Amtsinhaber liegt knapp vorne

Opposition in Honduras wirft der Regierung Wahlfälschung vor

Oppositionskandidat Salvador Nasralla spricht zu Unterstützern. Foto: Rodrigo Abd
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Oppositionskandidat Salvador Nasralla spricht zu Unterstützern. Foto: Rodrigo Abd
Oppositionskandidat Salvador Nasralla (M) und der ehemalige Präsident Manuel Zelaya (r) bei den Protesten in Tegucigalpa. Foto: Rodrigo Abd
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Oppositionskandidat Salvador Nasralla (M) und der ehemalige Präsident Manuel Zelaya (r) bei den Protesten in Tegucigalpa. Foto: Rodrigo Abd
Demonstranten in Tegucigalpa mit der honduranischen Flagge. Foto: Rodrigo Abd
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Demonstranten in Tegucigalpa mit der honduranischen Flagge. Foto: Rodrigo Abd
Ein Polizist drängt einen Demonstranten in Tegucigalpa zurück. Foto: Rodrigo Abd
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Ein Polizist drängt einen Demonstranten in Tegucigalpa zurück. Foto: Rodrigo Abd
Unterstützer der Opposition demonstrieren in Tegucigalpa gegen vermeintliche Wahlfälschung. Foto: Rodrigo Abd
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Unterstützer der Opposition demonstrieren in Tegucigalpa gegen vermeintliche Wahlfälschung. Foto: Rodrigo Abd

Über eine Woche nach der Präsidentenwahl in dem mittelamerikanischen Land sind alle Stimmen ausgezählt, Amtsinhaber Hernández liegt knapp vorne. Die Regierungsgegner wollen das Ergebnis nicht anerkennen.

Tegucigalpa (dpa) - Manipulationsvorwürfe, Krawalle, Ausgangssperre: Über eine Woche nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Honduras zeichnet sich ein Sieg von Präsident Juan Orlando Hernández ab. Die Opposition wirft der Regierung allerdings Wahlfälschung vor und will das Ergebnis nicht anerkennen. Die Lage könnte eskalieren.

Nach der Auszählung aller Stimmen in dem mittelamerikanischen Land liegt der Amtsinhaber mit einem Vorsprung von rund 52.000 Stimmen vorne, wie das Wahlamt am frühen Montagmorgen (Ortszeit) mitteilte. Demnach kommt Hernández auf 42,98 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Salvador Nasralla erhielt 41,39 Prozent.

"Das geeinte Volk kann nicht besiegt werden", schrieb Nasralla auf Twitter. "Ein vereinigtes Honduras gegen den Betrug." Präsident Hernández sagte: "Wir sind alle Honduraner - die politischen Differenzen sollten nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen." Die internationalen Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Europäischen Union äußerten sich zunächst nicht zu den Manipulationsvorwürfen.

Die Parteien können das Wahlergebnis oder Teile der Auszählung noch anfechten, sagte Wahlamtsleiter David Matamoros. Innerhalb von 20 Tagen soll das amtliche Endergebnis festgestellt und ein Sieger ausgerufen werden.

Das mittelamerikanische Land steht am Scheideweg: Am Wochenende kam es zu massiven Protesten, weil die Opposition Wahlfälschung vermutet. Zwei Menschen wurden bei den Krawallen getötet. Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, und es kam zu Plünderungen. Die Regierung verhängte eine Ausgangssperre.

Nach der Präsidentenwahl am 26. November lag der Oppositionskandidat Nasralla zunächst deutlich vor. Im Laufe der Auszählung schrumpfte sein Vorsprung allerdings immer weiter zusammen bis er schließlich von Präsident Hernández überholt wurde. Das befeuerte die Spekulationen über eine mögliche Manipulation des Ergebnisses.

Honduras ist tief gespalten. Traditionell lösten sich die Nationale Partei, die von Großgrundbesitzern und der katholischen Kirche unterstützt wird, und die Liberale Partei, die ihren Rückhalt in den Städten hat, an der Regierung ab. Seit 2009 mischt noch die linke Partei Libre mit. Sie unterstützte jetzt das Oppositionsbündnis Allianz gegen die Diktatur von Nasralla.

Der prominente Fernsehmoderator versprach, etwas gegen die weit verbreitete Korruption zu unternehmen und durch bessere Bildungsabgebote und Präventionsmaßnahmen die Gewalt durch Jugendgangs zu bekämpfen. Hernández steht für eine liberale Wirtschaftspolitik und eine Politik der harten Hand gegen die Banden.

Sollte Hernández' Sieg bestätigt werden, wäre es das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass ein Präsident in Honduras im Amt bestätigt wird. Der Oberste Gerichtshof machte zuletzt den Weg für die Wiederwahl des Staatschefs in dem mittelamerikanischen Land frei, die eigentlich in der Verfassung nicht vorgesehen ist.

Als zum letzten Mal ein Präsident in Honduras eine zweite Amtszeit anstrebte, löste er damit eine Staatskrise aus. 2009 wurde Manuel Zelaya vom Militär abgesetzt, als er eine verfassungsgebende Versammlung einberufen wollte, um die Wiederwahl möglich zu machen.

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