Ergebnisse des Gipfels

Merkel erneuert großes Versprechen an Deutschland und enttäuscht dennoch viele - „Nationaler Impfplan“ kommt

Angela Merkel hatte zum Corona-Impfgipfel geladen. Die Erwartungen waren hoch. Das Ärger-Potenzial noch höher. Viele Teilnehmer zeigen sich enttäuscht.

  • Mit dem Impf-Gipfel am Montag (1. Februar) wollte die Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten Einigkeit demonstrieren.
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* (CDU) dämpft die Hoffnungen auf mehr Impfstoff (Update vom 1. Februar, 10.03 Uhr) .
  • Das Impfversprechen von Spahn, bis Sommer alle Deutschen impfen zu können, bestätigte Merkel. (Update vom 1. Februar, 19.44 Uhr).
  • Viele Parteien zeigen sich mit den Ergebnissen des Gipfels unzufrieden. Jetzt muss an nächsten Schritten gearbeitet werden. (2. Februar, 09:19 Uhr)

Update vom 2. Februar, 09:19 Uhr: Über fünf Stunden saßen Merkel, Vertreter von Ländern, Pharmaindustrie und der EU-Kommission am Montag zusammen. Was sind die Ergebnisse und was hat der Gipfel gebracht?

Ergebnisse des Impfgipfels: Bis 21. September kann sich Jeder impfen lassen

Kanzlerin Angela Merkel wiederholte noch einmal ihr Angebot, jede:r Bürger:in bekäme bis Ende des Sommers, konkret bis 21. September, die Möglichkeit einer Impfung: „Man kann sagen, dass unsere Aussage, dass wir bis Ende des dritten Quartals, also bis Ende des Sommers, jedem Bürger ein Impfangebot machen können, aufrechterhalten können.“ Selbst dann, wenn nur die bis dato zugelassenen Corona-Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca verwendet würden. Man hoffe aber auf die geplanten Zulassungen von Curevac und Johnson&Johnson. „Wenn die anderen beiden Impfstoffe eine Zulassung bekommen, haben wir natürlich ein größeres Angebot“, so Angela Merkel. Bis zum Sommer sollen die Lieferungen des Impfstoffs in Deutschland deutlich anziehen. Bis in den April hinein rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aber mit „harten Wochen der Knappheit“.

Ergebnisse des Impfgipfels: Opposition fordert Task-Force zur Impfstoffbeschaffung

Linke, FDP und Grüne zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Dieser Gipfel hat die Versäumnisse der Regierung offengelegt.“ Die Bundesregierung und die Europäische Kommission müssten jetzt eine Task-Force zur Impfstoffbeschaffung einrichten. Die Bundesregierung solle „Investitions- und Umrüstungskosten großzügig mitübernehmen und eine Abnahmegarantie für alle Impfstoffe aussprechen“.

Ergebnisse des Impfgipfels: Nationaler Impfplan, aber trotzdem „unverbindlich“

Angela Merkel erklärte, dass ein „nationaler Impfplan“ erarbeitet werde. Damit sollen auch die benötigten Impfstoff-Mengen vorab besser abschätzbar werden. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, meinte trotzdem: „Die Bund-Länder-Konferenz war die Steigerung des Unverbindlichen.“ So komme Deutschland nicht aus der Pandemie heraus, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ähnlich unzufrieden zeigten sich Verbände wie der Mittelstandsverband „BVMV“.

Auch Vertreter der Länder hatten sich mehr erhofft. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD): „Die EU-Kommissare konnten für mich nicht überzeugend darstellen, warum nicht mehr bestellt wurde, wie es in anderen Ländern der Fall ist.“ Merkel dazu: „Der Weg ist an einigen Stellen langsamer gewesen, das ist richtig. Aber ich finde, es gibt auch gute Gründe, dass er langsamer war“. Biontech-Chef Ugur Sahin sagte in den ARD-„Tagesthemen“ derweil, die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. „Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern“, erklärte er.

Ergebnisse des Impfgipfels: Ausweitung der Produktionskapazitäten und nächstes Treffen geplant

Für die Zukunft soll neben einem nationalen Impfplan mit ständiger Aktualisierung eine „Übersicht der Potenziale und Bedarfe für die Ausweitung von Produktionskapazitäten in Deutschland“ vorgelegt werden. Damit soll besprochen werden, wie zusätzliche Impfstoffe hergestellt und geliefert werden können. Bei einem nächsten Treffen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder sollen nun noch offene Fragen über Zulassung, Verteilung und Priorisierung der Menschen geklärt werden.

Spahn nach dem Gipfel: Er sieht noch „harte Wochen der Knappheit“ beim Corona-Imfpfstoff

Update vom 2. Februar, 7.32 Uhr: Was hat der Impf-Gipfel jetzt gebracht? Auch nach dem Gespräch wird sich wohl so schnell nichts ändern. Mit den Corona-Impfungen geht es weiterhin langsam voran. Allerdings sollen die Lieferungen bis zum Sommer deutlich anziehen.

Doch bis in den April hinein rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst einmal noch mit „harten Wochen der Knappheit“ beim Impfstoff. Das sei allen Teilnehmern klar geworden, sagte Spahn am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“.

„Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht“, hätten die Hersteller klargemacht. Geld sei nicht der begrenzende Faktor. Erst im zweiten Quartal werde es nennenswert mehr Impfstoff geben.

Biontech-Chef Ugur Sahin* sagte in den ARD-„Tagesthemen“, die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. „Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern“, erklärte er. „Wir haben auch keine vollen Lagerstätten. Alles, was wir produzieren, wird de facto sofort ausgeliefert.“ Wenn es zu einer Verzögerung komme wegen eines Problems, schlage das sofort durch.

Linke, FDP und Grüne zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen der Spitzengespräche von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertretern von Ländern, Pharmaindustrie und der EU-Kommission am Montag.

