Auch Journalisten angegriffen

Kaum Strom in Gaza: Polizei geht gegen Demonstranten vor

+
Demonstrierende Palästinenser suchen Schutz vor der Polizei der Hamas. Foto: Khalil Hamra

Im Gazastreifen gibt es teilweise nur wenige Stunden Strom pro Tag. Die Menschen protestieren, Polizisten gehen gegen Demonstranten und Journalisten vor. Die Lage ist angespannt.

Gaza (dpa) - Kalte Nächte und kein Strom, kein Licht und keine Heizung - die Menschen im Gazastreifen leiden aktuell unter massiven Stromausfällen. Tausende Palästinenser gehen deswegen seit mehr als einer Woche auf die Straßen.

Die Polizei habe die Menschen am Donnerstagabend auseinandergetrieben, berichteten Augenzeugen und Medien. In einer Stellungnahme des Hamas-Innenministeriums hieß es, die Polizisten hätten erst reagiert, nachdem Menschen Steine auf das zentrale Büro des Energieversorgers geworfen und dieses angegriffen hätten.

Die Demonstranten machen den Konflikt zwischen der Hamas im Gazastreifen und der gemäßigten Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland für die Energieprobleme verantwortlich. Sie forderten, die Not im Elektrizitätssektor vom allgemeinen Streit zu trennen und eine bessere Versorgung sicherzustellen. Sie verlangten eine neue Stromtrasse von Israel.

Bisher erhielten die rund zwei Millionen Menschen im Gazastreifen im Schnitt rund zwölf Stunden Strom pro Tag. Nun verfügen manche Haushalte nur noch über vier Stunden Elektrizität am Tag. Dabei können die Temperaturen in dem von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Küstenstreifen nachts auf bis zu acht Grad Celsius fallen.

Zwei Journalisten von internationalen Nachrichtenagenturen wurden am Donnerstag von Hamas-Sicherheitsleuten und Polizisten angegriffen und bedroht. Die Männer hätten über die Demonstration berichtet, teilte die Vereinigung der Auslandspresse in Tel Aviv mit.

Ein Reporter der Associated Press (AP) sei von Hamas-Sicherheitsleuten unter Waffengewalt gezwungen worden, seine Handys herauszugeben. Einem Fotografen der Agence France-Presse (AFP) hätten Polizisten massiv gegen den Kopf geschlagen, weil er sich geweigert habe, seine Kamera abzugeben.

Der UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow zeigte sich besorgt wegen der angespannten Lage. "Alle verantwortlichen Behörden müssen zusammenarbeiten, um die Elektrizitätskrise sofort zu lösen", sagte er. "Ich rufe zum vollen Respekt für die freie Meinungsäußerung auf, friedvollen Protest und Versammlung in Gaza."

Die Polizisten hätten am Donnerstagabend in die Luft geschossen und seien mit Demonstranten aneinandergeraten, sagten Augenzeugen. Mehrere Menschen seien festgenommen worden.

Die Hamas wirft Palästinenserpräsident Abbas vor, nicht genügend Treibstoff in den Gazastreifen liefern zu lassen. Deswegen könne das zentrale Kraftwerk nicht genügend Strom erzeugen. Zudem blockiere er eine Einigung mit Israel, wonach Israel mehr Strom liefern wolle.

Aktuell kommt der größte Teil des Stroms im Gazastreifen von Israel, gefolgt von dem Kraftwerk im Küstenstreifen. Allerdings wurde es 2014 während des Gazakrieges in Brand gesetzt und massiv beschädigt. Außerdem liefert Ägypten Strom nach Gaza.

Hamas und Fatah sind tief zerstritten. Die Hamas herrscht seit 2007 im Gazastreifen. Seither regiert Abbas lediglich im Westjordanland. Der Konflikt verhindert auch Neuwahlen in den Palästinensergebieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Lars Klingbeil soll neuer SPD-Generalsekretär werden

Berlin (dpa) - Der SPD-Digital- und Verteidigungsexperte Lars Klingbeil soll als künftiger Generalsekretär die Neuaufstellung der gebeutelten Partei mitgestalten.
Lars Klingbeil soll neuer SPD-Generalsekretär werden

Menschenrechtler: IS exekutierte 116 Menschen

Die Gräueltaten des IS sorgen weltweit für Empörung. Jetzt deckten Menschenrechtler in Syrien einen neuen Vorfall auf.
Menschenrechtler: IS exekutierte 116 Menschen

UN rechnen mit mehr als einer Million Rohingya-Flüchtlingen

Hunderttausende muslimische Rohingya flohen vor Gewalt in ihrer Heimat Myanmar in das benachbarte Bangladesch. Es ist die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise …
UN rechnen mit mehr als einer Million Rohingya-Flüchtlingen

Katalonien-Krise: Lage in Spanien bleibt angespannt

Die katalanischen Separatisten reagieren auf die von Madrid angekündigten Zwangsmaßnahmen. Am Donnerstag kommt das Regionalparlament zusammen. Über die Antwort der …
Katalonien-Krise: Lage in Spanien bleibt angespannt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.