Rechtsextreme hatten Flüchtlinge bedroht

Merkel: "Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist"

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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht gemeinsam mit Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich (l.), dem Präsidenten des Roten Kreuzes Rudolf Seiters (r.) und Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz das Flüchtlingsheim in Heidenau. 

Heidenau - Am Mittwoch besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Flüchtlingsheim in Heidenau. Dort gab es zuvor massive Ausschreitungen gegen die Unterbringung der Flüchtlinge in dem Ort.

Kanzlerin Angela Merkel ist von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bürgermeister Jürgen Opitz zu ihrem Besuch des Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau begrüßt worden. Die CDU-Vorsitzende wollte am Mittwoch mit Flüchtlingen, Helfern und Sicherheitskräften sprechen und sich ein Bild der Lage verschaffen. Rechtsextremisten und Rassisten hatten in der Kleinstadt bei Dresden Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen. Angela Merkel war vorgeworfen worden, zu lange zu den Ausschreitungen geschwiegen zu haben. Nach Angaben des Bundespresseamtes war es ihr erster Auftritt in einem Flüchtlingsheim seit Beginn ihrer Kanzlerschaft 2005 überhaupt.

Bei den Flüchtlingen: Angela Merkel wird ausgebuht

Rechte Demonstranten haben den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel im Flüchtlingsheim im sächsischen Heidenau mit Buhrufen und lauten Pfiffen begleitet. „Volksverräter, Volksverräter“, skandierten Schaulustige am Mittwoch vor einem Supermarkt, der gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in dem ehemaligen Baumarkt liegt. Demonstranten vor der Unterkunft riefen: „Dem deutschen Volke“ und „Wir sind das Pack“.

Außerdem haben Demonstranten den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel im Flüchtlingsheim im sächsischen Heidenau mit einem Hupkonzert gestört. Vor der Unterkunft fuhren am Mittwochmittag zahlreiche Autofahrer mit ihren Wagen hupend vorbei. Mehrere hundert Menschen begrüßten jedes einzelne Auto laut rufend und mit Beifall. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu der Aktion aufgerufen.

Mehrere Demonstranten beschimpften die vielen Journalisten mit Sprechchören: „Lügenpresse, Lügenpresse.“ Bei Angela Merkels Ankunft wurde „Volksverräter, Volksverräter“ gerufen.

Stellungnahme von Angela Merkel

Kanzlerin Angela Merkel hat sich angesichts der Attacken von Rechtsradikalen und Rassisten vor die Flüchtlinge in Deutschland gestellt. „Wir müssen alle unsere Kraftanstrengung darauf lenken, deutlich zu machen: Es gibt keine Tolerenz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen“, sagte sie am Mittwoch nach einem Besuch des Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau. Zudem sagte sie: „Ich möchte noch einmal daran erinnern, (...) dass es beschämend und abstoßend ist, was wir erleben mussten.“

Nach deutschen Gesetzen habe jeder Mensch, der politisch verfolgt sei oder vor Bürgerkrieg fliehen musste, ein Recht auf faire Behandlung, ein Asylverfahren oder Anerkennung als Bürgerkriegsflüchtling. Menschliche und würdige Behandlung jedes Einzelnen sei Teil deutschen Selbstverständnisses.

"Das ist nicht einfach"

Merkel dankte unter anderem dem Bürgermeister von Heidenau, Jürgen Opitz (CDU) für seinen deutlichen Worte gegen die rechten Krawalle: „Danke denen vor Ort, die auch den Hass zu ertragen haben. (...) Das ist nicht einfach.“ Um die hohen Flüchtlingszahlen zu bewältigen, seien gemeinsamer Wille und große Kraftanstrengung in Bund, Ländern und Gemeinden nötig. Sie appellierte an die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer, „dass wir es schaffen müssen, das Ehrenamtliche auch ihre Arbeit leisten können“. Sie sagte: „Wir können uns freuen, dass viele Menschen mit anpacken.“

Begleitet von „Pfui“-Rufen und Pfiffen versicherte sie: „Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist.“ Gemeinsam werde man „alle Anstrengungen unternehmen, deutlich zu machen: Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist“.

Flüchtlinge: Joachim Gauck besucht Heim in Berlin

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte den Ort am Montag besucht und die Angreifer als „Pack“ bezeichnet. Seither sieht sich die SPD-Zentrale mit rassistischen Reaktionen konfrontiert.

Vor Angela Merkel hatte Bundespräsident Joachim Gauck beim Besuch eines Flüchtlingsheims in Berlin ein Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt. Das Staatsoberhaupt nannte Rechtsextremisten und Ausländerfeinde Hetzer, die das weltoffene Bild Deutschlands beschädigten.

dpa

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