Impfgipfel ein „erster guter Schritt“

Update vom 1. Februar, 21.33 Uhr: Trotz der Berichte über diverse verbale Auseinandersetzungen während des Impf-Gipfels haben einige Ministerpräsidenten ein positives Fazit gezogen. „Der Impfstoff-Gipfel war wichtig für eine weitere verlässliche Planung“, teilte Malu Dreyer, Landeschefin von Rheinland-Pfalz, mit. Laut der SPD-Politikerin seien erstmals alle Akteure an einen Tisch gekommen, um die Planbarkeit zu verbessern. Dies könne eine Erhöhung des Impfstoffes für die europäische Bevölkerung bewirken, befand Dreyer.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sah einen „ersten und guten Schritt, um bei der Impfkampagne gegen das Coronavirus voranzukommen“. Man müssen das Verlangen der Bürger nach Klarheit, Transparenz und Verlässlichkeit befriedigen. „Der heute zugesagte nationale Impfplan muss zuverlässige Angaben zu den Impfstofflieferungen enthalten“, erklärt Woidke: „Wir Länder brauchen Planungssicherheit.“

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans stimmte seinen Kollegen zu. Für den CDU-Politiker ist die Verfügbarkeit des Impfstoffs der Flaschenhals. „Die Lösung wird uns nur mit einem engen und vertrauensvollen Miteinander aus Wirtschaft und Politik gelingen“, sagte Hans.

Impf-Gipfel: Kanzlerin Merkel soll Gesundheitsminister Spahn gemaßregelt haben

Update vom 1. Februar, 20.35 Uhr: Beim Impf-Gipfel sollen die Nerven der Teilnehmer arg strapaziert worden sein. Gesundheitsminister Jens Spahn musste sich dabei auch den kritischen Fragen der Ministerpräsidenten stellen. Darauf reagierte er laut Bild mitunter ungehalten. Laut Gipfelteilnehmern habe er sich vehement verteidigt: „Was glauben Sie denn, was wir seit fünf bis sechs Wochen tun?“

Daraufhin habe Bundeskanzlerin Angela Merkel eingegriffen und ihren Parteikollegen gemaßregelt. „Jens, jetzt keine Emotionen!“, habe die CDU-Politikerin zu Spahn gesagt.

Impf-Gipfel: Merkel will Vergabe von Impfterminen an Impfstoff-Liefermengen koppeln

Update vom 1. Februar, 19.52 Uhr: Jetzt spricht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. „Es war wichtig, eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen, aber auch nichts schönzureden.“ Zwar werde es „im ersten Quartal nicht mehr Impfstoff geben, das steht fest“, meinte Söder. Aber ab dem zweiten Quartal gebe es voraussichtlich genug. Es gebe allerdings keine Garantie, man vertraue bei seinen Berechnungen auf die Zusagen der Impfstoffhersteller. Die PK neigt sich dem Ende zu.  

Update vom 1. Februar, 19.44 Uhr: Bei der Impfterminvergabe müsse man den Ablauf verbessern, so Merkel weiter. Die Terminvergabe soll künftig an die Liefermengen gekoppelt werden. Merkel versicherte, man werde „Ende September allen ein Impfangebot“ machen können - und zwar bis zum 21. September. Das sei selbst dann möglich, wenn Impfstoffhersteller Johnson & Johnson keine Zulassung für sein Serum bekomme.

Impf-Gipfel: Kanzlerin Merkel glaubt, Spahns Impfversprechen einhalten zu können

Update vom 1. Februar, 19.40 Uhr: Laut Kanzlerin Merkel könne man das Impfversprechen von Gesundheitsminister Jens Spahn, jedem bis Sommer ein Impfangebot zu machen, erfüllen. Es werde ab dem zweiten Quartal deutlich mehr Impfstoff geben. Für die lange Dauer der EU-Verhandlungen habe es „gute Gründe“ gegeben, unter anderem seien auch Haftungsfragen entscheidend gewesen.

Update vom 1. Februar, 19.34 Uhr: Die Bundeskanzlerin hat den Saal betreten, die Pressekonferenz beginnt. Laut der Kanzlerin waren die Gespräche mit den Ministerpräsidenten und den EU-Kommissaren „sehr wertvoll“. Man habe sich „auf einen gemeinsamen Stand gebracht“.

Update vom 1. Februar, 19.33 Uhr: Bei einem virtuellen Treffen mit den Ministerpräsidenten am Montag will Kanzlerin Angela beim Corona-Impf-Gipfel Fortschritte erreichen. Über die Gesprächsinhalte und das Erreichte spricht Merkel am frühen Abend bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt in Berlin.

Impf-Gipfel: Söder macht offenbar EU-Kommissaren Vorwürfe

Update vom 1. Februar, 19.11 Uhr: Beim Impf-Gipfel in Berlin spricht Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten über den Stand im Kampf gegen das Coronavirus. Auch EU-Gesundheits-Kommissarin Stella Kyriakides und EU-Binnenmarkt-Komissar Thierry Breton sind virtuell zugeschaltet. Die beiden Politiker erläuterten die bisherige Impfstoffbeschaffung der Europäischen Union. Und sind mit ihrer Arbeit offenbar zufrieden, die Impfstoffkampagne der EU sei planmäßig und wie mit allen 27 Mitgliedsstaaten besprochen verlaufen.

So wenig Selbstkritik ob der schleppenden Impflieferungen an die EU stieß bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wohl auf Unverständnis. Söder sagte laut Bild an die EU-Kommissare adressiert: „Ich tue mich schwer, dass das, was wir von der EU gehört haben, als positiv und ausreichend zu bezeichnen.“

Impf-Gipfel: Corona-Impfungen in Arztpraxen erst bei deutlich erhöhter Impfstoff-Lieferung

Update vom 1. Februar, 18.14 Uhr: In naher Zukunft sollen Corona-Impfungen laut Plänen des Bundesgesundheitsministeriums auch in normalen Arztpraxen durchgeführt werden. Dies kann allerdings erst geschehen, sobald die Impfstoff-Lieferungen deutlich ausgebaut worden sind. Erst mit mehr Impfstoff könne „der maßgebliche Teil der Impfungen“ auch auf die Praxen übergehen. Das steht laut dpa in einem Informationspapier des Ministeriums für den Impf-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten am Montag.

