Das Fünkchen Hoffnung: Sommerlad-Betriebsrat will nicht aufgeben

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Karsten Simon im Gespräch mit Fulda aktuell: Deprimiert - aber dennoch kämpferisch. Aktionen wie Demos, Mahnwachen und Petitionen sind geplant.

Petersberg. "Ein ganz, ganz kleines Fünkchen Hoffnung besteht vielleicht doch noch." Karsten Simon,  Betriebsratsvorsitzender bei "Möbel Sommerlad" in Petersberg wirkt im Gespräch mit "Fulda aktuell" äußerst deprimiert.

Wie für alle seine Kollegen war die Ankündigung von Firmenchef Frank Sommerlad, den Standort in Petersberg Ende März kommenden Jahres schließen zu müssen, weil das Regierungspräsidium ein  Neubauprojekt an der A 7 nicht genehmigt, "ein Riesenschlag ins Kontor".  Erfahren hat Simon diese Hiobsbotschaft erst vergangenen Samstag, einen Tag nach der "offiziellen öffentlichen Bekanntgabe" nach Rückkehr aus seinem Urlaub. "Meine Kollegen wollten mir diese schlimme Nachricht vorerst vorenthalten, damit ich auf der Autobahn keinen Unfall verursache."

Geahnt und befürchtet hat Simon solches in gewisser Weise schon, zumal ihm Fuldas Landrat Bernd Woide bereits 2014 in einem persönlichen Gespräch  unmissverständlich klar bedeutet habe,  dass er dieses Projekt mit aller Macht verhindern, es ,Sommerlad’ an dem angedachten neuen Standort im ,Interkommunalen Gewerbegebiet’ wegen des sogenannten Integrationsgebots nicht geben werde. "Zuletzt war ich jedoch eher positiv gestimmt, zumal zwei Gutachten die Alternativ-Standorte ,Kaiserwiesen’ und an der Autobahnausfahrt Fulda-Nord gegenüber dem Autohof  eindeutig abgelehnt und als nicht praktikabel bezeichnet haben. Und wenn man berücksichtigt, dass wir  nur 300 Meter weiter bauen wollen, dass das alte Kutsch /Link-Gebäude überhaupt keine Zukunfts- und Entwicklungschancen mehr bietet – ja, dann bleibt als einzig logische und kurzfristig realisierbare  Alternative nur das Grundstück an der östlichen Autobahnausfahrt Fulda-Mitte übrig", sagt Simon. "Und dann muss man eigentlich davon ausgehen, dass vernünftige Politiker, mal abgesehen von  mitunter fragwürdigen Raumordnungs- und Verwaltungsvorschriften, uns diesen Schritt ermöglichen. Alles andere, die Vernichtung von 130 und die Verhinderung von 100 neuen Arbeitsplätzen kann kein Mensch verstehen", so der 57-Jährige, der seit mehr als 30 Jahren im "Sommerlad"-Betriebsrat für die Rechte seiner Kollegen kämpft.  In einem "offenen Brief" will Simon deshalb jetzt von Woide wissen, wo es denn die angeblich alternativen Standorte (zusätzlich zu jenen auf den ,Kaiserwiesen’ und an der Autobahnausfahrt Fulda-Nord) gäbe. "Hat Woide welche im Kopf, dann soll er diese, die kurzfristig bebaubar wären, doch endlich auch einmal benennen."Sein "ganz, ganz kleines Fünkchen Hoffnung" setzt Simon nicht zuletzt auf die heimische SPD-Vertreterin im Regionalen Planungsausschuss,  Sabine Waschke. "Vielleicht steht ja dort mal jemand auf und spricht sich für uns aus." Bei Fuldas Landrat Woide und dem anderen hiesigen CDU-Repräsentaten im Kasseler Gremium, Norbert Herr,  hegt Simon indes diese Hoffnung nicht.

Und wenn der "Worst Case", der "Super-Gau" denn doch eintreten sollte?  "Dann müssen und werden wir darauf vorbereitet sein", entgegnet Simon. Während des Gesprächs ruft ein Anwalt an, man holt sich juristische Unterstützung. Es gilt die nächs-ten Schritte der "personellen Abwicklung" zu tun. Der Sozialplan wird vorbereitet – richtet man dabei den Blick eher auf die Abmilderung der zu erwartenden Auswirkungen der Massenentlassungen oder  berücksichtigt man "rückblickend" die Jahre der Betriebszugehörigkeit oder Beschäftigungsjahre. Das wird zu klären und im Einzelfall zu eruieren sein.  Darüberhinaus denkt man an Demos und Mahnwachen, um die Bevölkerung zu mobilisieren und die Politiker vielleicht doch noch zu sensibilisieren für  die vor ihrem beruflichen Aus stehenden 130 "Sommerlad"-Beschäftigten.

Gleichwohl drängt die Zeit.  Und auch eine "unsägliche und tendenzielle Berichterstattung der örtlichen Tageszeitung" (Simon)  die Kunden, wie schon in der Vergangenheit, einmal mehr massiv verunsichert und nicht zur Beruhigung der Situation beigetragen hat.  Simon jedenfalls hat Vergleichbares bis dato in seiner langen Betriebsrats-Karriere noch nicht erlebt. "Das Schlimme und Schockierende dabei ist: Du denkst, du brauchst dir um deine berufliche Zukunft keine Gedanken zu machen. Du arbeitest in einem gesunden Betrieb. Noch für September haben wir elf neue Azubis eingestellt. Und dann kommen Politiker daher und sagen, wenn ein Weiterwirtschaften  am alten Standort nicht möglich ist, dann lassen wir euch eben kaputtgehen. Pech gehabt."

Simon kann seine maßlose Enttäuschung nur schwer verbergen ­ – mimisch, sprachlich, emotional, gibt sich gleichwohl kämpferisch. "Ich kann nur an die maßgeblichen Politiker appellieren, über ihren eigenen Schatten zu springen. Außer dem von ihm schon eingeräumten Fehler, Landrat Woide nicht rechtzeitig vorher informiert zu haben, trägt Herr Sommerlad selbst sonst keine Schuld. Er war gezwungen, die alte Immobilie aus wirtschaftlichen Gründen zu kündigen. Wie ich schon eingangs gesagt habe: Die ganz, ganz kleine Hoffnung stirbt zuletzt..."

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