Solo-Talk bei Maischberger

Schäuble: „Merkel und Seehofer sind kein Dreamteam“

Berlin - Einen Solo-Talk mit CDU-Urgestein Schäuble gab es Mittwochnacht bei „Maischberger“. Der Finanzminister verbreitete eine Stunde lang Zuversicht - egal, ob es um Merkel, Trump oder die AfD ging.

In unsicheren Zeiten sehnen viele sich nach einer Stimme, die Besonnenheit, Mut und Vertrauen schenkt. Finanzminister Wolfgang Schäuble übernahm diese Rolle in seinem Solo-Auftritt bei Maischberger am späten Mittwochabend.

Eine gute Stunde lang stand der CDU-Politiker mit 45 Jahren Erfahrung der Moderatorin Rede und Antwort. Merkels Flüchtlingspolitik, die Krise der EU, der Aufstieg der AfD, Trumps Rüpel-Politik - Schäuble verabreichte zu all diesen Aufreger-Themen verbale Beruhigungspillen. Der Zuschauer hatte am Ende das Gefühl: Eigentlich ist doch alles gar nicht so schlimm. 

Siegeszug der Populisten kann Schäuble nicht schocken

Denn: Früher war alles noch schlimmer. Zum Beispiel, als Schäuble jung war und ein Atomkrieg drohte. „Heute sterben mehr Leute an Selbstmord als an Krieg“, erinnerte der Finanzminister.D er Brexit und ein drohender Wahlsieg der Rechtspopulisten in Frankreich und den Niederlanden können Schäuble nicht schocken. „Wenn die Krise in Europa sich morgen verschärft, wird übermorgen ein neuer Anlauf gemacht werden, um Europa wieder zu vereinigen“, ist er sich sicher. 

Außerdem: Europas Einigung sei stets in Krisenzeiten vorangekommen. „Die Bereitschaft dazu wächst dann, wenn der Druck groß ist“, weiß Schäuble, der den gesamten Einigungsprozess als Politiker begleitete. Und Trump? Was Amerikas neuer Präsident jetzt alles vom Stapel lässt, „darüber muss man beunruhigt sein“, findet Schäuble. Aber wenn wirklich alle Worst-Case-Szenarien einträfen, „müssen wir auch ohne Amerika zurande kommen.“

Merkel und Seehofer: „Ein Dreamteam sieht nicht so aus“

Trotzdem: Dass Merkel und Seehofer kein Dream-Team für das Wahljahr 2017 sind, musste sogar der vor Optimismus strotzende Schäuble zugeben - konfrontiert mit einem recht missmutigen Foto der beiden vom gerade zu Ende gegangenen Versöhnungsgipfel. „Ein Dreamteam sieht nicht so aus, die Frage kann man so beantworten“, sagt Schäuble zur Parteispitze, „aber es wäre unehrlich gewesen, wenn jetzt so getan worden wäre: Wir waren immer Friede, Freude, Eierkuchen.“ Manchmal laufe es eben besser, manchmal schlechter zwischen CDU und CSU - damit ist das Thema für Schäuble gegessen.

Nicht aber für Sandra Maischberger: Hartnäckig wollte sie wissen, ob es nicht eine bessere Kanzlerkandidatin gegeben hätte als die von der Flüchtlingskrise gezeichnete Merkel, der viele aus der Parteibasis die Untersützung versagen. „Nein“, antwortete Schäuble knapp, selbst beliebtester CDU-Politiker der Deutschen. Maischberger insistierte: „Sie wärens gewesen!“. Falls Maischberger es noch nicht bemerkt habe: Er werde 75 Jahre alt und sitze seit fast 26 Jahren im Rollstuhl, sagte der Finanzminister dazu.

Abgesehen davon: Während der Flüchtlingskrise sei es nicht leicht gewesen für die Kanzlerin, eine Balance zu finden zwischen der Hilfsbereitschaft für die Menschen auf der Flucht, und der Notwendigkeit, die innere Ordnung zu bewahren. Da sei es nicht richtig, jetzt zu sagen: „Einer ist der Sündenbock“. Kanzler zu sein sei immer eine schwere Verantwortung. „Frau Merkel hat es insgesamt gut hingekriegt in dieser schwierigen Zeit. Deshalb habe sie das Vertrauen der CDU.“

Das ist Schäubles Kommentar zur AfD

Eine Frage, bei der Schäuble dann aber doch sorgenvoll das Gesicht verzieht, ist die nach der AfD. Sei diese eigentlich gut für die Demokratie, wollte Maischberger wissen. „In der Demokratie ist Wettbewerb in Ordnung“, so Schäuble. „Aber ich hatte gehofft, dass wir mit dem Gedankengut, das von der AfD ausgebeutet wird, in Deutschland nichts mehr zu tun haben würden.“ 

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