Demnach kommen rund 50.000 Praxen für eine breiter angelegte Impfkampagne infrage. Dort wäre es möglich, über fünf Millionen Impfungen pro Woche vorzunehmen. Dafür müsste man die Logistik für eine solche Massenimpfung schaffen. Mindestens drei Millionen Impfdosen müssten wöchentlich transportiert werden und deren fachgerechte Lagerung in den Arztpraxen gewährleistet sein. Aktuell werden die Impfungen in regionalen Impfzentren der Bundesländer vorgenommen.

Update vom 1. Februar, 18.05 Uhr: Nach über vier Stunden dauern die Gespräche beim Impf-Gipfel in Berlin noch an. Offenbar ist die Stimmung zwischen Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten eher angespannt. Laut Bild sagte ein Gipfelteilnehmer: „Es ist ein einziges Blabla, ich weiß nicht, was ich hier soll“.

Impf-Gipfel: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen soll im Bundestag befragt werden

Update vom 1. Februar, 16.40 Uhr: Ausgerechnet abseits des Corona-Impf-Gipfels ergeben sich weiter brisante Entwicklungen. Während der zur Stunde laufenden Gespräche wurde bekannt: Die Union will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu einer kritischen Befragung in den Bundestag zitieren. Sie soll dem Gesundheitsausschuss rasch zur Corona-Impfstoff-Beschaffung Rede und Antwort stehen.

„Um den gesamten Prozess aufzuarbeiten und Transparenz zu schaffen, halten wir es für wichtig, Informationen aus erster Hand zu bekommen“, sagte Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Ausschusses, am Montag dem Nachrichtenportal ThePioneer. Von der Leyen solle noch in dieser oder im Verlauf der kommenden Woche für ein „Gespräch“ zur „europäischen Impfstoffbeschaffung“ bereitstehen, zitiert das Portal aus einer Email des Ausschuss-Sekretariats. Auch SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hatte Aufklärung über die Maßnahmen der EU gefordert. „Um zu bewerten, ob Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Fehler zu verantworten hat, müssen alle Verträge mit Herstellern auf den Tisch“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Impf-Gipfel: Neue Priorisierung? Spahn Pläne könnten Menschen mit Vorerkrankungen zu schnellerer Dosis verhelfen

Update vom 1. Februar, 16.22 Uhr: Menschen mit Vorerkrankungen können offenbar auf eine schnellere Impfung hoffen - weitgehend unabhängig von den Ergebnissen des Impf-Gipfels am Montag. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Vorgaben zu Corona-Impfungen in Deutschland so ändern, dass die Einstufungen einzelner Krankheitsbilder in die Prioritätengruppen gemäß neuen Daten angepasst werden. Zudem soll die Altersempfehlung für den nun ebenfalls zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca berücksichtigt werden. Das berichtet die dpa unter Berufung auf einen Entwurf für eine veränderte Coronavirus-Impfverordnung.

Spahn sagte am Montag in einer digitalen Pressekonferenz: „Im Grundsatz werden die Priorisierungsgruppen so bleiben, wie sie sind.“ Hintergrund ist, dass der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland nach einer entsprechenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorerst nur Erwachsenen unter 65 Jahren gespritzt werden soll.

Nach dem Entwurf sollen nun aber etwa auch Diabetiker mit hohem Blutzuckerwerten eine Impfung mit hoher Priorität erhalten können. Dies gilt etwa auch für Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bestimmten schweren chronischen Lungenerkrankungen. In dieser Gruppe zwei mit hoher Priorität sollen sonst weiter schwerpunktmäßig Menschen ab 70 erfasst werden. Mit der Verordnung will Spahn auch die Bezahlung ärztlicher Zeugnisse für ein hohes Covid-19-Todesrisiko regeln.

Corona-Impf-Gipfel: Erste Pläne durchgesickert - „Bund-Länder-Impfstab“ könnte kommen

Update vom 1. Februar, 15.55 Uhr: Erste Vorschläge und Planungen sind an Rande von Angela Merkels Impf-Gipfel an die Öffentlichkeit gedrungen: Offenbar ist ein neues Gremium zur besseren Koordinierung der Impf-Bemühungen angedacht, ein „Bund-Länder-Impfstab“. Ein entsprechender Vorschlag sei vom Bund gekommen, Gespräche habe es bereits vor Gipfel-Start hinter den Kulissen gegeben, berichtet das Portal Business Insider. Ein konkreter Beschluss werde allerdings nicht erwartet. Die Länder verlangen den Informationen zufolge, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zunächst einen „nationalen Impfplan“ vorlegt. Einen solchen gebe es allerdings noch nicht. Gestalt annehmen könne er bis zu einem möglichen nächsten Corona-Gipfel am 10. Februar.

Impf-Gipfel: Mangelwirtschaft in der EU - Lauterbach beschuldigt Orban

Update vom 1. Februar, 15.25 Uhr: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat mit Blick auf den Impf-Gipfel Kritik an der Impfstoffbeschaffung geäußert. Es gebe gute Gründe anzunehmen, dass die EU mehr Impfstoff haben könnte, hätte man im Sommer mehr Geld in die Hand genommen, sagte Lauterbach am Nachmittag in einer Liveschaltung von bild.de. Er sah die Verantwortung teils bei osteuropäischen Ländern wie Ungarn. Das vom Rechtspopulisten Viktor Orban* geführte Land habe sich im Sommer massiv gegen die Beschaffung teurerer Impfstoffe - etwa des Vakzins von Biontech - gewehrt. Nun bediene man sich an russischen und chinesischen Antworten und schiebe die Verantwortung der EU zu.

