Ströbele will US-Spione ausweisen

FBI sucht nach Wikileaks-Enthüllungen einen Maulwurf

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FBI-Chef James Comey

Washington - Ein Maulwurf soll CIA-Unterlagen an Wikileaks weitergereicht haben. Das FBI will nun hunderte Menschen verhören, die als Täter infrage kommen.

Die US-Bundespolizei FBI sucht Medienberichten zufolge einen desillusionierten Insider, der Unterlagen des Auslandsgeheimdienstes CIA an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben haben soll. Der Leak war nach Ansicht der Ermittler nicht das Werk eines feindlichen Staates, wie die New York Times am Mittwoch (Ortszeit) berichtete.

Demnach will das FBI jetzt jeden verhören, der Zugang zu den Informationen hatte. Das seien mindestens einige Hundert Menschen. Möglich sei auch, dass die Dokumente von einem Server eines externen Auftragnehmers stammten. US-Präsident Donald Trump wollte am Donnerstag mit CIA-Direktor Mike Pompeo und Heimatschutzminister John Kelly zusammentreffen.

Die CIA sieht nach dem Leak das Leben von US-Bürgern in Gefahr. Derartige Enthüllungen "bringen nicht nur US-Personal und Einsätze in Gefahr, sondern statten unsere Gegner auch mit Werkzeugen und Informationen aus, um uns zu schaden", sagte eine CIA-Sprecherin am Mittwoch in Washington. Zur Echtheit der Dokumente wollte sich CIA-Sprecherin Heather Horniak nicht äußern.

Smartphones, Computer, Fernseher, Telefone im Visier

Wikileaks hatte am Dienstag mehr als 8.000 Dokumente veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die CIA eine eigene Programmiertruppe aufgebaut hatte, um systematisch Sicherheitslücken und Schwachstellen in Smartphones, Computern sowie auch Fernsehgeräten und Telefonanlagen auszunutzen und auf diese Weise Verdächtige gezielt auszuspähen

Die Dokumente zeigen Wikileaks zufolge, dass die CIA etwa Schadsoftware, Viren und Trojaner zur Cyberspionage einsetzt. Der Geheimdienst sei in der Lage, auf Smartphones die Verschlüsselungscodes populärer Apps wie WhatsApp, Signal, Telegram oder Weibo zu umgehen. Nach Darstellung von Wikileaks operieren Hacker der CIA auch von Frankfurt aus.

Die US-Regierung will die Echtheit der Dokumente weder bestätigen noch dementieren. Experten halten sie aber für glaubwürdig. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte am Mittwoch: „Dies ist die Art von Enthüllung, die unser Land, unsere Sicherheit und unser Wohlergehen untergräbt.“

Projekte unterbrochen

Als Konsequenz aus der Wikileaks-Veröffentlichung unterbrach die CIA den Angaben zufolge einige Projekte, während sie den entstandenen Schaden einzuschätzen und einzudämmen versuchte.

Die Enthüllungen würden „unsere Widersacher mit Werkzeugen und Informationen ausstatten, um uns Schaden zuzufügen“, zitierte die Zeitung einen CIA-Sprecher. Die Agentur dürfe Menschen in den USA nicht ausspionieren und tue das auch nicht.

Der Grünen-Geheimdienstexperte Hans-Christian Ströbele forderte von der Bundesregierung ein hartes Durchgreifen gegen US-Spione. "Die Regierung muss deutlich machen, dass bestimmte Geheimdienst-Mitarbeiter, die an der Spionage beteiligt sind, hier nichts zu suchen haben", sagte Ströbele der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Donnerstag. "Sie könnten des Landes verwiesen werden. Man könnte auch die Zentrale der Überwachung in Frankfurt schließen."

dpa

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