Zuschauerfragen bei „Hart aber fair“

Experte über Trump: „Merkmale einer narzisstischen Störung“

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Der Koordinator für die Transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt Jürgen Hardt (CDU, l-r), der Politikwissenschaftler Christian Hacke, die ARD-Studioleiterin in Washington Ina Ruck, der stellvertretende Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, Buchautor, Psychologe und Angstforscher Borwin Bandelow, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) Marcel Fratzscher und Moderator Frank Plasberg bei „Hart aber fair“.

Berlin - Der neue US-Präsident Donald Trump entwickelt sich zum Polittalk-Dauerbrenner. Bei „Hart aber fair“ war am Montag Raum für Fragen von Zuschauern. Die Antworten der Experten sind alles andere als beruhigend.

Frank Plasberg widmete sich Trump zum zweiten Mal hintereinander. Diesmal beantworteten bei ihm Experten Zuschauerfragen - und die zielten meist in eine Richtung.

„So schnell wird der Tag nicht kommen, an dem wir uns nicht mehr fragen: Was hat er denn jetzt wieder gemacht?“ So leitete Frank Plasberg „Hart aber fair“ ein. Er meinte US-Präsident Donald Trump. Unter dem Titel „Trump und wir“ beantworteten Experten die Fragen von Zuschauern - und die machten deutlich: Deutschland fürchtet Trump.

Und wer könnte die Furcht der Deutschen besser begründen, als ein Angstforscher? Eingeladen war der Psychiater Borwin Bandelow. Außerdem diskutierten der CDU-Politiker Jürgen Hardt, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sowie der Politikwissenschaftler Christian Hacke. Aus den USA eingeflogen war ARD-Studioleiterin Ina Ruck.

Müssen wir das Trump-Amerika fürchten?

Um etwas Abwechslung in die Talkshows zu Trump zu bringen, variierte Plasberg das Konzept der Sendung. Zuschauer fragten, die anwesenden Experten antworteten. Fast alle Fragen zielten in dieselbe Richtung: Müssen wir das Trump-Amerika fürchten? Ralf Deschner aus Gundelsheim bei Heilbronn wollte wissen, ob Trump ein Psychopath sei. Angstforscher Bandelow wehrte sich zunächst gegen eine Ferndiagnose, ließ sich aber dann doch zu einer hinreißen: „Die Merkmale einer narzisstischen Störung sind vorhanden.“ Ein Mann aus Franken fragte, ob Trump den Weltfrieden bedrohe. Journalistin Ruck: „Panikmache ist nicht angebracht, aber solche Ängste sind nicht völlig aus der Luft gegriffen.“ Immerhin habe Trump im Wahlkampf gefragt, wozu man Atomwaffen habe, wenn man sie nicht einsetze.

Plasbergs Redaktion hatte sich bemüht, eine Expertenrunde zu präsentieren, die ein breites Themenspektrum abdeckte und die Zuschauerfragen routiniert und kompetent beantwortete. Problem der Sendung: Die Diskussion verkam schnell zur gemeinsamen Suche nach dem Hoffnungsschimmer, gestritten wurde kaum. Einzig der Politikwissenschaftler Hacke polarisierte, indem er Trump gelegentlich verteidigte („kein Verrückter“). Er kassierte auch den ein oder anderen Lacher, beispielsweise als er Trump-Berater Stephen Bannon einen „rechtsradikalen Rasputin“ nannte.

Was also tun mit Donald Trump? Zuschauer Horst Rudolf riet, den neuen US-Präsidenten nicht zu verteufeln. „Ist es nicht besser sich mit Trump zusammenzusetzen?“, fragte er rhetorisch. Angstforscher Bandelow äußerte sich vorsichtig optimistisch, indem er prophezeite, dass die Angst vor Trump Europa einen könnte. Politologe Hacke analysierte, dass man Trump nicht pathologisieren dürfe. Man müsse ihn nicht lieben, aber Politik sei nun mal keine Sympathiefrage.

dpa/Markus Ehrlich

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