Merkel lädt zum Impf-Gipfel: Grünen-Chef Habeck stellt Forderungen - „Staat muss dafür sorgen“

Update vom 1. Februar, 15.00 Uhr: Der Impf-Gipfel hat mittlerweile begonnen - und Grünen-Chef Robert Habeck fordert greifbare Ergebnisse ein. Es müsse „konkret mehr an Impfmenge rauskommen“ und die Zusagen der Pharmafirmen müssten verbindlicher werden, sagte er am Montag in Berlin. Einen Impf-Gipfel ohne konkrete Resultate „braucht natürlich die Menschheit nicht“.

Neben klaren Zusagen der Impfstoffhersteller fordert Habeck auch, mögliche weitere Kooperationen innerhalb der Pharmabranche in den Blick zu nehmen. Wenn Engpässe durch die Zusammenarbeit von Unternehmen beseitigt werden könnten und solche Kooperationen nicht eingegangen würden, „muss der Staat dafür sorgen“, dass dies geschehe .Außerdem sei ein „Update der Impfstrategie“ nötig.

Habeck verlangte außerdem, die Terminvergabe für die Impfungen „umzudrehen“. Derzeit müssten alte Menschen vielerorts mit Telefon-Warteschleifen kämpfen, um einen Impftermin zu ergattern. Stattdessen solle ein „netter, freundlicher, serviceorientierter Staat“ die Termine selbst vergeben.

Welcher Druck nach dem Stotter-Start bei dem Impfungen auf der EU lastet, verdeutlicht unterdessen eine dramatische Episode vom Wochenende: Nach Drohungen aus Brüssel kam es zu nächtlichen Telefonaten mit London. Großbritannien sieht sich nun als Sieger. Der Vorgang und die Reaktionen werfen ein Schlaglicht auf nationale Egoismen in der Corona-Krise*.

Impf-Gipfel heute mit Merkel und Landeschefs: Internes Papier zeigt Lieferplan für Deutschland

Update vom 1. Februar, 14.02 Uhr: Eine gute Nachricht vor dem in diesen Minuten beginnenden Impf-Gipfel: Die Lieferungen von Corona-Impfstoff für Deutschland sollen im Laufe des Jahres deutlich anziehen. Das geht aus einer neuen Übersicht des Gesundheitsministeriums hervor, die der dpa vorliegt. Nach 18,3 Millionen Impfdosen im laufenden ersten Quartal könnten demnach laut einer aktuellen Schätzung im zweiten Quartal voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es dann weitere 100,2 Millionen Dosen sein. Solche Prognosen seien immer mit Unsicherheiten behaftet, Änderungen seien nicht ungewöhnlich, hieß es allerdings zugleich.

Derweil wachsen aber auch die Begehrlichkeiten: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) will auch die Sicherheitskräfte ausreichend bedacht wissen. „Wenn beim Impfgipfel die Reihenfolge auf den Prüfstand gestellt wird, müssen die Sicherheitsbehörden besser berücksichtigt werden“, sagte GdP-Vize Jörg Radek den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wichtig ist, dass die Polizei beim Impfen eine höhere Priorität bekommt“, mahnte er. Die Polizei wolle nicht in Konkurrenz zu Altenpflegern oder zum Krankenhauspersonal treten. „Aber die Reihenfolge muss wiedergeben, dass es die Polizei ist, die in der Pandemie für Sicherheit und Ordnung sorgt“, sagte der Polizeigewerkschafter.

Impf-Gipfel mit Angela Merkel: Pharma-Hersteller bremsen Erwartungen ein - doch GroKo-Parteien fordern Fortschritte

Update vom 1. Februar, 13.20 Uhr: Alle Blicke richten sich auf Angela Merkel und die Ministerpräsidenten: Beim als „Fachgespräch“ deklarierten Impf-Gipfel wollen sie ab 14 Uhr mit EU- und Pharma-Vertretern Wege suchen, die Corona-Impfkampagne zu beschleunigen. Doch schon vor Start der Runde scheint die Ausgangslage für spürbare Durchbrüche schwierig.

An Forderungen mangelt es einerseits nicht - an Mahnungen und Dämpfern aber auch nicht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erteilte schon am Vormittag Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und anderen Landeschefs eine Abfuhr (siehe voriges Update). Aber auch der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) warnte davor, zu hohe Erwartungen an die Branche zu stellen. „Eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann“, sagte VFA-Präsident Han Steutel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Montag. „Wäre es so, hätten wir es doch längst gemacht.“

Das hinderte allerdings selbst das Regierungslager nicht daran, auf greifbare Fortschritte zu drängen. „Wir müssen die Terminplanung und Organisation stark verbessern, damit wir, sobald die Impfdosen kommen, wie geplant schnell und effektiv impfen können“, schrieb Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) auf Twitter. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verwies auf das von Kanzlerin Merkel ausgegebene Ziel, allen Bürgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen. Beim Impfgipfel müsse „auf den Tisch, wie der verbindliche Weg dahin aussieht“, sagte Klingbeil t-online.de. Ob Merkels Runde in dieser Hinsicht liefern kann - es bleibt abzuwarten.

Impf-Gipfel: Droht Zoff? Spahn verkündet neuen Hammer-Deal - und lässt Söder öffentlich auflaufen

Update vom 1. Februar, 12.05 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor dem Impf-Gipfel Forderungen nach langfristigen Lieferplänen und einer Impfstoffherstellung mit Zwangslizenzen zurückgewiesen. Zwar halte er den Wunsch von Ländern und Kommunen nach mehr Planbarkeit bei der Anlieferung der Impfstoffe für „nachvollziehbar“, sagte Spahn am Montag in Berlin. Allerdings sei es derzeit noch nicht möglich, „für viele Wochen oder Monate zu sagen, was genau an welchem Tag kommt“.

Als Grund nannte Spahn, dass die Impfstoff-Produktion derzeit „von der Hand in den Mund“ lebe - es finde keine Lagerhaltung statt, die Impfstoffe würden 24 Stunden am Tag produziert und gleich ausgeliefert, sagte der Minister. Eine längerfristige Planbarkeit sei deshalb nicht möglich - das hätten ihm auch die herstellenden Unternehmen mitgeteilt.

