GroKo-Knackpunkt

Gröhe gegen Bürgerversicherung

+
"Milliardenschwere Mehrlasten für gesetzlich Versicherte durch eine Zwangsvereinigung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung oder einheitliche Arzthonorare lehne ich ab", sagt Gröhe. Foto: Michael Kappeler

Helfen gleiche Arzthonorare für Privat- und Kassenpatienten aus der "Zwei-Klassen-Medizin"? Auf jeden Fall geht die Angleichung zu Lasten der gesetzlich Versicherten, meinen Branchenkenner.

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich unmittelbar vor Beginn der Koalitionsverhandlungen vehement gegen eine von der SPD geforderte Bürgerversicherung gewandt. Zugleich signalisierte er allerdings in der Gesundheitspolitik Entgegenkommen in einigen Punkten.

"Milliardenschwere Mehrlasten für gesetzlich Versicherte durch eine Zwangsvereinigung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung oder einheitliche Arzthonorare lehne ich ab", sagte Gröhe den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die SPD will aus der "Zwei-Klassen-Medizin" herauskommen. Sie beharrt auf eine Angleichung der Arzthonorare für Privat- und Kassenpatienten. "Wenn die Union will, dass wir in eine Koalition kommen, dann muss sie sich in dieser Frage bewegen", hatte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Vortag bekräftigt. Lauterbach wird dem Vernehmen nach im Bereich Gesundheit federführend für seine Partei verhandeln.

"Da das Modell der Bürgersicherung in den Sondierungsgesprächen nicht durchsetzbar war, werden wir jetzt andere Mittel und Wege suchen, die Zwei-Klassen-Medizin aktiv zu bekämpfen", erklärte Lauterbach. "90 Prozent der Bürger sind gesetzlich versichert. Wir vertreten bei diesen Verhandlungen also 90 Prozent der Bürger." Die SPD müsse in den Verhandlungen bei Gesundheit viel erreichen, "weil wir sonst nicht durch das Mitgliedervotum kommen", sagte Lauterbach. Die SPD will nach Ende der Verhandlungen die Parteimitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen lassen.

Gröhe sagte weiter, dass er eine Bürgerversicherung oder einheitliche Arzthonorare ablehne, heiße aber nicht, dass alles so bleiben könne, wie es ist. "Wir wollen weitere Verbesserungen für gesetzlich Versicherte, ob es um die Versorgung im ländlichen Raum oder einen schnelleren Zugang zum medizinischen Fortschritt geht. Außerdem wollen wir die Servicestellen zur besseren Vermittlung von Arztterminen stärken. Dazu haben wir der SPD bereits in den Sondierungsgesprächen Vorschläge vorgelegt, über die wir jetzt reden sollten", sagte Gröhe weiter.

Durch eine einheitliche Gebührenordnung, die für Ärzte ohne Einkommensverluste gestaltet werden soll, würde die private Krankenversicherung (PKV) nach Berechnungen von Branchenkennern zwischen fünf und sieben Milliarden Euro entlastet - und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) entsprechend belastet. Dadurch käme es diesen Überlegungen zufolge zu einem Beitragssatzanstieg für gesetzlich Versicherte, der vermutlich bei 0,6 Punkten läge. Die gesetzlich Versicherten bezahlten demnach die Angleichung.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Demokraten legen Plan für Amtsenthebungsverfahren vor

In Washington bricht eine entscheidende Woche an. Das offizielle Votum über ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump steht an. Und die Demokraten denken …
Demokraten legen Plan für Amtsenthebungsverfahren vor

Eine supersichere Datenverbindung für das Kanzleramt

Lassen sich hochsensible Regierungsinformationen und Wirtschaftsgeheimnisse zuverlässig vor Cyberspionen schützen? Im Kanzleramt läuft jetzt ein Pilotprojekt. Selbst …
Eine supersichere Datenverbindung für das Kanzleramt

„Er schützt einen Neonazi“: Ost-CDU-Verband schwer in Not - wird ausgerechnet AfD letzte Rettung für Regierung?

In Sachsen-Anhalt könnte die Kenia-Koalition möglicherweise zerbrechen. Der Grund: Ein Nazi-Tattoo von CDU-Kreispolitiker Robert Möritz.
„Er schützt einen Neonazi“: Ost-CDU-Verband schwer in Not - wird ausgerechnet AfD letzte Rettung für Regierung?

"Gute-Kita"-Gelder werden ausgezahlt

Kurz vor Weihnachten beginnen sich die Kassen der Länder mit den lang ersehnten Kita-Milliarden zu füllen. Die Auszahlung der Mittel aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz …
"Gute-Kita"-Gelder werden ausgezahlt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.