Absolute Mehrheit verloren

„Hung parliament“: Welche Optionen Theresa May jetzt bleiben

Theresa May muss sich entscheiden, wie es nach der Wahlschlappe weiter geht.
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Theresa May muss sich entscheiden, wie es nach der Wahlschlappe weiter geht.

Theresa May wollte die Rückendeckung der Wähler - nun hat sie ein „hung parliament“, ein Parlament in der Schwebe. Welche Optionen hat die Premierministerin jetzt?

Die Wahl in Großbritannien hat ein „hung parliament“ hervorgebracht - ein „Parlament in der Schwebe“, in dem keine Partei eine absolute Mehrheit hat. In Deutschland ist das ganz normal, im Vereinigten Königreich dagegen die Ausnahme. Die konservativen Tories blieben zwar stärkste Fraktion, verfehlten aber die absolute Mehrheit von mindestens 326 der 650 Mandate im Unterhaus. Da das britische Mehrheitswahlrecht darauf angelegt ist, eindeutige Verhältnisse zu produzieren, kommt diese Situation nur äußerst selten vor.

Alle Neuigkeiten rund um die Wahl in Großbritannien lesen Sie in unserem Live-Ticker.

Option 1 - Koalition oder „Deal“: Premierministerin Theresa May (oder auch ein möglicher Nachfolger an der Spitze der Konservativen) muss für ihre Partei eine Mehrheit organisieren. Entweder über eine formale Koalition oder über einen „Deal“ mit anderen Parteien, etwa der nordirischen DUP, die eine konservativ geführte Minderheitsregierung unterstützen würden. Die Zusammenarbeit von Tories und DUP gilt aktuell als wahrscheinlichste Option. 

Option 2 - Minderheitsregierung: In diesem Fall bildet eine einzige Partei die Regierung, obwohl sie keine absolute Mehrheit im Parlament hat. Um trotzdem Gesetze durchzubekommen, müsste die Regierung immer wieder Abkommen mit dem anderen Parteien treffen. Eine zähe Gesetzgebung wäre zu erwarten.

May könnte bei der Queen ihren Rücktritt einreichen

Option 2 - Rücktritt: Wenn May keine Chance auf eine Regierung unter ihrer Führung sieht, geht sie zu Königin Elizabeth II. und reicht dort ihren Rücktritt ein. In diesem Fall dürfte die Queen Oppositionsführer Jeremy Corbyn auffordern, mit seiner Labour-Partei eine Regierungsbildung zu versuchen und ein Regierungsprogramm zu zimmern. Corbyn hat Theresa May bereits nach den ersten Hochrechnungen aufgefordert, zurückzutreten.

Die Queen mischt sich in all das übrigens nicht ein, sie ist politisch neutral. Egal, von wem es am Ende kommt: Das Regierungsprogramm liest die Königin als Staatsoberhaupt in der sogenannten Queen's Speech vor. Geplant ist das bisher für den 19. Juni. Es folgt eine rund fünf Tage dauernde Debatte darüber im Unterhaus. Dann wird abgestimmt - hierbei handelt es sich de facto um eine Vertrauenserklärung für die neue Regierung, also die Nagelprobe.

Müssen Briten nochmal wählen?

Option 3 - Neuwahlen: Sollte sie scheitern, hätte die Gegenseite das Recht auf den nächsten Versuch. Die Abstimmung gilt aber als reine Formsache, weil die Mehrheiten vorher feststehen sollten. Kann sich also niemand sicher sein, ein Regierungsprogramm durchs Parlament zu bekommen, dann müssen die Briten möglicherweise ein weiteres Mal wählen gehen.

Die Neuwahlen in Großbritannien in Bildern

Das House of Commons wird gewählt.
Das House of Commons wird gewählt. © AFP
Um 23 Uhr schlossen die Wahllokale, dann begann das Auszählen.
Um 23 Uhr schlossen die Wahllokale, dann begann das Auszählen. © AFP
Jeremy Corbyn von der Labour Party gab hier gerade seine Stimme ab.
Jeremy Corbyn von der Labour Party gab hier gerade seine Stimme ab. © AFP
„You decide“ titelte der Evening Standard.
„You decide“ titelte der Evening Standard. © AFP
Polling Stations, also Wahllokale, gab es im UK nahezu überall...
Polling Stations, also Wahllokale, gab es im UK nahezu überall... © AFP
...sogar in den berühmten roten Telefonzellen.
...sogar in den berühmten roten Telefonzellen. © AFP
Typisches Wetter am Wahltag in Edinburgh in Schottland.
Typisches Wetter am Wahltag in Edinburgh in Schottland. © AFP
Auch Tiere wurden mit in die Wahllokale genommen.
Auch Tiere wurden mit in die Wahllokale genommen. © AFP
Eine Frau kam sogar im Hochzeitskleid.
Eine Frau kam sogar im Hochzeitskleid. © dpa
Theresa May gab hier ihre Stimme ab - doch der Fokus lag auf ihren Schuhen, die gleich einen Hashtag auf Twitter auslösten
Theresa May gab hier ihre Stimme ab - doch der Fokus lag auf ihren Schuhen, die gleich einen Hashtag auf Twitter auslösten. © AFP
Auch Nicola Sturgeon von der Scottish National Party (SNP) gab ihre Stimme ab.
Auch Nicola Sturgeon von der Scottish National Party (SNP) gab ihre Stimme ab. © AFP

dpa/afp

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