Impf-Gipfel: Spahn erteilt vor Merkels Runde Dämpfer - öffentliche Absage an Söder und CSU

Spahn wies auch Forderungen der Opposition nach Zwangslizenzen zurück, mit denen es Unternehmen ermöglicht werden solle, Impfstoffe von Konkurrenten zu produzieren. „Wir brauchen keine Zwangslizenzen in einem Bereich, wo Unternehmen eigenständig kooperieren wollen“, sagte er. Zwangslizenzen seien allenfalls dann sinnvoll, wenn Unternehmen nicht zusammenarbeiten wollten - dies sei derzeit aber nicht der Fall.

Die Äußerungen klangen zumindest teilweise nach einer Absage an aktuelle Forderungen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Söder hatte erst am Vormittag mehr Planbarkeit bei der Impfstoff-Bereitstellung gefordert. Am Wochenende hatte der CSU-Chef Söder im Gespräch mit dem Münchner Merkur* einen „Notplan, in dem der Staat klare Vorgaben zur Produktion und Entschädigung macht“, ins Spiel gebracht - das Wort „Zwangslizenzen“ dabei allerdings nicht verwendet.

Deutlicher hatte sich Söders Parteifreund und EVP-Chef Manfred Weber ausgedrückt: „Jede mögliche Produktionsstätte muss auf Corona-Impfstoffe umgestellt werden. Zugelassene Impfstoffe müssen im Notfall auch mit einer Zwangslizensierung von anderen produziert werden“, sagte er der Bild am Sonntag.

Corona-Impf-Gipfel heute: FDP stichelt gegen Spahn - „Hat Merkels schon ‚vollstes Vertrauen‘ ausgesprochen?“

Update vom 1. Februar, 11.52 Uhr: Kurz vor dem Corona-Impf-Gipfel erhöht die Opposition den Druck auf Gesundheitsminister Jens Spahn: Die FDP sieht weiter massive Versäumnisse bei der Sequenzierung von Corona-Tests in Deutschland - also bei der Suche nach mutierten Virusvarianten.

„Im Dezember wurde nur jeder 1600. positive PCR-Test auf Mutationen untersucht - statistisch etwa einer pro Landkreis“, twitterte der Bundestagsfraktionsvize der Liberalen, Michael Theurer, am Montag. Er verwies dabei auf aktuelle Zahlen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage. Wer nicht suche, könne auch nicht finden, monierte er: „Die Mutationsüberwachung ist bisher in Deutschland löchrig wie ein Schweizer Käse.“ „Hat Bundeskanzlerin Merkel eigentlich Jens Spahn schon das vollste Vertrauen ausgesprochen?“, schob Theurer sarkastisch in einer rhetorischen Frage hinterher.

Merkels Corona-Impfgipfel: Söder denkt an neue Entlastung - mit russischem Impfstoff?

Update vom 1. Februar, 11.30 Uhr: Am Nachmittag beraten Kanzlerin und Ministerpräsidenten über die nächsten Schritte in der Corona-Impf-Misere - auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) denkt dabei an Entlastung durch weitere Impfstoffe. Ihm zufolge sollte auf EU-Ebene überlegt werden, ob eine Zulassung von anderen außer den bislang bestellten Impfstoffen helfen könnte. Konkrete Hersteller nannte er nicht - es dürfte aber unter anderem um das in Russland entwickelte Vakzin Sputnik V gehen.

Söder mahnte am Vormittag erneut auch Verlässlichkeit und Planbarkeit bei den Corona-Impfungen an. „Wir müssen wissen, wann welche Impfmengen kommen“, sagte Söder am Montag vor einer Sitzung des CSU-Parteivorstands. Es sei „besser mehr und schneller als später und weniger“ Impfstoff zu haben. „Ein Hin und Her, ein Stop and Go kann nicht im Interesse der Menschen sein“, sagte Söder. 

Beim Impf-Gipfel müsse auch überlegt werden, wie die Produktionskapazitäten erhöht werden könnten. Es sei wichtig, dass so viel Impfstoff wie möglich produziert werde, „denn es handelt sich um eine echte Notsituation“ .Es bringe allerdings nichts, die komplette Fehlerkette zu analysieren. Es gehe darum, die Impfungen zu beschleunigen. „Impfen rettet Leben, Impfen schafft Freiheit und Impfen stärkt den wirtschaftlichen Neustart.“ Söder 

Impf-Gipfel: Spahn äußert sich zu AstraZeneca - Laschet fordert schnellere Genehmigungen

Update vom 1. Februar, 10.30 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet schaltet sich nach Verbindungsproblemen auch dazu. Er hält es für wichtig, dass „Genehmigungsverfahren beschleunigt werden“, damit die Produktion in den Werken wie in Wuppertal schnell starten kann.

Jens Spahn geht nochmals auf den Impfstoff von AstraZeneca ein. Zwar gebe die EU keine Empfehlung mit Blick auf die ältere Bevölkerung, aufgrund der nicht ausreichenden Daten werde der Impfstoff in Deutschland aber erstmal nicht Älteren eingesetzt. Deswegen werde die Impfverodnung angepasst. Ärzte und Pfleger könnten so jetzt schneller an die Reihe kommen.

Update vom 1. Februar, 10.26 Uhr: Die Bayer AG wird den Impfstoff vorrangig in ihrem Werk in Wuppertal herstellen, aber auch ihr internationales Netzwerk nutzen. Franz-Werner Haas von CureVac erklärt: „Wir schauen uns die Corona-Mutationen genau an.“ Die Studienergebnisse werden natürlich untereinander geteilt. Wichtig seien auch größere Produktionskapazitäten um den derzeitigen Impfstoff und mögliche an Mutationen angepasste Impfstoffe gleichzeitig herzustellen.

