Erstes Interview als Kandidat

In staatsmännischer Manier: Steinmeiers Appell an Trump

Berlin - Frank-Walter Steinmeier steht vor dem Karrieresprung. Weil sich Union und SPD einigten, könnte er Anfang 2017 als Nachfolger von Joachim Gauck Bundespräsident werden. Nun hat er erstmals gesprochen.

Frank-Walter Steinmeier ist 60 Jahre alt und nun ganz offensichtlich am Ziel. Der einstige Kanzlerkandidat der SPD schafft es als Kandidat der Großen Koalition aller Voraussicht nach ins höchste Amt des Staates. 

Steinmeier war bereits vor Wochen von SPD-Chef Sigmar Gabriel für das höchste Amt im Staat vorgeschlagen worden. Am Montagmorgen gaben dann auch die Unionsparteien grünes Licht. Steinmeier änderte deshalb heute seine Flugroute, flog von Brüssel nach Berlin und erst von dort in die Türkei. Der Bild-Zeitung beschrieb er seine Gefühlswelt: „Zunächst bin ich vor allem dankbar für die große Unterstützung und Ermutigung, die von Menschen außerhalb und innerhalb der Politik gekommen ist - und das quer über die Parteien hinweg", sagte er. „Das zu erleben, ist schön", fügte er hinzu. 

Allerdings gaben sich nicht alle begeistert von der Wahl. Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht sie sogar als „Niederlage“ der Union an. Horst Seehofer dagegen verteidigt die Schwesternparteien. Und für Kanzlerin Angela Merkel ist es schlicht eine Entscheidung der Vernunft.

Steinmeier hofft auf Trumps Einsicht

An den künftigen US-Präsidenten Donald Trumps appelliert er:„Wir können jetzt jedenfalls nur hoffen, dass sich nach einem polarisierenden und schmutzigen Wahlkampf der gewählte Präsident nicht so verhalten wird wie der Wahlkämpfer Donald Trump.“

Steinmeier hatte Trump einen „Hassprediger“ genannt: „Ich hoffe, dass schnell die Einsicht einkehrt, dass die Welt da draußen um einiges komplizierter, der Klimawandel kein Schwindel und die Nato keine überflüssige Veranstaltung ist.“

Bundespräsidentenwahl am 12. Februar

Schließlich warnte Steinmeier vor den aufstrebenden populistischen Kräften - auch hierzulande: „Wer mich kennt, weiß, dass ich es mir nie einfach gemacht habe, sondern immer auch unbequeme Dinge sage, für die es in der Öffentlichkeit keinen Applaus gibt. Und ich baue darauf, dass dieser Weg am Ende die Oberhand gewinnt.“

Steinmeier kann am 12. Februar von der Bundesversammlung zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden. Und das - nach Gustav Heinemann und Johannes Rau - als erst dritter Sozialdemokrat.

mke

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