Vor Präsidentschaftswahl

Frankreichs Konservative wählen ihren Kandidaten

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Im Rennen der französischen Konservativen für die Präsidentschaftskandidatur waren die früheren Premierminister François Fillon und Alain Juppé übriggeblieben. 

Paris - Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche geben die Anhänger der bürgerlichen Rechten ihren Stimmzettel ab. Sie haben die Wahl zwischen den beiden Ex-Regierungschefs Fillon und Juppé. Fillon gilt als Favorit.

Frankreichs Konservative haben am Sonntag ihren Präsidentschaftskandidaten für 2017 gewählt. Als klarer Favorit ging der frühere Premierminister François Fillon in die Stichwahl der Republikaner. Der Abgeordnete lag in Umfragen weit vor seinem Rivalen Alain Juppé. Derweil bahnt sich bei den regierenden Sozialisten ein offener Machtkampf zwischen Premier Manuel Valls und dem unpopulären Staatschef François Hollande an.

Die Vorwahl der Republikaner ist von größter Bedeutung: Der Sieger dürfte sich Umfragen zufolge bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr ein Duell mit der rechtsextremen Front-National-Chefin Marine Le Pen liefern und hat beste Chancen auf einen Sieg.

Entsprechend groß war das Interesse an dem Urnengang vom Sonntag: Schon kurz nach Öffnung der Wahlbüros um 08.00 Uhr gaben viele Menschen ihre Stimme ab. Am Mittag teilte die Wahlkommission der Republikaner mit, dass die Wahlbeteiligung um zehn bis 15 Prozent höher liege als bei der ersten Runde der Vorwahl vor einer Woche zu diesem Zeitpunkt.

Am ersten Wahlgang hatten 4,3 Millionen Menschen teilgenommen, eine sehr hohe Beteiligung für eine Vorwahl. Die Abstimmung richtete sich an Wähler des konservativ-bürgerlichen Lagers. Teilnehmen durfte aber jeder französische Wahlberechtigte. Eine Parteimitgliedschaft war nicht notwendig.

Die landesweit rund 10.000 Wahlbüros sollten um 19.00 Uhr schließen. Mit ersten Ergebnissen wurde ab 20.30 Uhr gerechnet.

Ex-Premier Fillon hatte den ersten Wahlgang vor einer Woche überraschend für sich entschieden: Der 62-Jährige, der einen sehr wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Kurs fährt, kam auf 44 Prozent.

Der bis dahin als klarer Favorit gehandelte frühere Regierungschef Juppé landet mit 29 Prozent nur auf dem zweiten Platz. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy schied mit gut 21 Prozent aus. Er sprach anschließend eine Wahlempfehlung für Fillon aus, der von 2007 bis 2012 sein Premierminister war.

In Umfragen vor dem zweiten Wahlgang kam Fillon auf zwischen 61 und 65 Prozent. Der Abgeordnete hat den Franzosen für den Fall eines Wahlsiegs "radikale" Reformen versprochen. Er will die Staatsausgaben binnen fünf Jahren um 100 Milliarden Euro senken und rund 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen.

Der 62-Jährige will außerdem Steuern und Abgaben für Unternehmen senken, die 35-Stunden-Woche abschaffen und das Renteneintrittsalter von 62 auf 65 Jahre anheben. In der Außenpolitik setzt er auf eine Annäherung zu Russland.

Juppés wirtschaftspolitische Reformvorschläge ähneln Fillons Programm, gehen aber weniger weit. So will der Bürgermeister von Bordeaux nur bis zu 300.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. Der 71-Jährige hat Fillons Vorschläge als "brutal" kritisiert und ist in gesellschaftspolitischen Fragen liberaler als sein Kontrahent.

"Ich ziehe Juppé bei den gesellschaftlichen Fragen vor und Fillon bei der Wirtschaft", sagte ein Student in Bordeaux, der Fillon seine Stimme gab. "Es ist vielleicht hart das zu sagen, aber ich will vor allem Arbeit haben."

Just am Wahlsonntag erhöhte Premier Valls den Druck auf den unbeliebten Staatschef Hollande, 2017 auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. In einem Interview mit der Zeitung "Le Journal du Dimanche" schloss der Regierungschef eine Kandidatur bei der Präsidentschaftsvorwahl der Sozialisten nicht aus - auch gegen Hollande.

"Angesichts der Verunsicherung, des Zweifels, der Enttäuschung, der Vorstellung, dass die Linke keine Chance hat, will ich diesen Mechanismus durchbrechen, der uns in die Niederlage führen wird", sagte Valls. Die Kandidatenwahl der Sozialisten im Januar müsse der Partei neuen "Elan und Hoffnung" geben.

Hollande will bald bekanntgeben, ob er für eine zweite Amtszeit kandidiert. Umfragen sagen ihm derzeit keine Chancen auf eine Wiederwahl voraus. Viele Sozialisten wollen deshalb, dass er auf eine Kandidatur verzichtet und Platz für einen anderen Kandidaten macht.

afp/dpa

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