Institut für Menschenrechte schlägt Alarm

Gravierende Missstände in deutschen Flüchtlingsunterkünften

+
„Wir wollen ein Leben in Würde!“ Flüchtlinge protestieren in Zirndorf.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat zum Teil gravierende Missstände in Flüchtlingsunterkünften kritisiert. Darunter leiden vor allem Hygiene und Privatsphäre.

Für viele nach Deutschland geflüchtete Menschen sei das Leben durch mangelhafte Hygiene und fehlende Privatsphäre in Erstaufnahmeeinrichtungen gekennzeichnet, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Viele Flüchtlinge litten außerdem unter der Aussetzung des Familiennachzugs und hätten nur eingeschränkten Zugang zu Sprachkursen. Die Integration werde dadurch behindert, erklärte das Berliner Institut.

Ende des vergangenen Jahres haben dem Bericht zufolge rund 400.000 der in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland geflohenen Menschen in Sammelunterkünften gelebt. Viele von ihnen würden nicht ausreichend über ihre Rechte informiert. Dementsprechend selten würden Beschwerden über Missstände oder Menschenrechtsverletzungen in den Unterkünften geäußert.

Probleme für Geflüchtete mit Behinderung

Besonders Flüchtlinge mit Behinderung stellten eine "bislang zu wenig beachtete Gruppe der Schutzsuchenden" dar. Die genaue Anzahl der Betroffenen sei mangels Statistiken nicht bekannt. Studien hätten allerdings gezeigt, dass zwischen 16 und 55 Prozent aller in Deutschland ankommenden Flüchtlinge traumatisiert seien. Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, die auch psychosoziale Beeinträchtigungen einschließt, zählten sie damit zur Gruppe der Menschen mit Behinderung.

"In der Unterbringung werden die besonderen Bedarfe von Geflüchteten mit Behinderung kaum berücksichtigt", kritisierte das Institut. Für barrierefreie und behindertengerechte Einrichtungen gebe es lange Wartezeiten. Darüber hinaus seien viele Unterkünfte so isoliert, dass die angemessene Versorgung nicht gegeben sei. Diese Umstände wirken sich dem Bericht zufolge "drastisch" auf die Lebenssituation der Betroffenen aus.

afp

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

EU-Gipfel will ESM-Rettungsschirm stärken

Auch wenn die Verhandlungen mit London über den Brexit fast alles andere in den Hintergrund drängen: Der EU-Gipfel zum Ende des Jahres hat noch andere wichtige Themen. …
EU-Gipfel will ESM-Rettungsschirm stärken

Mehrfach unterbrochen: May erboste Merkel auf Brexit-EU-Gipfel

Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien: Theresa May überstand das Misstrauensvotum, sorgte aber für Unmut auf dem EU-Gipfel - auch bei Merkel. Der …
Mehrfach unterbrochen: May erboste Merkel auf Brexit-EU-Gipfel

Heißes Gerücht: Trump könnte Ivankas Mann hohen Posten anbieten

US-Präsident Donald Trump könnte Medienberichten zufolge seinen Schwiegersohn und Berater Jared Kushner zum neuen Stabschef im Weißen Haus machen. Ex-Anwalt Michael …
Heißes Gerücht: Trump könnte Ivankas Mann hohen Posten anbieten

Mutmaßlicher Straßburg-Attentäter in Hauseingang erschossen - Bürger feiern Polizisten - IS reagiert

In Straßburg tötete der mutmaßliche Terrorrist Cherif Chekatt am Dienstagabend mehrere Menschen. Am Donnerstagabend wurde er von der Polizei „neutralisiert“. Der IS hat …
Mutmaßlicher Straßburg-Attentäter in Hauseingang erschossen - Bürger feiern Polizisten - IS reagiert

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.