"Ich konnte nicht anders"

Exil-Uigurin enthüllte "China Cables"

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Die Exil-Uigurin Asiye Abdulaheb. Foto: Privat/dpa

Brisante Dokumente bringen die Verfolgung und massenhafte Internierung von Uiguren in China ans Licht. Jetzt wird auch ihr Ursprung bekannt. Die Echtheit wird in Peking nicht bestritten.

Den Haag/Peking (dpa) - Eine Exil-Uigurin in den Niederlanden hat sich als Quelle für die als "China Cables" bekannten Geheimdokumente über die Verfolgung und Inhaftierung von Uiguren in China zu erkennen gegeben.

"Ich wusste, dass es riskant ist, diese Papiere zu veröffentlichen, aber ich konnte nicht anders", sagte Asiye Abdulaheb in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur zu der Enthüllung, die seit Ende November große Wellen schlägt.

Über die 24 Seiten starken offiziellen Dokumente hatte das Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) Ende November berichtet. Sie belegen, dass die von der kommunistischen Führung als "Weiterbildungseinrichtungen" beschriebenen Lager in Wirklichkeit streng bewachte Haftanstalten zur Umerziehung der muslimischen Minderheit sind. Auch widerlegen sie die Beteuerungen Pekings, wonach der Aufenthalt darin freiwillig sei.

Abdulaheb will die Dokumente schon im Juni von einem Beamten in Ürümqi bekommen haben, der Hauptstadt der nordwestchinesischen Region Xinjiang. Um ihre Quelle nicht in Gefahr zu bringen, wollte sich die 46-Jährige nicht weiter über den Ursprung der Unterlagen äußern. Wie dpa aus diplomatischen Kreisen in Peking erfuhr, wurde deren Echtheit auf hoher chinesischer Regierungseben "nicht bestritten".

"Als Uigurin, die ihr Leben dort gelebt hat, ist es wirklich schwer, die Realität zu akzeptieren, die in diesen Dokumenten beschrieben wird", sagte Abdulaheb, die bis 2019 in Ürümqi als Journalistin für ein staatliches Medium gearbeitet hatte. Dann flüchtete sie in die Niederlande, wo sie heute lebt.

Nach Schätzungen von Menschenrechtlern sind Hunderttausende Uiguren in Umerziehungslager gesteckt worden - in der Regel für mindestens ein Jahr, wie aus den Geheimdokumenten hervorgeht. Schätzungsweise zehn Millionen Uiguren leben in China, die meisten in Xinjiang. Das Turkvolk fühlt sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan der Volksrepublik einverleibt. Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Weltweit haben mehr als 75 Journalisten von 17 Medien die Papiere aus den Jahren 2017 und 2018 ausgewertet. Unter ihnen sind der NDR, WDR und die "Süddeutsche Zeitung". Mehrere Dokumente sind vom damaligen Vize-Parteichef in Xinjiang unterzeichnet. Zu den Papieren gehören eine Anleitung für den Betrieb von Lagern, vier Erläuterungen zur Überwachung der Uiguren mithilfe künstlicher Intelligenz und riesiger Datensammlungen sowie eine "Stellungnahme zur weiteren Verstärkung und Standardisierung von Erziehungs- und Ausbildungszentren für berufliche Fertigkeiten".

"Diese Dokumente zeigen das kriminelle Verhalten der chinesischen Regierung", sagte Abdulaheb. Da der chinesische Geheimdienst bereits weiß, dass sie die Papiere weitergegeben hat, beschloss Abdulaheb, an die Öffentlichkeit zu gehen. Als erstes gab sie der niederländischen Zeitung "De Volkskrant" ein Interview. Die Mutter von zwei Kindern hofft, dass die öffentliche Aufmerksamkeit ihr und ihrer Familie auch persönlichen Schutz bietet.

Das Vorgehen gegen die Volksgruppe hat sich seit dem Amtsantritt von Xi Jinping als Staats- und Parteichef noch verschärft. Nach einem Terroranschlag 2014 mit 31 Toten forderte der Präsident nach Angaben der "New York Times" in einer bislang unveröffentlichten Rede, "im Kampf gegen Terrorismus, Infiltration und Separatismus" die "Organe der Diktatur" zu nutzen und "absolut keine Gnade zu zeigen".

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