„Es ist wie bei jeder Scheidung“ 

Harte Worte: Gabriel und Steinmeier geißeln Brexit-Entscheidung

Statements Gabriel und Burkhalter
+
Statements Gabriel und Burkhalter

London - Brexit, Populismus, Syrien: Außenminister Gabriel und Bundespräsident Steinmeier finden deutliche Worte bei ihren Antrittsbesuchen in London und Straßburg. 

Ein Scheitern der Brexit-Gespräche wird nach Ansicht von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel vor allem die Briten treffen. Das machte der Vizekanzler bei seinem Antrittsbesuch am Dienstag in London deutlich. „Jetzt kommt es darauf an, cool zu bleiben“, sagte der SPD-Politiker in Anspielung auf die komplizierten Austrittsverhandlungen. Beide Seiten bräuchten sich.

Gabriel präsentierte sich als schlagfertiger Sparringpartner seines als scharfzüngig berüchtigten Amtskollegen Boris Johnson. Die Begegnung mit ihm nannte Gabriel augenzwinkernd das zweitwichtigste Treffen an diesem Tag. Denn davor hatte er sich mit einer früheren britischen Austauschpartnerin getroffen, die er 42 Jahren nicht gesehen hatte. „Das war heute eine unglaubliche Begegnung.“ Auch ein Treffen mit Brexit-Minister David Davis stand auf dem Programm.

Gabriel: Großbritannien werde trotzdem überleben 

Gabriel ist sich sicher: Sollte Großbritannien nach zweijährigen Brexit-Verhandlungen ohne Einigung ausscheiden, würde das vor allem die Briten treffen. Johnson konterte: „Falls wir keinen Deal hinbekommen, dann wird Großbritannien trotzdem überleben.“ Gabriel will auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens ein gutes Verhältnis zu London pflegen. „Es ist wie bei jeder Scheidung: Es wird erst richtig schwer werden und dann wieder leichter.“

Bundespräsident Steinmeier bei Gespräch mit Jean-Claude Juncker im EU-Parlament. 

Gabriel zeigte sich milder als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der hatte den geplanten EU-Austritt der Briten kurz zuvor vor dem Europaparlament in Straßburg scharf kritisiert. Den Brexit bezeichnete er als falsche und bittere Entscheidung. „Es ist unverantwortlich zu sagen, in dieser Welt könne ein europäisches Land allein und ohne die EU seine Stimme hörbar machen oder seine wirtschaftlichen Interessen durchsetzen“, sagte Steinmeier in seiner ersten größeren Rede im Ausland als Bundespräsident. Er rief zugleich zum Widerstand gegen Populisten auf, die „aus Ängsten politisches Kapital schlagen“.

Steinmeier: „Unverantwortlich“ 

Gabriel hält Großbritanniens Brexit-Zeitplan für unrealistisch. Die britische Premierministerin Theresa May will den EU-Austritt und ein freies Handelsabkommen mit der Europäischen Union bis 2019 unter Dach und Fach bringen. Neue Handelsbeziehungen seien aber ein „mühsames Unterfangen“, sagte der Vizekanzler der britischen Zeitung „The Independent“ kurz vor seinem Treffen mit Johnson. Großbritannien müsse sich zudem zu seinen finanziellen Verpflichtungen bekennen.

Auch Syrien war ein Thema zwischen Johnson und Gabriel. Der britische Außenminister vermutet die syrische Regierung hinter dem jüngsten mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien. „Das trägt alle Anzeichen eines Angriffs durch das Regime, das wiederholt chemische Waffen eingesetzt hat“, sagte er. Aktivisten zufolge waren am Morgen bei einem Angriff mit Giftgas in der syrischen Stadt Chan Scheichun mindestens 58 Menschen getötet worden, darunter elf Kinder.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Corona: Claus Kleber macht Jugend Vorwürfe – Youtuberin überrascht ihn mit ungewöhnlichem Vorschlag

Im ZDF interviewte Claus Kleber Wissenschaftlerin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim zum Coronavirus. Beim Thema Solidarität und Jugend nimmt das Gespräch eine sonderbare …
Corona: Claus Kleber macht Jugend Vorwürfe – Youtuberin überrascht ihn mit ungewöhnlichem Vorschlag

Trump wettert im Radio gegen Kanzlerin Merkel und plaudert prompt Gesprächs-Details aus: „Ich wollte sie nicht ...“

Donald Trump plauderte in einer Radio-Show über ein Gespräch mit Angela Merkel. Auf seine Kritik am Nord-Stream-2-Projekt soll sie unbeeindruckt reagiert haben.
Trump wettert im Radio gegen Kanzlerin Merkel und plaudert prompt Gesprächs-Details aus: „Ich wollte sie nicht ...“

Trump oder Biden? Umfrage-Überraschung in den USA: Neue Entwicklung könnte alles ändern

Im November stehen in den USA die 59. Präsidentschaftswahlen an. Donald Trump versucht seinen Posten dann gegen Joe Biden zu verteidigen. Aktuell spricht mehr für eine …
Trump oder Biden? Umfrage-Überraschung in den USA: Neue Entwicklung könnte alles ändern

Scholz düpiert Seehofer: Studie zu Rassismus bei der Polizei kommt nun doch

Innenminister Horst Seehofer hat eine Studie zu Rassismus bei der Polizei bislang vehement abgelehnt. Nun verkündet Vizekanzler Olaf Scholz Überraschendes.
Scholz düpiert Seehofer: Studie zu Rassismus bei der Polizei kommt nun doch

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.