Gedenken an Zerstörung Dresdens - Proteste gegen Neonazis

Menschenkette in Dresden: Mit zahlreichen Aktionen wird in Dresden der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
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Menschenkette in Dresden: Mit zahlreichen Aktionen wird in Dresden der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv

Wieder versuchen Neonazis, das Gedenken an die Zerstörung Dresdens für ihre Ideologie zu missbrauchen. Einem Aufmarsch am Vorabend des 71. Jahrestages stellen sich Hunderte entgegen. Der Jahrestag selbst soll würdiger und versöhnlicher verlaufen.

Dresden (dpa) - Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenkt Dresden heute der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Gedenkfeiern sind an fünf verschiedenen Plätzen geplant. Eine zentrale Feier der Stadt wird es in diesem Jahr nicht geben.

Geplant ist auch eine Bürgerbegegnung und die inzwischen traditionelle Menschenkette, mit der die Dresdner beide Elbseiten der Innenstadt verbinden und so ein Zeichen für ein Miteinander und gegen Krieg und Gewalt setzten wollen. Wie in den vergangenen Jahren versuchten auch diesmal wieder Rechtsradikale, das Gedenken zu missbrauchen. Einem Neonazi-Aufmarsch in einem Plattenbauviertel am Stadtrand stellten sich am Freitagabend Hunderte mit lautstarkem Protest entgegen.

Ein Demonstrationszug mit schätzungsweise gut 300 Teilnehmern, zu dem das Bündnis Dresden Nazifrei aufgerufen hatte, kam allerdings nicht weit, da die Polizei ihn nach wenigen Hundert Metern stoppte. Grund war eine nicht genehmigte Demo-Route.

Die rund 600 Rechtsradikalen liefen schließlich in Sicht- und Hörweite an den Gegendemonstranten vorbei. Die Polizei hielt beide Lager auseinander. Zwischenfälle gab es nicht.

Rund 100 Menschen waren zudem einem Aufruf der AG 13. Februar gefolgt, in der auch die Stadt vertreten ist. Sie demonstrierten entlang der Strecke der Neonazis. Auch hier blieb es bei lautstarkem Protest friedlich.

Die Polizei war mit rund 1000 Beamten im Einsatz. Ein Hubschrauber kreiste über dem Viertel. Wasserwerfer standen bereit. Auch Hunde- und Reiterstaffeln waren zu sehen.

«Wird der 13. Februar missbraucht, zeigen wir Gesicht», hatte der Moderator der AG 13. Februar, Joachim Klose, in einem Aufruf zum Gegenprotest betont. Die AG organisiert seit Jahren auch die Menschenkette am Gedenktag. Im vergangenen Jahr hatten sich mehr als 11 000 Menschen daran beteiligt.

Dresden Nazifrei hatte im Vorfeld bereits angekündigt, Aufmärsche von Rechtsradikalen blockieren zu wollen. Für den Jahrestag selbst wurden aber keine größeren Kundgebungen von Neonazis mehr erwartet.

Gedenkveranstaltungen gibt es am Samstag auf dem St.-Pauli-Friedhof, auf dem von Nazis ermordete Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen liegen, dem Äußeren Matthäusfriedhof, am Güterbahnhof Neustadt, von dem aus in der NS-Zeit Juden deportiert wurden, und am Urnenhain Tolkewitz. Dort befindet sich eine Gedenkstätte für die Euthanasieopfer der NS-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein.

Das Thema Euthanasie steht auch im Mittelpunkt eines «Täterspuren»-Mahngangs, zu dem Dresden Nazifrei aufgerufen hat. Er wird an verschiedenen Orten entlangführen, an denen NS-Verbrechen geplant oder begangen wurden.

Am 13. Februar 1945 und an den beiden Tagen danach hatte die britische und die amerikanische Luftwaffe die Elbestadt bombardiert. Bis zu 25 000 Menschen kamen ums Leben, die Innenstadt fiel durch einen von Brandbomben auslösten Feuersturm in Schutt und Asche.

Veranstaltungen zum 13. Februar

Flyer zum Mahngang "Täterspuren"

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