Staatstrauer

Frankreich nimmt Abschied von Chirac

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Ein Offizier vor dem aufgebahrten Sarg des verstorbenen französischen Präsidenten Chirac im Pariser Invalidendom. Foto: Kamil Zihnioglu/AP

Für viele ist Jacques Chirac eines der prägendsten Gesichter Frankreichs in der jüngeren Geschichte. Sein Tod hat dort große Trauer ausgelöst, auch die Anteilnahme aus dem Ausland war riesig. Nun heißt es endgültig: Adieu.

Paris (dpa) - Mit einer großen Trauerfeier und Dutzenden Staatsgästen aus dem Ausland will Frankreich von seinem früheren Präsidenten Jacques Chirac Abschied nehmen.

Zu einem Gottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice haben sich am Montag unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kremlchef Wladimir Putin, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigt. Den ganzen Tag über herrscht in Frankreich Staatstrauer. Der konservative Politiker war am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben.

Tausende Menschen hatten seit Sonntag auch noch in der Nacht angestanden, um sich von dem früheren Staatspräsidenten Chirac zu verabschieden. Vor der Pariser Kathedrale Saint-Louis-des-Invalides bildete sich seit Sonntagmittag bei Regenwetter eine mehrere hundert Meter lange Schlange. Die Türen der Kirche sollten bis Montagmorgen um 07.00 Uhr geöffnet bleiben.

Der Sarg des konservativen Politikers stand - bedeckt von der französischen Trikolore - im Eingang der Kirche. Dort hielten Vertreter verschiedener Religionen zuvor eine interreligiöse Zeremonie ab, um Chirac zu gedenken. Am Abend mischte sich Chiracs Tochter Claude unter die Wartenden, sprach mit ihnen, schüttelte ihnen die Hand oder umarmte sie.

Am Montag wird sich dann die Familie noch einmal im engsten Kreis von Chirac verabschieden. Nach einer militärischen Trauerfeier mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird ein Konvoi Chiracs Sarg in die zweitgrößte Pariser Kirche Saint-Sulpice bringen. Dort werden neben den ausländischen Staatsgästen und Macron auch die Ex-Präsidenten François Hollande, Nicolas Sarkozy und Valéry Giscard d’Estaing Chirac die letzte Ehre erweisen.

Für Unruhe sorgt in Frankreich, dass auch Rechtspopulistin Marine Le Pen an dem Trauergottesdienst teilnehmen wollte. "Ich bin Präsidentin der ersten Partei in Frankreich, und es ist ganz natürlich, dass ich zur Beerdigung des ehemaligen Präsidenten der Republik, Jacques Chirac, gehe", sagte die Vorsitzende der Partei, Rassemblement National, dem Sender BFMTV zunächst. Ihre Partei war bei der Europawahl im Mai knapp stärkste Kraft geworden. Am Sonntagabend erklärte sie dann, doch nicht gehen zu wollen, da Chiracs Familie sich gegen ihre Anwesenheit ausgesprochen habe.

Chirac hatte sich in der Vergangenheit klar von den Rechten abgegrenzt. Bei der Präsidentenwahl 2002 hatte Chirac den rechtsextremen Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen, Vater von Marine Le Pen, mit gigantischen 82 Prozent geschlagen. Bei der Stichwahl versammelten sich damals die demokratischen Kräfte hinter Chirac. Für Le Pen war das Ergebnis eine krachende Niederlage.

Zu dem Trauer-Gottesdienst wird außerdem Altbundeskanzler Gerhard Schröder erwartet. An der Seite von Schröder stemmte Chirac sich 2003 gegen die Irak-Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Für diesen Protest gegen den amerikanischen Irak-Krieg blieb er international in Erinnerung. Auch Macron würdigte diese Entscheidung in einer TV-Ansprache zu Ehren Chiracs und nannte ihn einen "großen Franzosen".

Im Anschluss an den Gottesdienst, geleitet von Erzbischof Michel Aupetit, wird Macron die Staats- und Regierungschefs im Élyséepalast empfangen. Am Nachmittag soll es außerdem eine Schweigeminute an Schulen und Behörden im ganzen Land geben.

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