Im Clinch mit den USA

„Heiße Phase im diplomatischen Krieg“: Russland will hart antworten

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Als man sich noch die Hände reichte: US-Außenminister Tillerson im April in Moskau

„Anfälle“, „diplomatischer Krieg“, „harte Reaktionen“ - wer sich in Russland nach dem Verhältnis zu den USA umhört, der bekommt deutliche Worte zu hören.

So hat sich der neue russische Botschafter in den USA seinen ersten Tag in Washington sicher nicht gewünscht. Gleich bei der Ankunft am Flughafen muss sich Anatoli Antonow zur Schließung des Konsulats in San Francisco äußern. Der Karrierediplomat weiß, in einer solchen Krise kann jedes Wort tiefer in die Sackgasse führen.

„Jetzt müssen wir in Ruhe Ordnung schaffen, müssen ganz ruhig und professionell handeln“, mahnt Antonow daher. Doch hinter den Kulissen brodelt es - in Moskau wie in Washington.

Lawrow wirft USA „Anfälle“ vor

Der Chefdiplomat Sergej Lawrow gibt sich deutlich weniger zurückhaltend. „Wir beobachten hier irgendwelche Anfälle“, sagt er am Freitag. Wie kaum ein Politiker beherrscht Lawrow die Kunst, völlig emotionslos, doch knallhart die Grenzen des diplomatisch Sagbaren auszureizen.

Die „Anfälle“, das sind die Forderungen der USA, die russische Vertretung in San Francisco sowie zwei diplomatische Abteilungen in New York und Washington zu schließen. Die Ankündigung kommt nicht zufällig am Donnerstag. Die USA revanchieren sich damit für die Reduzierung des Personals in ihren Vertretungen in Russland. Moskau hatte gefordert, das 755 Mitarbeiter gehen müssen, damit sich die Anzahl des Personals dem Russlands in den USA angleicht.

Moskau will hart reagieren

„Natürlich werden wir hart reagieren auf diese Dinge, die uns schaden und von dem Wunsch getragen sind, unsere Beziehungen zu den USA zu beschädigen“, sagt Lawrow vor Studenten in der diplomatischen Kaderschmiede MGIMO, an der er zu Sowjetzeiten selbst studiert hatte. Zunächst müsse Moskau aber die Lage genau prüfen.

Der Streit zwischen den zwei größten Atommächten der Welt wirkt auf den ersten Blick kindisch. Er ist aber letztlich Ausdruck tiefgreifender Differenzen. Russland und die USA liegen bei den wichtigsten Themen der Weltpolitik meilenweit auseinander.

Streit über Nordkorea, Syrien, Ukraine

Russland soll, so heißt es in Washington, beim Lösen der Nordkorea-Frage weniger hilfreich sein als China. In Syrien beißen sich die Interessen ohnehin, genauso wie im Ukrainekonflikt. US-Außenminister Rex Tillerson, als Träger des Ordens der Freundschaft eigentlich ein Russland-Freund, sieht das bilaterale Verhältnis auf einem Tiefpunkt, genau wie sein Kollege Lawrow.

Doch der Diagnose folgte bislang keine Behandlung der Ursachen. Es wurde eher noch schlimmer. Die Russland-feindlichen Kräfte im US-Kongress gewannen die Oberhand, auch weil sich die Regierung von Präsident Donald Trump - dem Vorwurf der Kollaboration mit dem Erzfeind ausgesetzt - kaum wehren konnte. Gegen Trump läuft eine Untersuchung des FBI, inwiefern sein Wahlkampfteam mit Russland gemeinsame Sache machte.

Trump versucht, dem entgegenzutreten: „Ich sage es laut und deutlich, und ich sage es seit Jahren: Ich hoffe, dass wir großartige Beziehungen, oder zumindest gute Beziehungen haben werden“, sagte der Präsident mit Bezug auf Russland vor wenigen Tagen. Die Sanktionen gegen Moskau unterzeichnete er nur widerwillig, aber er tat es.

„Heiße Phase des diplomatischen Kriegs“

Tatsachlich haben die USA massive wirtschaftliche Interessen, die denen Russlands zuwiderlaufen. Derzeit versucht Amerika, die Vorrangstellung Russlands auf dem europäischen Gasmarkt anzugreifen. Die in Europa - besonders auch in Deutschland - als wichtig erachtete Pipeline Nord Stream 2 ist den USA ein Dorn im Auge. Washington will stattdessen sein eigenes Gas nach Europa verkaufen. Erste Lieferungen nach Litauen und Polen sind bereits erfolgt.

Moskaus Polit-Szene ist empört über diese Russlandpolitik der USA. Als Gemeinheit geißeln Außenpolitiker nun die Konsulatsschließung. „Das heißt, dass die USA eine heiße Phase des diplomatischen Krieges erklären“, meint der Abgeordnete Leonid Sluzki.

Botschafter beschwichtigt mit Lenin

Experten sind überzeugt, dass sich die Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen weiterdrehen dürfte. „Dabei wird es nicht bleiben“, schreibt der Politologe Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie-Zentrum bei Twitter. „Die Beziehungen werden sich verschlechtern.“

Dabei gibt es durchaus Rufe nach einer Rückkehr zu inhaltlichen Gesprächen und nach einem Ende des andauernden „Auge um Auge“. Der Politologe Andrej Kortunow warnt in der Zeitung „RBK“, Gegenmaßnahmen könnten sich zu einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen hochschaukeln. „Daran sind weder Moskau noch Washington interessiert“, sagt er. Das hat wohl auch Botschafter Antonow im Blick, als er den Revolutionsführer Lenin bemüht: „Um mit Lenins Worten zu sprechen: Wir brauchen keine hysterischen Anfälle.“

Anatoli Antonow gilt in der EU als „Persona non Grata“. Mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

dpa

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