Pressekonferenz vor Impf-Gipfel: Spahn lobt Kooperation zwischen CureVac und Bayer

Update vom 1. Februar, 10.18 Uhr: Haas erklärt, dass es zu wenige Produktionsstandorte für den neuen mRNA-Impfstoff gebe. Deswegen sei die Zusammenarbeit mit Bayer wichtig, um die Kapazitäten zu erhöhen. In diesem Jahr seien „bis zu 300 Millionen Dosen geplant“. Für das Jahr 2022 seien bisher 600 Millionen Dosen geplant gewesen. Durch Ausweitung des bestehenden Produktionsnetzwerkes könne es nun mindestens eine Milliarde werden.

Update vom 1. Februar, 10.09 Uhr: Jens Spahn lobt die neue Kooperation der beiden Unternehmen. „Wir werden Impfstoffe brauchen über den Sommer hinaus“, erklärt der Gesundheitsminister. Man wisse nicht, ob es eine Auffrischung brauche oder der Impfstoff wegen Mutationen angepasst werden müsse. Deshalb werde weiterhin Impfstoff bestellt und Produktionskapazitäten in Europa gesichert werden. Deswegen werde auch Impfstoff für 2022 gesichert.

Spahn-PK vor Impfgipfel: Neue Kooperation zwischen CureVac und Bayer

Update vom 1. Februar, 10.03 Uhr: CureVac-CEO Franz-Werner Haas erklärt, dass sein Unternehmen mit der Bayer AG eine intensive Zusammenarbeit gestartet haben. Ziel sei, die Produktion zu erhöhen, außerdem sei das Produktionsnetzwerk mit weiteren Partnern erweitert worden. Mehrere 100 Millionen Dosen seien dieses Jahr geplant. „Es geht darum, Impfstoff breit zur Verfügung zu stellen.“

Bayer unterstütze CureVac bei der Entwicklung des Impfstoffs. Bayer wird bei der Produktion des Impfstoffs helfen und das Mittel selbst herstellen. Das Unternehmen wird dazu sein eigenes Netzwerk nutzen.

Söder fordert vor Impf-Gipfel mit Merkel „Verlässlichkeit“ bei Impfstoff

Update vom 1. Februar, 10.03 Uhr: CSU-Chef Markus Söder sagt am Morgen vor dem Impf-Gipfel: „Es ist wichtig, dass wir aus der Enttäuschung wieder mehr Hoffnung machen.“ Außerdem wirbt er vor der CSU-Vorstandssitzung für „Verlässlichkeit“. In der Bevölkerung herrsche derzeit zu viel Verunsicherung, sagt Söder.

„Wir müssen auch überlegen, wie wir Produktionskapazitäten erhöhen können, es handelt sich um eine absolute Notsituation“, stellt der Ministerpräsident klar. Söder wirbt für einen „dauerhaften Austausch“ in Bezug auf das Thema Impfen. „Bei der Corona-Bekämpfung in Bayern sind wir an einem Zwischenpunkt. Die Zahlen gehen nicht mehr so schnell runter wie vor ein paar Wochen. Wir werden die Entwicklung weiter anschauen. Die großen Lockerungen sind derzeit nicht verantwortbar, das ist für mich völlig klar“. Am 10. Februar ist die nächste Zusammenkunft der Ministerpräsidenten geplant.

Update vom 1. Februar, 9.50 Uhr: Nach Informationen der Bild sollen Gesundheitsminister Jens Spahn und der Pharmakonzern Bayer in Kürze einen neuen Impf-Deal verkünden.

Merkels Corona-Impfgipfel heute: Biontech-Hammer schon vorab

Update vom 1. Februar, 8.30 Uhr: Gute Nachrichten vor dem Impfgipfel: Der Impfstoffhersteller Biontech kann nach eigenen Angaben im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die Europäische Union ausliefern. Das teilte das Mainzer Unternehmen am Montagmorgen mit - wenige Stunden vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern. „Wir arbeiten weiterhin an der Erhöhung der Lieferungen ab der Woche vom 15. Februar, um die vertraglich festgelegte Lieferung der vollen Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal sicherzustellen“, wird Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting in der Mitteilung zitiert. „Außerdem könnten wir im zweiten Quartal bis zu 75 Millionen Dosen mehr an die Europäische Union ausliefern.“

Nach dem EU-Verteilungsschlüssel bekommt Deutschland also im zweiten Quartal rund 13,95 Millionen zusätzliche Impfdosen. Das reicht um knapp sieben Millionen Menschen vollständig zu impfen.

„Um der gestiegenen weltweiten Nachfrage gerecht zu werden, planen wir, im Jahr 2021 zwei Milliarden Dosen unseres COVID-19-Impfstoffs herzustellen. Dafür werden wir die zuvor geplante Produktion von 1,3 Milliarden Impfdosen um mehr als 50 Prozent steigern. Die Maßnahmen, um unsere Produktionskapazitäten zu erweitern, laufen nach Plan“, erklärt Poetting weiter.

Alles blickt auf Merkels Corona-Impfgipfel heute: Doch Spahn dämpft jetzt schon Erwartungen - Impfrekord in GB

Update vom 1. Februar, 7.05 Uhr: „Wir können durch einen Gipfel alleine noch nicht mehr Impfstoffe produzieren“, warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntagabend in einem Bild-Talk vor übertriebenen Erwartungen an den heutigen Impf-Gipfel*.

Man müsse realistisch bleiben. Wichtig sei, dass man bei dem Spitzentreffen zunächst ein einheitliches Bild bekomme, wo die Schwierigkeiten lägen und wo die Politik helfen könne. Die Bundesregierung könne den Bundesländern auch nur die Lieferdaten und -mengen nennen, die sie von den Herstellern bekomme. Die Produktion von Impfstoff lasse sich auch mit Geld nicht beschleunigen, so Spahn.

Corona-Impf-Gipfel in Deutschland: FDP-Chef Lindner spricht von Tempo-Prämien für Impfstoff-Produktion

FDP-Chef Christian Lindner hat vor dem Impf-Gipfel ein Ende der Schuldzuweisungen und konkrete Schritte für mehr Tempo beim Corona-Schutz gefordert. Für beschleunigte Lieferungen von Impfstoffen solle der Staat auf den marktwirtschaftlichen Wettbewerb setzen, sagte Lindner der dpa.

