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„Globukalypse“? SPD-Mann gegen Homöopathie-„Zauber“ - Doch es gibt einen Haken

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Von: Florian Naumann

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Homöopathische Arzneimittel
Homöopathische Arzneimittel (Symbolbild). © dpa / Ralf Hirschberger

Globuli gegen das Sommerloch: SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach will Krankenkassen nicht mehr für Homöopathie zahlen lassen. Am Ende könnte es außer Wut nicht viel geben.

Berlin - Das politische Sommerloch könnten dieses Jahr Globuli füllen: Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat pünktlich Anfang Juli eine Initiative gegen die Homöopathie gestartet - er will den gesetzlichen Krankenkassen verbieten lassen, Kosten für homöopathische Behandlungen zu erstatten. Auf Twitter begrüßten am Dienstag einige Beobachter den Vorstoß und forderten ein, frei werdende Gelder künftig etwa für Zuzahlungen zu Brillen zu verwenden.

Ob das Thema in dieser Hinsicht zum großen Wurf taugen wird, ist allerdings fraglich. Denn ein allzu relevanter Faktor sind die Kosten für Homöopathie eigentlich nicht - die Erstattungen sind eine freiwillige Leistung einiger Kassen. 2017 gaben die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) laut Daten des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie 10,6 Millionen Euro für ärztlich verschriebene homöopathische Mittel aus. Ein vernichtend kleiner Posten verglichen mit den rund 39 Milliarden Euro, die die GKV im gleichen Zeitraum insgesamt für Arzneimittel ausgaben - zudem gingen die Umsätze zuletzt zurück.

Homöopathie im Fokus: SPD-Mann führt „Aufklärung“ und „Zauberei“ ins Feld

Dafür steckt reichlich politische und ideologische Sprengkraft in dem Thema. Er halte die Erstattungen für „falsch, weil es im Zeitalter der Vernunft und Wissenschaft eine Verbeugung vor Zauberei ist“, erklärte Lauterbach am Dienstag in einem Tweet.

Der SPD-Gesundheitsexperte verweist mit seinem Vorstoß auf Frankreich. Dort hat die Oberste Gesundheitsbehörde festgestellt, dass homöopathische Arznei wissenschaftlich gesehen nicht ausreichend wirksam sei. Daher sei eine Erstattung nicht gerechtfertigt. „Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen Homöopathie bezahlen“, erklärte Lauterbach weiter.

Kein Krankenkassengeld mehr für Homöopathie? Ärztin bejubelt „Globukalypse“

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der über die Pflichtleistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet, unterstützte Lauterbach in ebenfalls recht harschen Worten. Behandlungsmethoden ohne klaren Beleg für Wirksamkeit und Nutzen sollten „nicht noch dadurch geadelt werden, dass sie von Kassen als Satzungsleistungen bezahlt werden“, sagte der GBA-Vorsitzende Josef Hecken dem Tagesspiegel.

Eine recht prominente Unterstützerin hat Lauterbach unterdessen auch in der früheren Homöopathin Natalie Grams gefunden. „HolladieGlobuliFee, es geht voran mit der #Globukalypse!“, erklärte Grams Stunden nach Vorstoß in einem Tweet - sie zählt zu den erklärten Homöopathie-Skeptikern und hat auch ein Buch zum Thema verfasst. Die Beweggründe für ihre Wandlung hatte sie vor einiger Zeit auch dem Münchner Merkur* in einem Interview erläutert.

SPD gegen Homöopathie - nächster großer Zoff in der GroKo wegen zehn Millionen Euro?

Gut möglich scheint allerdings, dass es auch im Fall Homöopathie keine gemeinsame Linie der notorisch zerstrittenen GroKo geben wird. Denn Kritik an Lauterbachs Vorschlag kam umgehend aus der Union. Deren gesundheitspolitische Sprecherin, Karin Maag, findet es falsch, die freiwilligen Leistungen der Versicherer zu beschränken. „Wir führen keinen Kreuzzug gegen Heilpraktiker und Naturheilverfahren“, sagte sie dem Tagesspiegel. Sie halte es für richtig, die Entscheidungsfreiheit der Patienten zu wahren.

Auch ob der Vorstoß den Geschmack der Wähler trifft, bleibt abzuwarten. In einer repräsentativen Befragung des Institutes TNS Kantar lehnten im vergangenen 60 Prozent der Teilnehmer Einschränkungen bei der Erstattung von Kosten für homöopathische Mittel ab, wie unter anderen die Ärztezeitung online berichtete

Homöopathie - Ein Thema mit Sprengkraft

Sogar 75 Prozent sprachen sich für ein Miteinander von Schulmedizin und ergänzenden Therapien wie Naturheilkunde und Homöopathie aus. In Auftrag gegeben hatte die Umfrage allerdings das Unternehmen DHU - ein großer Hersteller von Homöopathika. 

Dass es durchaus leidenschaftliche Unterstützer der Behandlungsform gibt, bewies im Sommer 2018 auch ein Fall aus dem oberbayerischen Weilheim. Dort verbannte eine Apotheke Homöopathie aus dem Sortiment - und trat damit eine hitzige Debatte los, wie Merkur.de berichtete.

fn (mit Material von dpa)

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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