koalitionsverhandlungen? Vielleicht. Bis dahin pokern die Verhandlungspartner weiter. Und mancher Beobachter meint: nicht …
Union und SPD pokern vor Koalitionsverhandlungen weiter

Mutmaßlich entführtem Manager droht erneut Todesstrafe

Lebenslange Haft hat er schon. Jetzt steht ein mutmaßlich aus Berlin entführter Vietnamese in Hanoi erneut vor Gericht. Die Bundesregierung will die Todesstrafe …
Mutmaßlich entführtem Manager droht erneut Todesstrafe

Rüstungsexporte unter großer Koalition deutlich gestiegen

Die SPD hatte sich 2013 vorgenommen, die deutschen Rüstungslieferungen ins Ausland zu bremsen. Unter dem Strich ist das nicht gelungen. Die Jahre 2015 bis 2017 waren die …
Rüstungsexporte unter großer Koalition deutlich gestiegen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.