Kritik an eigener Regierung

Familie von nach Nordkorea entführter Japanerin verzweifelt

+
Shigeru Yokota (l) und seine Frau Sakie, die Eltern des vor 40 Jahren nach Nordkorea entführten Mädchens. Foto: kyodo

Nordkorea hat in der Vergangenheit mehrfach Japaner entführt. Darunter auch Megumi - 1977 wurde sie als 13-Jährige nach Nordkorea verschleppt. Ihre Eltern kämpfen noch immer für ihre Rückführung. Doch die japanischen Regierung tut in ihren Augen zu wenig.

Tokio (dpa) - 40 Jahre nach der Entführung einer 13-jährigen Japanerin nach Nordkorea verzweifeln die Eltern an ihrer eigenen Regierung. "Warum können wir sie nicht retten?", fragte die inzwischen 81-jährige Sakie Yokota heute laut Medienberichten.

Ihre Tochter Megumi war am Abend des 15. November 1977 auf dem Heimweg vom Badminton-Training verschleppt und über das Meer nach Nordkorea gebracht worden. Am 40. Jahrestag der Entführung äußerte ihre Mutter wegen des mangelnden Fortschritts bei der Bemühung um Rückholung ihrer Tochter vor japanischen Medien Unmut über die japanische Regierung. Sie frage sich, ob es richtig gewesen sei, der Regierung zu vertrauen.

In den 70er und 80er Jahre hatte Nordkorea mehrfach Japaner entführt. Die Verschleppten sollten Spionen Pjöngjangs Japanisch beibringen und ihnen helfen, sich wie Japaner zu verhalten. Die kleine Megumi ist dabei das mit Abstand jüngste und in der Öffentlichkeit bekannteste Entführungsopfer.

Erst im Jahr 2002 gestand die Regierung in Pjöngjang, 13 Personen entführt zu haben, von denen fünf nach Japan zurückkehren konnten. Die übrigen acht seien gestorben, darunter auch Megumi, die angeblich Selbstmord beging. Für Nordkorea ist die Angelegenheit damit erledigt. Nicht jedoch für die Japaner. Tokio geht zudem von mindestens 17 nach Nordkorea Verschleppten aus.

Zwischenzeitlich hatte die innenpolitisch hoch emotionalisierte Frage der Entführungen Japans Außenpolitik beherrscht wie kaum ein anders Thema. Der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe hatte das Problem sogar zur "höchsten Priorität" erklärt. Geändert hat sich nichts.

Angesichts der Bedrohung durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm fährt Abe im Einklang mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump einen harten Kurs gegen Pjöngjang. Trump war kürzlich bei seinem Besuch in Japan mit Angehörigen der Entführten zusammengetroffen. Doch die Gespräche mit Nordkorea über die Entführtenfrage kommen nicht voran.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump behauptet vor Putin-Gipfel: Nato-Länder haben sich bei mir bedankt

Donald Trump trifft sich am Montag mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Zündstoff gibt es genug- beispielsweise die russischen Hackerangriffe während des …
Trump behauptet vor Putin-Gipfel: Nato-Länder haben sich bei mir bedankt

„Unkontrollierbar": Heftige Kritik aus der CSU an Seehofer

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
„Unkontrollierbar": Heftige Kritik aus der CSU an Seehofer

Luftnummer oder Annäherung? - Trump trifft Putin

Die Aufmerksamkeit ist riesig, das Verhältnis der weltgrößten Atommächte gespannt wie seit Jahrzehnten nicht. Doch allzu groß sind die Hoffnungen vor dem Gipfel von …
Luftnummer oder Annäherung? - Trump trifft Putin

Spahn will Patientendaten auf Handys zugänglich machen

Berlin (dpa) - Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen sollen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spätestens ab 2021 auch per Handy und …
Spahn will Patientendaten auf Handys zugänglich machen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.