Getöteter Regierungspräsident

Polizei lässt im Fall Lübcke Befragten wieder frei

Walter Lübcke ist im Alter von 65 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Foto: Uwe Zucchi/Archiv
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Walter Lübcke ist im Alter von 65 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Foto: Uwe Zucchi/Archiv

Nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten sieht es zeitweise nach einem Ermittlungserfolg aus. Doch die Befragung eines in Gewahrsam genommenen Mannes ergibt keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung. Und nun?

Kassel (dpa) - Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) hat die Polizei einen vorübergehend in Gewahrsam genommenen Mann wieder freigelassen. Seine mehrstündige Vernehmung ergab keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung.

"Aus diesem Grund wurde er heute in den frühen Morgenstunden wieder entlassen", erklärten die Staatsanwaltschaft Kassel und die Sonderkommission (Soko) in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung.

Der Mann sei seit Samstagabend mit dem Ziel befragt worden, Informationen zum Fall zu gewinnen. Zu den Erkenntnissen daraus schwiegen die Ermittler am Sonntag. Auch zu dem Mann selbst wurden mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz auf Anfrage keine weiteren Angaben gemacht.

Am Montag, 17. Juni, will die Bundesanwaltschaft weitere offizielle Informationen zum Fall Walter Lübcke mitteilen.

Staatsanwaltschaft und Soko riefen schriftlich dazu auf, "sich nicht an Spekulationen zu beteiligen, um nicht den Eindruck einer Vorverurteilung zu erwecken." Sie schadeten den Ermittlungen. "Insbesondere mit dem Blick auf die aktuelle Medienberichterstattung bitten wir zudem darum, nur validen Informationen der Staatsanwaltschaft Kassel und der im Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel hierfür eingerichteten Außenstelle des Hessischen Landeskriminalamtes zu vertrauen."

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, Andreas Thöne, erklärte zu dem Appell, es seien "arg viele Spekulationen" im Umlauf. "Das ist schon besonders." Diese Mutmaßungen brächten "unheimlich Unruhe". Sie könnten Ermittlungen erschweren und sogar zerstören.

Medienberichte, wonach sich die Ermittler sicher gewesen sein sollen, den Täter gefasst zu haben, nnante er nicht zutreffend. "Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Ermittlungslage, dass wir uns mit der Täterschaft sicher sind", sagte Thöne am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Trotz der Freilassung des Befragten könne man nicht sagen, dass die Ermittlungen wieder von vorne anfangen müssten. "Wir haben immer betont, dass wir verschiedene Stränge verfolgen und in alle Richtungen ermitteln. Also stehen wir nicht wieder bei Null", erklärte Thöne.

Die Auswertung von telefonischen Hinweisen, Fotos und Videos läuft unterdessen weiter, wie Thöne sagte. Zuletzt waren 160 Hinweise eingegangen. Der Fall war am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy...ungelöst" vorgestellt worden.

Lübcke war in der Nacht zu Sonntag vor einer Woche gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Der Schuss war den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben worden.

Die Trauerfeier für den nordhessischen Regierungspräsidenten ist für den 13. Juni in Kassel geplant. In der Martinskirche wird es einen Trauergottesdienst mit "protokollarischen Ehrenbekundungen" geben, wie eine Sprecherin der hessischen Landesregierung angekündigt hatte.

Update vom 18. Juni 2019: Ein aktuell Tatverdächtiger kommt offenbar aus dem rechtsextremen Umfeld. Die Bundesanwaltschaft hält es für möglich, dass Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten ermordet wurde.

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