Augenzeuge berichtet

G20-Gipfel: Offenbar auch Rechtsradikale bei den Krawallen dabei

Nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel geht die Aufarbeitung um die Schuldfrage weiter. Dabei heftet man vieles allein den Linksradikalen an. Ein Augenzeuge berichtet anderes.

Hamburg - Bei den zweitägigen Krawallen am Rande des G20-Gipfels waren nicht nur Linksradikale dabei. Das berichtet der Video- und Fotojournalist Andreas Scheffel gegenüber dem „SWR aktuell“. Er selbst habe mehr als 70 Rechtsradikale identifizieren können. Die Personen waren zwar alle schwarz gekleidet, größtenteils vermummt und trugen keine offensichtlich rechtsradikalen Zeichen. 

Der Journalist habe sie aber  „über ihre Artikulation, wie sie sich gegeben haben, wie sie gesprochen haben, zuordnen“ können. Auch einige Gesichter habe er identifizieren können. „Es waren, so viel kann ich sagen, Personenkreise aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, aus Sachsen und aus Hessen in Hamburg.“ Das Problem beim G20-Gipfel sei gewesen, dass es Einfallstraßen gab. Dort konnte es überhaupt zu Gewaltexzessen kommen, weil sich genau in den Straßen keine Polizei aufhielt. 

Weiter erzählt der Journalist Andreas Scheffel im Interview, dass er bereits öfters „Todesdrohungen und Aufrufe zum Lynchen“ bekommen habe. Das hält ihn aber nicht auf, weiter zu machen: „Für mich ist das auch eher ein Ansporn: Es zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nachgeben? Auf gar keinen Fall.“

Polizisten halten Demonstranten fest.

Die Aufarbeitung des G20-Gipfels ist im vollen Gang. Nach den brutalen und ausufernden Krawallen stellen sich jetzt viele die Frage: Wie konnte das passieren? Sind die Politiker schuld, die Linksradikalen oder sogar die Polizei? Zu letzteren beklagte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegen dem fehlenden Respekt vor staatlichen Institutionen wie der Polizei. Im „Stern“ betonte er auch: „Mich empört aber auch das Verhalten all derer, die aus Langeweile oder Abenteuerlust bei den Ausschreitungen im Schanzenviertel mitgemacht und Läden geplündert haben.“ Den „Abenteurern“ wird dabei die wenigste Schuld beigemessen. Die Mehrheit der Bundesbürger ist der Auffassung, man habe den Linksextremismus bislang unterschätzt - viele haften dem „Antifa-Block“ die größte Schuld an den Krawallen an. Wie sich jetzt durch Augenzeugen zeigt, ist, dass sich durchaus auch rechte Gruppierungen unter den Demonstranten befunden haben.

Fakt ist: Die Deutschen wollen auf ihre Demonstrationsfreiheit nicht verzichten und sind der Meinung,sie würden sich nicht mitschuldig machen, wenn sie an Protestmärschen teilnehmen, bei denen eben auch ein schwarzer Block dabei ist. 

nm

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Köln: Akhanli äußert sich nach Rückkehr auf Pressekonferenz

Akhanli ist zurück in Deutschland. Fast zwei Monate dauerte sein Zwangsaufenthalt in Spanien. Nun will sich der türkischstämmige Autor ausführlich zu den Geschehnissen …
Köln: Akhanli äußert sich nach Rückkehr auf Pressekonferenz

Innenressort: Keine belegbaren Zahlen zu Familiennachzug

Das Außenministerium und auch die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit haben jede Menge Zahlen zum Familiennachzug. Bei der Frage nach dem Nachzugsfaktor winkt das …
Innenressort: Keine belegbaren Zahlen zu Familiennachzug

Anwälte hoffen auf Bewegung im Fall Deniz Yücel

Seit fast acht Monaten sitzt Deniz Yücel in Untersuchungshaft in der Türkei, eine Anklage hat die Staatsanwaltschaft immer noch nicht vorgelegt. Seine Anwälte bauen nun …
Anwälte hoffen auf Bewegung im Fall Deniz Yücel

George W. Bush geht mit Trump hart ins Gericht

Jahrelang war von ihm kaum etwas zu hören. Nun meldet sich George W. Bush zu Wort, mit einer regelrechten Rums-Rede. Der Adressat ist klar, auch wenn der Name nie fällt: …
George W. Bush geht mit Trump hart ins Gericht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.