FDP-Politikerin

Hildegard Hamm-Brücher gestorben

Hildegard Hamm-Brücher, hier 2011, ist tot. Foto: Peter Kneffel
1 von 6
Hildegard Hamm-Brücher, hier 2011, ist tot. Foto: Peter Kneffel
Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Hildegard Hamm-Brücher nehmen 2012 an den Feierlichkeiten anlässlich der Grundsteinlegung für ein NS-Dokumentationszentrum in München teil. Foto: Andreas Gebert
2 von 6
Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Hildegard Hamm-Brücher nehmen 2012 an den Feierlichkeiten anlässlich der Grundsteinlegung für ein NS-Dokumentationszentrum in München teil. Foto: Andreas Gebert
Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Hildegard Hamm-Brücher und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sind 1994 Gäste beim Festakt zur Verleihung des 30. Theodor-Heuss-Preises in Stugart. Foto: Norbert Försterling
3 von 6
Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Hildegard Hamm-Brücher und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sind 1994 Gäste beim Festakt zur Verleihung des 30. Theodor-Heuss-Preises in Stugart. Foto: Norbert Försterling
Über Jahrzehnte hatte Hamm-Brücher die Politik der Liberalen geprägt. Foto: Kay Nietfeld/Archiv
4 von 6
Über Jahrzehnte hatte Hamm-Brücher die Politik der Liberalen geprägt. Foto: Kay Nietfeld/Archiv
Mit einem Handkuß begrüßt Altbundeskanzler Helmut Schmidt 1994 auf einem Empfang des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Schloss Bellevue die FDP-Politikerin. Foto: Peer Grimm
5 von 6
Mit einem Handkuß begrüßt Altbundeskanzler Helmut Schmidt 1994 auf einem Empfang des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Schloss Bellevue die FDP-Politikerin. Foto: Peer Grimm
Im Juli kommt Hamm-Brücher zu einem Trauerakt für die Opfer des Amoklaufs von München im Landtag. Foto: Matthias Balk
6 von 6
Im Juli kommt Hamm-Brücher zu einem Trauerakt für die Opfer des Amoklaufs von München im Landtag. Foto: Matthias Balk

Sie war die "Grande Dame" der FDP: Jahrzehntelang prägte Hildegard Hamm-Brücher die Politik der Liberalen - in München, in Bayern und bundesweit. Jetzt ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben.

München (dpa) - Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Das teilte ihre Familie mit. Sie starb bereits am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in ihrer Wohnung in München.

"Deutschland verliert mit Hildegard Hamm-Brücher eine herausragende Demokratin - und eine der letzten politischen Akteurinnen, die unsere Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut haben", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck nannte sie ein Vorbild für jüngere Generationen. "Hildegard Hamm-Brücher besaß Anstand und Maß und war offenen Sinnes für andere und Andersdenkende."

Über Jahrzehnte hatte Hamm-Brücher die Politik der Liberalen geprägt - beispielsweise als Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Sie galt als "Grande Dame" der FDP.

1921 in Essen geboren, wuchs sie nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrer jüdischen Großmutter auf. Nach dem Abitur 1939 studierte sie Chemie in München und promovierte 1945. Während dieser Zeit schützte ihr Doktorvater, der Nobelpreisträger Heinrich Wieland, sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Nach dem Krieg beschloss Hamm-Brücher, in die Politik zu gehen. 1948 wurde sie für die FDP in den Münchner Stadtrat gewählt. 1950 wurde sie FDP-Abgeordnete im bayerischen Landtag. Von 1976 bis 1990 saß sie für die Liberalen, deren stellvertretende Bundesvorsitzende sie 1972 wurde, im Bundestag.

Die Krönung ihrer Laufbahn blieb ihr versagt. 1994 kandidierte Hamm-Brücher für das Bundespräsidentenamt. Doch im dritten Wahlgang opferte ihre Partei sie dem Koalitionskalkül - Staatsoberhaupt wurde Unionskandidat Roman Herzog. Nach 50 Jahren in der FDP gab Hamm-Brücher 2002 ihr Parteibuch ab - wegen antiisraelischer Äußerungen des damaligen Parteivizes Jürgen Möllemann.

2015 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Doch trotz zweier Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen verfolgte sie die Entwicklungen in der Politik weiter. Bis ins hohe Alter schrieb sie Bücher und trat öffentlich auf. Hamm-Brücher war seit 1954 mit dem - 2008 gestorbenen - Juristen und CSU-Kommunalpolitiker Erwin Hamm verheiratet. Sie hinterlässt einen Sohn und eine Tochter.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Hamm-Brücher für ihre Verdienste um Freiheit und Demokratie. "Wir verlieren mit ihr eine der ersten Frauen, die sich im Auswärtigen Amt und weit darüber hinaus für Demokratie und Freiheitsrechte eingesetzt hat", sagte er in Hamburg. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth erklärte: "Ich trauere um ein großes Vorbild."

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nannte Hamm-Brücher den "Inbegriff der gelebten Bürgergesellschaft". "Hildegard Hamm-Brücher war eine aufrechte und leidenschaftliche Demokratin, liberale Streiterin, Kämpferin gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ohne ihr Engagement für Bildung und Demokratie wäre die Bundesrepublik nicht das, was sie heute ist."

FDP Bayern zum Tod von Hamm-Brücher

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Seehofer-Zukunft: Jetzt hat sich Merkel geäußert

Horst Seehofer will den CSU-Vorsitz aufgeben, als Innenminister jedoch vorerst im Amt bleiben. Jetzt hat sich Kanzlerin Merkel zu Seehofers Zukunft geäußert. Der …
Seehofer-Zukunft: Jetzt hat sich Merkel geäußert

Melania Trump stellt drastische Forderung: First Lady mischt sich in Trumps Personalpolitik ein

Melania Trump stellt eine drastische und ungewöhnliche Forderung: Die First Lady mischt sich in Donald Trumps Personalpolitik ein. Der News-Ticker.
Melania Trump stellt drastische Forderung: First Lady mischt sich in Trumps Personalpolitik ein

London meldet Durchbruch bei Verhandlungen

Der Regierung in London zufolge haben sich die Brexit-Unterhändler auf ein EU-Austrittsabkommen für Großbritannien geeinigt. Doch zum Feiern ist es noch zu früh. Die …
London meldet Durchbruch bei Verhandlungen

Brexit-Einigung auf Austritts-Entwurf: Die irische Grenze bleibt der Knackpunkt

Es geht voran beim Brexit: Die Unterhändler beider Seiten haben sich auf einen Entwurf des Austritts-Abkommens geeinigt. Knackpunkt bleibt die irische Grenze.
Brexit-Einigung auf Austritts-Entwurf: Die irische Grenze bleibt der Knackpunkt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.