Psychiatrische Einschätzung

Gutachterzoff im NSU-Prozess geht weiter

+
Die Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München. Foto: Peter Kneffel

Ist die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe schuldfähig? Gerichtsgutachter Henning Saß sieht das so. Sein Psychiater-Kollege Pedro Faustmann wirft ihm aber fachliche Mängel vor - und muss sich jetzt Nachfragen stellen.

München (dpa) - Im NSU-Prozess wird heute voraussichtlich der Streit zwischen den psychiatrischen Gutachtern weitergehen. Das Oberlandesgericht München hat den Bochumer Psychiater Pedro Faustmann geladen.

Faustmann hatte die Expertise des vom Gericht bestellten Sachverständigen Henning Saß über die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe fachlich angegriffen und muss sich den Fragen der Prozessparteien stellen. Saß hatte Zschäpe volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Er vertrat außerdem die Ansicht, von ihr könne unter Umständen auch in Zukunft noch eine Gefahr ausgehen. 

Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit den beiden NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unentdeckt im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit haben Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen ermordet. Neun Opfer waren türkisch- und griechischstämmige Selbstständige, die nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft aus fremdenfeindlichen Motiven umgebracht wurden. Das zehnte Opfer war die Heilbronner Polizistin Michéle Kiesewetter. Zschäpe ist als drittes Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" in allen Fällen wegen Mittäterschaft angeklagt.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung im NSU-Prozess

Terminliste NSU-Prozess Januar bis September 2017

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Union weist Scholz-Forderung nach Rentengarantie zurück

Berlin (dpa) - Die Unionsfraktion hat den Vorstoß von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) scharf zurückgewiesen, eine Garantie des Rentenniveaus weit über das bisher …
Union weist Scholz-Forderung nach Rentengarantie zurück

Zentralpräsident der Juden kritisiert Darstellung in Schulbüchern wegen „antisemitischer Stereotype“

Laut dem Präsidenten des jüdischen Zentralrats sind deutsche Schulbücher veraltetet, rudimentär und nicht sachlich genug in Bezug auf die Juden-Darstellung.
Zentralpräsident der Juden kritisiert Darstellung in Schulbüchern wegen „antisemitischer Stereotype“

Nahles bringt deutsche Hilfe für die Türkei ins Gespräch

Die Türkei kämpft mit dem Absturz ihrer Währung. Ursache dafür sind auch Wirtschaftssanktionen durch die USA. Sollte Deutschland nun der Regierung in Ankara zur Seite …
Nahles bringt deutsche Hilfe für die Türkei ins Gespräch

"So transparent wie nie“ Trump erlaubt Kooperation in Russlandaffäre mit Sonderermittler

Donald Trump hat seinen Mitarbeitern erlaubt, in Sachen Russlandaffäre mit dem Sonderermittler Mueller zu kooperieren. Der US-Präsident sagte, das Weiße Haus handele „so …
"So transparent wie nie“ Trump erlaubt Kooperation in Russlandaffäre mit Sonderermittler

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.