Ermittlungen

Spitzel-Affäre: Imame sollen Gülen-Anhänger ausgeforscht haben

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Haben türkische Imame in Deutschland Anhänger von Fethullah Gülen bespitzelt?

Berlin/Ankara - Haben türkische Imame in Deutschland Gülen-Anhänger bespitzelt? Die türkische Religionsbehörde Diyanet weist einen solchen Auftrag entschieden zurück. Ermittelt wird nun trotzdem.

Der Generalbundesanwalt hat in der Ditib-Affäre Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Das berichtete der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Beck, am Rande einer Sitzung des Bundestags-Innenausschusses. Die türkische Religionsbehörde Diyanet wies eine Bespitzelung von Gülen-Anhängern in Deutschland in ihrem Auftrag am Mittwoch entschieden zurück.

Diyanet habe Imame des türkischen Islamverbandes Ditib nie beauftragt, Informationen über Mitglieder ihrer Gemeinde zu beschaffen, sagte Diyanet-Chef Mehmet Görmez deutschen Journalisten in Ankara. Die Ditib-Imame in Deutschland bemühten sich lediglich darum, die Gläubigen vor der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu „schützen“. Die türkische Regierung hält Gülen für den Drahtzieher des Putschversuches vom Juli 2016.

„Es ist äußerst traurig, dass unsere Bemühung (...) so dargestellt wird, als würden die Diyanet-Beauftragten Spionage betreiben“, sagte Görmez mit Blick auf die Imame. „Natürlich ist es nicht möglich, diese Anschuldigungen zu akzeptieren.“ Kein Imam dürfe „Informationen über das Privatleben von jemandem aus seiner eigenen Gemeinde“ mit anderen teilen. Sollten einzelne Personen falsch gehandelt haben, werde das untersucht.

Beck sagte mit Blick auf die Ermittlungen, der Druck der Anfragen von Parlamentariern habe offensichtlich gewirkt. „Jetzt muss geklärt werden, ob es in der Zwischenzeit eine Ausreise Tatverdächtiger durch die späte Aufnahme von Ermittlungen gab“, fügte er hinzu. Beck hatte bereits im Dezember Anzeige beim Generalbundesanwalt erstattet.

Informationen über Gülen-Anhänger geliefert

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) hatte vergangene Woche eingeräumt, dass einzelne Imame des Verbandes in Deutschland Informationen über Gülen-Anhänger geliefert hatten. „Die schriftliche Anweisung des türkischen Religionspräsidiums Diyanet war nicht an die Ditib gerichtet. Trotzdem folgten dem einige wenige Ditib-Imame fälschlicherweise“, sagte Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga der „Rheinischen Post“. „Wir bedauern die Panne zutiefst und haben diesbezüglich auch mit Diyanet gesprochen.“

Görmez betonte, Diyanet sei eine religiöse Einrichtung und kein Instrument türkischer Außenpolitik. „Wir waren nie dort, wo wir nicht erwünscht gewesen sind“, sagte der Diyanet-Chef. „Die Religionsbehörde erwägt keinesfalls, sich in irgendeinem Land einzumischen.“ Diyanet könne drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland aber „auch nicht den Rücken zukehren“.

Diyanet hat insgesamt mehr als 1000 Islamgelehrte an die rund 900 Ditib-Moscheevereine in Deutschland entsandt. Darunter sind nach Diyanet-Angaben vom Mittwoch 906 Imame und 116 weibliche Islamgelehrte. Letztere verrichten ihre Arbeit etwa als Religionslehrerinnen oder Seelsorgerinnen. Sie führen die Gemeinde aber - anders als die Imame - nicht beim Gebet.

dpa

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