„Viele Ökonomen empfehlen deshalb eine Tempo-Prämie für die Ausweitung der Produktion. Es muss ein Anreiz für die Branche geschaffen werden, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen“, so der FDP-Chef. „Die Forderungen aus CSU und Grünen nach einer staatlich gelenkten Not-Wirtschaft sollen beeindruckend klingen, sie lösen aber kein Problem“, sagte Lindner weiter. „Sie lenken eher davon ab, dass es staatliches Versagen bei der Beschaffung war.“ Wenn man die immensen Kosten des Lockdowns sehe, dann sei eine Investition in beschleunigten Kapazitätsausbau bei der Impfstoffproduktion alle Mittel wert.

Corona-Impf-Gipfel in Deutschland: CDU-Landrat mit Rundumschlag

Im Fokus der Impfkritik: Die CDU-Spitzenpolitiker ernten in der Corona-Pandemie eine heftige Schelte

Update vom 31. Januar, 20.20 Uhr: Der Corona-Impf-Gipfel bei Kanzlerin Angela Merkel am Montag könnte turbulent werden - denn die Akteure stehen gewaltig unter Zugzwang. Zwar konnte die EU-Kommission am Sonntag noch einen kleinen Erfolg im Ringen mit dem Hersteller Astrazeneca vermelden*. Doch CDU-Chef Armin Laschet bekam kurz vor den Beratungen ebenso eine Breitseite ab wie die EU.

Laschet bekam Unmut aus eigenen Reihen zu spüren. „Es herrscht das reinste Chaos“, sagte der CDU-Landrat des zu Beginn der Corona-Krise heftig gebeutelten Landkreises Heinsberg mit Blick auf die Impf-Terminvergabe für Über-80-Jährige in NRW. „Ich würde mir wünschen, dass er sich mal all diese Wut-Mails von Bürgern zu Gemüte führen würde“, erklärte Stephan Pusch in einem Interview mit dem Portal Focus Online. „Vor Weihnachten hieß es noch, alles wird besser“, betonte er, „fast zwei Monate später steht bei uns immer noch die große Anlaufstation mit vier Impfstraßen leer“.

Corona-Impfungen in Deutschland: Ausgerechnet CDU-Landrat rechnet scharf mit Merkel, Laschet und Spahn ab

Der Landrat verschonte kaum eine politische Instanz mit harter Kritik: „EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen postete gerührte Tweets. Jens Spahn und die Kanzlerin begrüßten geradezu euphorisch die neue Entwicklung, um dann nur einige Wochen später vor den Liefer-Engpässen zu warnen“, ärgerte sich Pusch in den Gespräch. Er vermisse ein ehrliches Bekenntnis zu den bisherigen Fehlschlägen von Merkel und Spahn. Mittlerweile gebe es eine „äußerst explosive Lage“ in der Bevölkerung. Verfehlte positive Impf-Zwischenbilanzen warf er auch Laschet und NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann (CDU) vor.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) lenkte unterdessen den Fokus auf die EU. „Es wäre gut gewesen, Europa hätte mehr Impfstoff bestellt. Viel weiter über den eigenen Bedarf hinaus“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der Süddeutschen Zeitung. Am Geld wäre ein solches Vorgehen aus seiner Sicht nicht gescheitert. „Über den Kauf der Impfstoffe hat die EU-Kommission verhandelt. Wenn die Kommission von uns weitere Finanzmittel erbeten hätte, hätten wir auch der EU zusätzliches Geld überwiesen.“ Impfen habe „höchste Priorität“, versprach Angela Merkels Vizekanzler zugleich.

Großbritannien meldet Impfrekord

Dass es auch besser geht, beweist unterdessen Großbritannien: Allein am Samstag wurden nach Angaben der Regierung im Vereinigten Königreich knapp 600.000 Impfdosen verabreicht. Die Zahl der Erstimpfungen stieg damit auf knapp neun Millionen. Eine zweite Dosis haben demnach aber erst rund 490.000 Menschen erhalten. Auch diese Zahlen dürften den Protagonisten in Deutschland weiteren Druck bescheren.

Impf-Gipfel: Landeschef schreibt Forderungs-Brief an Merkel - Söder-Minister warnt vor „Show-Veranstaltung“

Update vom 31. Januar, 18.22 Uhr: Am Montag soll beim Impf-Gipfel Klartext gesprochen werden. An der Videokonferenz sollen die Länder-Chefs, mehrere Bundesminister sowie die Kanzlerin, Impfstoffhersteller und Vertreter der EU-Kommission teilnehmen.

Berlins Regierender Bürgermeister und zudem Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), hat seine Forderung nach einem kurzfristigen „nationalen Impfplan“ zuvor in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigt. Wenn man bis Ende September allen impfwilligen Personen in Deutschland ein Impfangebot machen wolle, bedürfe „es nun eines konkreten Fahrplans, um dieses Ziel zu erreichen“, erklärte Müller in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Müller erklärte demnach, nötig seien einerseits verlässliche und verbindliche Informationen zu den Impfstofflieferungen. Außerdem sei „sehr zeitnah“ ein Überblick über die weitere Entwicklung beim Impfen in Deutschland erforderlich. In dem Brief an Merkel dringt er auf eine Übersicht, aus der die Möglichkeiten für eine Ausweitung der Produktionskapazitäten hervorgehen. „Es ist in der aktuellen Situation von entscheidender Bedeutung, dass wir alle verfügbaren Kapazitäten am Hochtechnologiestandort Deutschland und in der Europäischen Union mobilisieren, um die Impfstoffproduktion zu unterstützen“, schreibt Müller. Dazu gehörten sowohl Lizenzproduktionen als auch die Ausweitung von Zulieferungen.

