Linke Proteste gegen Nazidemo in Berlin

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Neonazi-Aufmarsch
1 von 29
Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagt zur Neonazi-Demonstration anlässlich des 30. Todestages von Rudolf Heß: „Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen.“
Andreas Geisel
2 von 29
Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagt zur Neonazi-Demonstration anlässlich des 30. Todestages von Rudolf Heß: „Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen.“
Neonazi-Aufmarsch
3 von 29
Neonazis versammelten sich anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.
4 von 29
Neonazis versammelten sich anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.
Demo gegen Neonazi-Aufmarsch
5 von 29
Demo gegen Neonazi-Aufmarsch
6 von 29
Neonazis versammelten sich anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.
7 von 29
Neonazis versammelten sich anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.
8 von 29
Neonazis versammelten sich anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß.

Berlin-Spandau im Zeichen des Protests: Verschiedene linke Gruppen stellten sich dort einem Neonazi-Aufzug zum Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Heß entgegen.

Berlin - Die Teilnehmer liefen in der Nähe des Bahnhofs los, wo auch die Rechtsextremisten starten wollten. Bis zum Mittag hatten sich rund 500 Neonazis versammelt. Nach Polizeiangaben wurden sie in Zelten „intensiv vorkontrolliert“. Rund 1000 Polizisten waren im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern, wie ein Sprecher mitteilte.

Nach kurzer Zeit wurde der Zug der Rechten von linken Demonstranten gestoppt. Parteien wie SPD, Grüne und Linke, Gewerkschaften und Bündnisse gegen Rechts unterstützten die Gegenproteste - neben dem Demonstrationszug waren auch verschiedene Kundgebungen geplant.

Gegendemonstranten blockieren Demo-Route

Den mehreren hundert Neonazis stellten sich nach Teilnehmerangaben mehr als tausend Gegendemonstranten entgegen und blockierten die vorgesehene Route der Rechten. Die Polizei bemühte sich mit einem Großaufgebot, die Gruppen voneinander getrennt zu halten. Zu größeren Zusammenstößen kam es laut Polizei zunächst nicht, wohl allerdings zu einzelnen Zwischenfällen und auch Festnahmen. Auf Anweisung der Polizei wurde schließlich die Demonstrationsroute der Rechten geändert, offensichtlich da ein Durchkommen auf dem eigentlich geplanten Weg durch die Innenstadt nicht möglich war. Einzelne Rechtsextreme, die es wegen der Blockaden nicht zum Demonstrationsort geschafft hatten, hielten eine spontane Kundgebung im benachbarten Falkensee ab.

Innensenator findet klare Worte

Die Demonstration fand anlässlich des 30. Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß statt. Er starb am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau. Zu den Gegenkundgebungen hatte ein breites Aktionsbündnis aufgerufen, das unter anderem von SPD, Grünen, Linkspartei, Kirchen sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt wurde. In ihrem Aufruf wandten sie sich nicht nur gegen ein "Heldengedenken" für Heß, sondern auch generell gegen "rassistische Stimmungsmache" sowie "Drohkulissen gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete".

Laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) war der Neonazi-Aufmarsch mit hohen Auflagen verbunden. „Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen, wir haben das sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt“, sagte er dem RBB-Inforadio.

Die Rechten wollten vom Bahnhof zur Wilhelmstraße ziehen. Dort stand das ehemalige Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten, in dem Heß einsaß. Am 17. August 1987 tötete er sich im Alter von 93 Jahren selbst. Das Gefängnis wurde danach abgerissen. Rund um den 17. August gab es immer wieder Aufmärsche von Neonazis. Zum Teil wurden sie verboten.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Gabriel hofft auf Rückkehr der Rohingya nach Myanmar

Sigmar Gabriel hat in Myanmars Hauptstadt Regierungschefin Aung San Suu Kyi getroffen. Er hofft, dass die Rohingya unter sicheren Bedingungen in das Land zurückkehren …
Gabriel hofft auf Rückkehr der Rohingya nach Myanmar

“Totgesagte leben länger“: Bekommt Jamaika doch noch eine letzte Chance?

Die FDP hat einer Jamaika-Koalition den Todesstoß verpasst. Wie geht es jetzt weiter? Die Parteien machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe. Alle News in unserem Ticker.
“Totgesagte leben länger“: Bekommt Jamaika doch noch eine letzte Chance?

Geplant oder unvermeidlich: Warum ist Jamaika gescheitert?

Nach einer historischen Nacht bleiben mehr Fragen als Antworten. Warum hat die FDP so kurz vor dem Ziel die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition abgebrochen? …
Geplant oder unvermeidlich: Warum ist Jamaika gescheitert?

Reaktionen auf Jamaika-Aus: „Schockiert über diesen Abgang“

Die FDP hat die Jamaika-Verhandlungen abgebrochen. "Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend. So …
Reaktionen auf Jamaika-Aus: „Schockiert über diesen Abgang“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.