Europa müsse "eine Machtprojektion entfalten"

Gabriel fordert von Europa machtbewusstere Verteidigung seiner Interessen

+
Außenminister Gabriel.

Der geschäftsführende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Europäische Union aufgefordert, ihre Interessen machtbewusster zu vertreten.

Europa müsse "eine Machtprojektion entfalten", sagte Gabriel dem Magazin "Der Spiegel" laut Vorabmeldung vom Donnerstag. "In einer Welt voller Fleischfresser haben es Vegetarier sehr schwer", kommentierte der SPD-Politiker über die seiner Meinung nach von Deutschland und Europa geübte Zurückhaltung bei der Vertretung eigener Interessen.

"Bisher definieren wir häufig europäische Werte, bei der Definition gemeinsamer Interessen sind wir viel zu schwach", kritisierte Gabriel. Er warnte zugleich davor, dass sich "der autoritäre Politikstil auch in die westliche Welt hineinfrisst" und sprach von einer "Ära der Konkurrenz zwischen demokratisch und autoritär verfassten Staaten".

Europa müsse sich in der Zukunft mehr verteidigen

Europa werde seine Freiheit in Zukunft weit mehr verteidigen müssen als in der Vergangenheit, mahnte Gabriel im "Spiegel". Zugleich warnte er davor, sich für die europäische Sicherheit innerhalb der Nato zu sehr auf die USA zu verlassen.

Über die Europapolitik der großen Koalition äußerte sich der Außenminister rückblickend selbstkritisch. "Wir haben zu wenig auf Europa geachtet", sagte er. Die Koalition aus Union und SPD habe "ein Europakapitel geschrieben, bei dem sich die nationalökonomischen Vorstellungen Wolfgang Schäubles zu stark durchgesetzt haben", kritisierte Gabriel mit Blick auf den langjährigen Bundesfinanzminister Schäuble von der CDU.

Zu seiner persönlichen Zukunft als Außenminister äußerte Gabriel sich zurückhaltend. Auf die Frage, ob er das Amt bald loslassen müsse, antwortete er: "Es ist immer besser, man rechnet damit."

AFP

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Asyl-Streit: „Eine Absurdität“ - Polizisten rügen große Lücke in Seehofers Plan

Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Asyl-Streit: „Eine Absurdität“ - Polizisten rügen große Lücke in Seehofers Plan

USA nach Austritt aus UN-Menschenrechtsrat nahezu isoliert

Mit scharfen Worten verabschieden sich die USA aus dem UN-Menschenrechtsrat. Die Trump-Regierung wirft dem Gremium Verlogenheit vor. Gleichzeitig steht sie selbst wegen …
USA nach Austritt aus UN-Menschenrechtsrat nahezu isoliert

"Wir sind bereit": Kanadas Parlament legalisiert Cannabis

Schon im Wahlkampf hatte Kanadas liberaler Premierminister Trudeau die Legalisierung von Cannabis versprochen. Jetzt ist die letzte parlamentarische Hürde genommen. …
"Wir sind bereit": Kanadas Parlament legalisiert Cannabis

Merkel unter Druck: Italien sagt zu Flüchtlingsrücknahme No

Die Zeit ist knapp. Am Wochenende will Kanzlerin Merkel ausloten, mit wem sie bilaterale Abkommen zur Migration erreichen kann. Eines der wichtigsten Länder dabei stellt …
Merkel unter Druck: Italien sagt zu Flüchtlingsrücknahme No

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.