Um solche Ziele auch am Montag zu erreichen, müssen alle Probleme auf den Tische: „Das darf keine Show-Veranstaltung werden, sondern wir müssen nachvollziehen können, wo die Probleme sind und diese dann auch abstellen“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) der Augsburger Allgemeinen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach am Sonntag gegenüber unserer Redaktion* außerdem von einem benötigten „Notplan, in dem der Staat klare Vorgaben zur Produktion und Entschädigung macht“.

Gipfel am Montag: Chaos bei Corona-Impfungen - Lieferengpässe, fragliche Wirkung, zu wenig bestellt

Angela Merkel und Michael Müller bei einem Corona-Ministerpräsidententreffen.

Erstmeldung vom 31. Januar: Berlin - Klarheit schaffen, verlässliche Zeitpläne vereinbaren, mehr Tempo machen. Der Corona*-Impf-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)* und den Ministerpräsidenten der Länder soll ein Befreiungsschlag auf ganzer Linie werden. Nötig wäre der wohl dringend. Der Corona-Impfstart zum Jahreswechsel wirkt versemmelt auf allen Ebenen. Ein Überblick:

Die Vorwürfe sind hart und bisher konnte oder wollte sie keiner so recht vom Tisch räumen: Die EU hat zu wenig Impfdosen bestellt und das offenbar auch noch vertraglich schwammig. Bei Biontech gibt‘s einen plötzlichen Lieferstopp. Auch Moderna reduziert seine Zusagen deutlich nach unten. Und Astrazeneca wird vom Robert-Koch Institut (RKI) eine vernünftige Wirkung bei über 65-Jährigen abgesprochen.

Vor allem aber: In Deutschland kommt gefühlt viel zu wenig Impfstoff an. Was vielleicht auch mit der bekannten deutschen Kleinstaaterei zu tun haben mag. Jedes Bundesland verteilt seine Impfdosen anders. In Bayern organisiert sogar jeder Landkreis die Verteilung ein bisschen anders. Zumindest von dem wenigen Impfstoff, der da ankommt. Viel ist es nicht.

Chaos bei Corona-Impfungen: Jedes Bundesland impft anders, in Bayern sogar jede Region

Denn während beispielsweise in Niedersachsen, Hessen und Rheinlandpfalz schon fleißig über 80-Jährige durchgeimpft werden, setzte man in Bayern bisher eher auf eine Herdenimmunität an den größten Kliniken des Landes. In der Breite kommt daher wenig an, auch wenn sich das kaum einer zu sagen traut. Da klingt Markus Söders aktueller Vorschlag, den er im ZDF-Morgenmagazin äußerte, man solle mit Astrazeneca halt Klinikpersonal und Ärzte impfen und keine Alten, ja ganz nett. Nur grade in seinem Bundesland sind die großen Kliniken schon einigermaßen gut versorgt, die Alten dagegen nicht.

Corona-Impf-Chaos in Deutschland: Spahn beschwichtigt und verspricht

Währenddessen macht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)*, was er seit Wochen macht, er beschwichtigt und verspricht Besserung: „Es kommen jede Woche Impfstoffe, und es werden auch mehr, Zug um Zug.“ Man habe ein Jahr nach Beginn der Pandemie drei zugelassene wirksame Impfstoffe. 3,5 Millionen Dosen seien schon ausgeliefert worden, rechnet sein Ministerium vor, fünf weitere sollen bis 22. Februar kommen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD)* glaubt da nicht mehr so recht dran. Sie sagte zur BamS:

„Die Mengen des Impfstoffs von Moderna sind um 20 Prozent gekürzt, die Ankündigungen von Astrazeneca stehen unter Änderungsvorbehalt. Auf dieser Basis können wir noch immer nicht verlässlich Impftermine vergeben.“

Impf-Gipfel mit Merkel: Frage bleibt, was Deutschland alleine lösen kann

Die Hoffnungen auf dem Impf-Gipfel am Montag (1. Februar) im Kanzleramt sind deshalb groß. Allein, was er leisten kann, sei sehr dahingestellt. Bestellung, Verträge und Lieferung liegen bekanntlich bei der EU, weder beim Bund, noch bei den Ländern. Lesen Sie dazu auch den aktuellen Merkur.de*-Kommentar*.

Das sieht unter anderen Franziska Brantner genauso, europapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag: „Ein nationaler Impfgipfel allein hilft nicht weiter. Pharmaunternehmen sind in der Regel multinational aufgestellt. Hier muss die EU tätig werden“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Vor Corona-Impf-Gipfel mit Merkel: Politiker fordern verbindliche Aussagen

Trotzdem: SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich fordert vom Gipfel „genauere und verbindliche Aussagen darüber, wie die Pharmaindustrie ihre Lieferverpflichtungen einhalten will und wie sie die Produktion von Impfstoffen aufstocken kann, damit die Verimpfung vor Ort reibungslos funktionieren kann“.

Klare Worte fand auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. „Die Städte erwarten keine vagen Versprechungen mehr, sondern eindeutige Antworten auf die zwei wesentlichen Fragen: Wann gibt es ausreichend Impfstoff? Wann wird welcher Impfstoff ins Impfzentrum geliefert?“, sagte Dedy der Deutschen Presse-Agentur.

Vor Corona-Impf-Gipfel im Kanzleramt: Habeck fordert „Notimpfwirtschaft“

Grünen-Chef Robert Habeck* forderte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe eine „Notimpfstoffwirtschaft“, um mehr Impfstoff zu produzieren. Alle Pharmakonzerne seien „unverzüglich ihren Fähigkeiten entsprechend in die Produktion einzubeziehen“, verlangte Habeck.

Corona-Impf-Gipfel im Kanzleramt: Altmaier warnt vor Lockdown-Verlängerung

Und die Liste mit guten Ideen und Forderungen geht beliebig weiter. Da wundert es kaum, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)* in der Welt am Sonntag schon mal die Wirtschaft vorwarnt: Dort schloss er nicht aus, dass auch wenn Deutschland bei der Inzidenz unter 50 sinkt, der Lockdown trotzdem verlängert werden muss. *Merkur.de und mls24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke

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