Nach zahlreichen Inhaftierungen

In Antalya festgenommener Deutscher ist wieder frei

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In ruhigeren Zeiten galt Antalya als ungefährliche und friedliche Urlaubsoase für deutsche Touristen.

Der Deutsche war gemeinsam mit seiner Frau am Flughafen von Antalya festgenommen worden. Das angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland wurde dadurch weiter belastet.

Antalya - Der Mann, den die Polizei am vergangenen Donnerstag am Flughafen der südtürkischen Stadt Antalya festgesetzt hatte, wurde freigelassen, dürfe die Türkei aber nicht verlassen, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Donnerstag in Berlin. Der Deutsche werde konsularisch betreut. 

Seine mit ihm festgenommene Frau war bereits zuvor freigekommen und nach Deutschland ausgereist. Die Festnahme der beiden Deutschen hatte die ohnehin angespannten Beziehungen der Türkei und Deutschlands weiter belastet. Das Auswärtige Amt verschärfte daraufhin seine Reisehinweise für die Türkei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) kündigten bei ihrem TV-Duell am Sonntag an, sich für die Aussetzung oder den Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei einzusetzen. 

Dem türkischstämmigen Paar wurden Beziehungen zu Gülen vorgeworfen

Bei den beiden inhaftierten Deutschen handelt es sich laut Medienberichten um ein türkischstämmiges Unternehmerpaar aus Rheinland-Pfalz. Sie sollen unter dem Verdacht festgenommen worden sein, zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, die von Ankara für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Laut der "Süddeutschen Zeitung" schwärzte ein anonymer Tippgeber sie bei den türkischen Behörden an und teilte auch ihre Ankunftszeit in Antalya mit. Demnach war das Paar zuvor regelmäßig in die Türkei gereist und erst vor wenigen Wochen im Land gewesen. In der Türkei sind seit dem Putschversuch mehr als 50.000 Menschen aufgrund oft vager Hinweise inhaftiert worden. 

Schimpftiraden aus Ankara

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte die deutsche Kritik an den Festnahmen der "Putschisten" scharf zurückgewiesen und der Bundesregierung Einmischung in türkische Angelegenheiten vorgeworfen, da die Festgenommenen auch Türken seien. Laut den deutschen Medienberichten haben die Betroffenen aber ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. 

In der Türkei sind seit dem Putschversuch immer wieder EU-Bürger inhaftiert worden. Nach Freilassung des Deutschen in Antalya befinden sich derzeit noch zehn deutsche oder deutsch-türkische Staatsbürger aus mutmaßlich politischen Gründen in Haft. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) wirft Erdogan vor, die Häftlinge als "Geiseln" zu halten.

AFP

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